Soll ich in der Branche bleiben?

Die hohe Zahl an Jungen, die nach der Ausbildung der Branche den Rücken kehren und sich anderweitig orientieren, bereitet zunehmend Sorgen.

«Der gesellschaftliche Druck, nach der Grundbildung die Berufsmatura zu absolvieren oder eine höhere Ausbildung in Angriff zu nehmen, ist gewaltig gross», berichtet Bernard Kohli vom Tourismus-KV. So würden nach dem EFZ viel weniger potenzielle Reiseberater mit kaufmännischen Fertigkeiten auf den Arbeitsmarkt gelangen. Es sei zudem fraglich, ob mit den geringen Verdienstmöglichkeiten der Nachwuchs in der Branche gehalten werden kann. Auch Hannah Rychner, Schulleiterin bei der Internationalen Hochschule für Touristik, stellt fest: «Auf keinen Fall darf die Lohnschere im Vergleich zu anderen Branchen weiter aufgehen!» Zudem müssten die Arbeitgeber attraktivere Jobprofile anbieten, die die Jungen fordern und erfüllen. Ansonsten drohe der Branche, im kompetitiven Markt um die künftigen Top-Mitarbeiter den Anschluss zu verlieren.

Karriereplanung mit Weitsicht, fordert Matthias Steiger, Rektor der HFT Graubünden, und dies beginne bereits bei den Auszubildenden. «Wer Mitarbeiter in der Karriereplanung in der eigenen Unternehmung unterstützt und fördert, kann auch in Zukunft von talentierten und motivierten Mitarbeitern langfristig profitieren», zeigt er sich überzeugt. Positiv gestimmt ist hingegen Andreas Deuber, Studienleiter BSc Tourismus und Leiter des Instituts für Tourismus und Freizeit ITF an der HTW Chur: Eine Befragung habe gezeigt, dass 50 % der Studienabgänger in Tourismusfunktionen tätig waren. «Dieser Wert ist höher als bei den Hotelfachschulen, weil das Tourismusstudium breiter ist und verschiedene tourismusbezogene Funktionen schafft», so Deuber. Ganz so düster scheinen die Aussichten doch nicht.

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