Vueling will im Europageschäft bestehen, indem sie Kosten senkt und gleichzeitig den Service ausbaut. Wie soll das funktionieren?
Jedes Meeting und jede Diskus-sion beginnt mit der Kostenfrage. Das Thema ist allgegenwärtig. Gleichzeitig müs-sen wir aber auch mit Service die Aufmerksam-keit von Geschäftsreisenden erlan-gen. Das ist nicht einfach. Wir führen uner-freuliche Verhandlungen mit unseren Partnern. Zum Beispiel bieten wir seit Neustem Zeitungen an Bord an nach drei Jahren Verhandlungen! Aber so lange ging es, bis wir die Zeitungen zum Nulltarif erhalten haben.
Und dann ist da noch die unerfreuliche wirtschaftliche Situation in Ihrem Heimmarkt Spanien
Das betrifft uns natürlich, 50% unserer Buchungen kommen ja aus Spanien. Es gibt zwei Lösungswege: Wir bieten ein Business-freundliches Produkt an, sprich sind via GDS und die geläufigen Geschäftsreisenanbieter verfügbar und bieten zudem Frequent-Flyer-Programme sowie Dienstleistungen wie etwa Priority Boarding. Denn Geschäftsreisende buchen kurzfristig und damit zu höheren Tarifen. Zweitens versuchen wir, immer mehr internationale Routen zu eröffnen, die Spanien nicht tangieren heute sind das bereits 10% unserer Sitzkilometer.
Wie sehr setzen Ihnen Ihre Hauptkonkurrenten Easyjet und Ryanair zu?
Unser Angebot überschneidet sich mit Easyjet um 8%, das ist nicht so viel. Bei Ryanair hingegen haben wir einen Overlap von 38%. Wir haben zwar ihre «Formel» noch nicht geknackt, aber wir bieten definitiv das bessere Premium-Produkt an. Ryanair dünnt auf unseren gemeinsamen Routen ihren Flugplan nach und nach aus; das zeigt uns, dass wir unseren Job gut machen. Generell wollen wir weiterhin neue Services hinzufügen. Irgendwann werden wir diesbezüglich sogar die traditionellen Airlines überflügeln, die ihren Service ja stetig reduzieren.
Welche Bedeutung hat der Markt Schweiz für Vueling?
Er ist wirtschaftlich sehr stark und es scheint, dass die Schweiz die meisten Stürme umgehen kann. Zürich ist noch sehr jungfräulich, was Low-Cost-Carrier angeht, deshalb wollen wir dort behutsam unsere Präsenz ausbauen. In Zürich werden wir im laufenden Jahr 15 bis 18% wachsen. Genf wird für uns auch interessant, aber eher als Destination von Barcelona aus, nicht als Quellmarkt. Betreffend Basel haben wir noch gemischte Gefühle, da Easyjet dort sehr stark ist.
Was unternehmen Sie, um Vueling in der Schweiz bekannter zu machen?
Wir können es uns nicht leisten, Hunderttausende von Euros in einem neuen Markt auszugeben. Wir machen vor allem Events und Strassenaktionen wir werden etwa irgendwann irgendwo in Zürich während 15 Minuten Gratisflüge verteilen und kündigen dies über Social Media und Blogs an. Das kreiert Bekan-ntheit ohne grosse Kosten.
In Foren liest man über Unpünktlichkeit, Flugplanänderungen und -streichungen von Vueling. Gibt es hier Probleme?
Mit Flugplanänderungen hatten wir in diesem Jahr wirklich ein Problem. Als wir Routen der bankrotten Spanair übernahmen, mussten wir den Flugplan um-krempeln und erhielten neue Slots. Das resultierte in vielen kurzfristigen Flug-planänderungen, sollte sich aber nicht wiederholen. Auf die Pünktlichkeit legen wir höchsten Wert. Wir haben schon seit mehreren Jahren mit über 90% die beste Pünktlichkeit aller spanischen Airlines. Zudem informieren wir die Kunden bei Verspätungen per SMS oder via eine App.
Was bringt die Zukunft für Vueling?
Wir sind inmitten eines Flotten-Akquirierungsprojekts und sprechen mit Airbus, Boeing und Bombardier. Dann wollen wir natürlich wachsen aber nur, wenn wir dabei profitabel sein können. In Spanien wird nur noch ein kleines Wachstum möglich sein; Wachstumspotenzial haben vor allem unsere ausserspanischen Basen in Paris, Amsterdam, Rom und Toulouse. Zudem suchen wir stetig nach neuen Basen.
Zum Beispiel in Zürich?
Das kann und will ich nicht ausschliessen zumal auch der Flughafen Zürich Interesse daran zeigt und sehr überzeugend sein kann. 2013 aber wohl eher noch nicht. Vielleicht später.
Vueling wächst in Zürich
Die spanische Airline Vueling mit Sitz in Barcelona wurde 2004 gegründet. Richtig durchgestartet ist sie 2009 anlässlich der Fusion mit Clickair, als sie
20 Airbus A320 übernehmen konnte und so zur zweitgrössten spanischen Airline wurde. Vueling fliegt seit Sommer 2010 auch Zürich an und fliegt von dort aus zweimal täglich nach Barcelona, fünf-mal pro Woche nach Santiago de Compostela und neu einmal pro Tag nach Paris Orly.
Zur Person
Alex Cruz hat seine Karriere bei American Airlines gestartet und hatte diverse Managementpositionen in Dallas und London inne. Als Berater arbeitete er für Arthur D. Little, Accenture und für seine eigene Beratungsfirma im Bereich Luftfahrt. Er war massgeblich an der Gründung von Clickair beteiligt und führte die spanische Airline von 2006 bis 2009 als CEO durch ein enormes Wachstum. 2009 fusionierte er Clickair mit Vueling. Alex Cruz (46) stammt aus Bilbao und hat einen Master als Wirtschaftsingenieur. Er ist verheiratet und hat vier Kinder.
Stefan Jäggi



