Zermatt Rail Travel (ZRT) ist ein auf Bahnreisen spezialisierter Veranstalter, welcher 2005 in Brig von Cäcilia Flury und André Pellet (Ex-Railtour) gegründet wurde. Pellet und seine Geschäftspartnerin teilen sich die Geschäftsführung auf; im Briger Büro sind inzwischen fünf Personen angestellt, wobei ab Sommer eine zusätzliche 80%-Stelle besteht. Seit Januar 2011 gibt es einen Ableger in Lausanne, wo zwei Mitarbeiterinnen Suzanne Balmer und Anne Wagnon (Ex-Railtour) angestellt sind.
ZRT verfügt über ein grosses Netzwerk im europäischen Bahnreisesektor und ein bemerkenswertes Programm. Laut Pellet werden z.B. zwei Waggons der Transsibirischen Eisenbahn «gechartert», welche je nach Ort abgehängt werden, um den Passagieren mehr Aufenthaltszeit an besonderen Orten zu bieten, wobei die Wagen dann einfach am nächsten vorbeifahrenden Transsib-Zug wieder angehängt werden.
ZRT ist beidseits des «Röschtigrabens» tätig, wobei das Gros der Kundschaft aus der Romandie kommt. Dies, weil einerseits die meisten Produkte an Daten angeboten werden, welche für Kunden aus der Romandie besser geeignet sind, aber auch weil, laut Pellet, viele Romands «Nischen-Bahnreisen suchen, welche sie bei den grossen Veranstaltern nicht finden, oder es gibt diese nur auf Deutsch». Bei den Mitarbeitern von ZRT halten sich Romands und Deutschschweizer in etwa die Waage es gibt also keine Probleme, um Kundschaft in mehreren Sprachen zu bedienen.
Zurzeit wächst ZRT stark laut Pellet stiegen die Verkaufszahlen zwischen 2009 und 2010 um rund 25%, im letzten Jahr etwas schwächer, wobei das Angebot ausgeweitet wurde. Aus-serdem gab es Nachfrageeinbrüche bei Langstreckenreisen, doch habe die Nachfrage 2011 wieder angezogen.
Spannend sei, dass treue Kunden auch stets nach neuen Routen verlangen. Dazu gehören etwa der Lhasa-Zug in Tibet, Zugreisen in Schweden und Norwegen oder Kleinzüge wie die Ligne de Tende (Côte dAzur-Provence). Auch Schweizer Produkte werden angeboten, wobei der Glacier und der Bernina Express die beste Nachfrage verzeichnen.
Die Kundschaft setzt sich laut Pellet derzeit aus mehrheitlich über 50-Jährigen zusammen, welche oft «flugmüde» seien und nähere Ziele (neu) entdecken wollen, aber vor allem die Natur schätzen. Auf dem Transsib etwa sei das Durchschnittsalter aber deutlich tiefer.
Was den Vertrieb angeht, so hat ZRT zu Beginn eng mit dem TCS kooperiert. Dabei wurden auch exklusive Reisen für TCS-Kunden aufgelegt. Mit der Übernahme der TCS-Reisebüros durch Kuoni kam diese Kooperation zum Ende, da Kuoni in seinem Portfolio bereits den Bahnreisespezialisten Railtour hat. Zurzeit ist ZRT daran, einen neuen Partnerschaftsvertrag mit Hotelplan zu unterzeichnen. «Ideal wäre es, wenn wir der Bahnreisespezialist des Migros-Reisespezialisten sind», so Pellet.
Allerdings baut ZRT nicht auf den Reisebürokanal. Bisher wurden die Produkte v.a. direkt, etwa über Anzeigen oder Leserreisen, vertrieben. Dazu Pellet: «Der Verkauf von Bahnprodukten ist sehr komplex und benötigt spezifisches Wissen. Bahnreisen sind nicht einfach Städtereisen.»



