Bei Reisen zu Destinationen in einer Entfernung zwischen 500 und 1000km stellt sich immer wieder die Frage nach dem geeigneten Beförderungsmittel.
Bei der Beratung im Reisebüro ist zunächst eine genaue Bedürfnisabklärung beim Kunden nötig: Wie lange dauert der Aufenthalt vor Ort, d.h. ist eine Rückkehr am selben Tag nötig? Wo liegen der Ort des Reisebeginns und das Reiseziel, und sind dazwischen noch weitere Stopps mit Übernachtung vorgesehen? Wie gut ist das jeweilige Angebot mit Bahn bzw. Flugzeug zwischen den gewählten Städten?
Damit lässt sich oft schon klar sagen, welche Variante besser geeignet ist. Zur Sicherheit sollte man noch abklären, ob der Kunde eher der «Bahntyp» oder eher der «Fliegertyp» ist. Bei der Entscheidung spielt natürlich nicht selten der Preis eine entscheidende Rolle. Allenfalls sollte auch noch geklärt werden, ob ökologische Anhaltspunkte bei der Wahl des Beförderungsmittels berücksichtigt werden.
Bei stark nachgefragten «City Pairs», wo das Bahn- und das Flugangebot breit ist und sich die Preise oft nähern, ist eine treffende Beratung eventuell besonders schwierig. Da sind genaue Kenntnisse der Möglichkeiten nötig. Anbei einige Beispiele:
Frankfurt
Das deutsche Finanzzentrum liegt mit einer Distanz von 300km (Luftlinie) bzw. 400 bis 420km (Landweg) schon in vernünftiger Reichweite für eine Autofahrt. Zurzeit bieten Lufthansa und Swiss aber zehn tägliche Nonstop-Flüge ab Zürich an, was Tagesreisen einfach macht (Flugdauer 1h 10min). Der Flughafen Frankfurt ist rund 13km vom Ortszentrum entfernt; ab dem Regi-onalbahnhof gibt es regelmässige Züge in die Innenstadt.
Mit der Bahn gibt es ab Zürich pro Tag 27 Verbindungen nach Frankfurt; die schnellste dauert 3h 53min. Damit nähert man sich bei der Gesamtreisedauer («door-to-door») schon recht stark jener mit dem Flugzeug. Die Züge (Intercity, Eurocity, ICE) nehmen es auch in puncto Service und Ausstattung problemlos mit dem Flugzeug auf.
Paris
Die französische Hauptstadt ist auf dem Luftweg rund 500km entfernt, die Flugzeit beträgt in der Regel 1h 10min. Pro Tag gibt es derzeit 12 Verbindungen zwischen Zürich und Paris-CDG, angeboten von Swiss oder Air France. Mit dem RER B kommt man in 28 Minuten vom Flughafen ins Zentrum (Chatelet).
Auf dem Landweg beträgt die Distanz je nach Variante 650 bis 700km. TGV-Lyria bietet ab Zürich/Basel, aber auch ab Interlaken/Bern, Lausanne/Bern oder Genf täglich mehrere Abfahrten nach Paris. Die Fahrt ab Zürich beträgt 4h 34min, die Ankunft erfolgt in der Gare de Lyon im Herzen von Paris.
Wien
Von Zürich nach Wien sind es auf der Luftlinie rund 600km, mit einer normalen Flugzeit von 1h 20min. Pro Tag gibt es ab Zürich 9 bis 12 Abflüge auf Nonstop-Routen von Swiss oder Austrian Airlines bzw. Niki. Die Flüge sind über den ganzen Tag verteilt. Der Flughafen Wien-Schwechat liegt rund 15km vom Stadtzentrum entfernt, was einer rund 20-minütigen Taxifahrt entspricht oder mit dem CAT bis Wien-Mitte 16 Minuten dauert.
Auf dem Landweg ist Wien je nach Variante zwischen 750 und 770km entfernt. Seit 2008 bietet der «Railjet» der ÖBB die schnellste Zugvariante nach Wien; seit dem Fahrplan-wechsel anfangs Dezember sind sechs Zugpaare pro Tag zwischen Zürich und Wien (und weiter nach Budapest) unterwegs. Ankunft ist jeweils am Wiener Westbahnhof, unweit von Schönbrunn, von wo aus man mit der U-Bahnlinie U3 schnell ins Zentrum gelangt. Die Reisezeit ZürichWien ist seit Kurzem 20 Minuten kürzer und beträgt noch 7h 44min.
Fazit
Je länger die Strecke, desto eher spricht der Zeitfaktor für den Flug, inklusive Check-in, Pass- und Security-Kontrolle. Die Distanz vom Wohnort zum Flughafen ist aber auch entscheidend, zumal es mehr Bahnhofanschlüsse als Flughäfen gibt. Hat das Flugzeug den Zeitfaktor klar für sich, so sieht es beim Komfort anders aus: Die Bahn verkehrt wirklich Zentrum-zu-Zentrum, lästige Kontrollen und eine «Gängelung» (Gurte, Handyverbot, beschränkte Bewegungsmöglichkeiten etc.) entfallen.
Im klassischen, sehr zeitgebundenen Geschäftsverkehr bleibt es für die Bahn schwierig. Aber mit der 2007 erfolgten Gründung der Bahnallianz «Railteam» ist man daran, die Bahnangebote im internationalen Hochgeschwindigkeitsverkehr besser zu vernetzen, um europaweit nahtlose Reiseketten von Innenstadt zu Innenstadt zu ermöglichen und die Distribution internationaler Tickets zu vereinfachen. So nähert sich das landgebundene Bahnprodukt auch serviceseitig immer mehr dem Angebot von Luftfahrtallianzen an.



