«Aeropers ist derzeit nicht gesprächsbereit»

Swiss nimmt Stellung zum TRAVEL INSIDE Artikel über Aeropers.
Dominik Jäggi ©Swiss

Mit einer von TRAVEL INSIDE veröffentlichten Medienmitteilung hat die Pilotenvereinigung Aeropers ihr Bedauern über die stockenden Verhandlungen bezüglich des neuen GAV der Swiss-Piloten*innen kundgetan.

Die Airline Swiss hat nun umgehend gegenüber TRAVEL INSIDE reagiert und erläutert den Sachverhalt aus ihrer Sicht.


Swiss bedauert, dass Aeropers die GAV-Verhandlungen bis Ende August pausiert und geplante Verhandlungstage abgesagt hat. Swiss war und ist bereit, die Gespräche jederzeit fortzusetzen.

In sechs Verhandlungsblöcken mit insgesamt 17 Verhandlungstagen hat die Verhandlungsdelegation von Swiss, geleitet von Dominik Jäggi, Head of Flight Operations, zahlreiche Themen diskutiert.

In wichtigen Punkten liegen die Positionen weiterhin auseinander. Aus Sicht von Swiss braucht es jetzt auf beiden Seiten die Bereitschaft, Anliegen zu priorisieren und Kompromisse einzugehen. Tragfähige Lösungen entstehen nicht durch das Beharren auf Maximallösungen, sondern dort, wo beide Seiten aufeinander zugehen.

«Swiss ist in der Schweiz zu Hause. Der direkte Austausch, Verlässlichkeit und die Bereitschaft zum Kompromiss gehören zu unserer schweizerischen Art, gemeinsam Lösungen zu finden», sagt Dominik Jäggi, Chef des Flugbetriebs. «Wir müssen nicht in allen Punkten gleicher Meinung sein. Entscheidend ist, dass wir miteinander im Gespräch bleiben und Verantwortung übernehmen.»

Swiss übernimmt Verantwortung und handelt zugunsten ihrer Pilotinnen und Piloten

Es ist legitim, dass sich Aeropers auf die Interessen ihrer Mitglieder konzentriert. Swiss hat jedoch einen umfassenderen Auftrag. «Wir tragen Verantwortung für das Wohlergehen unserer Pilotinnen und Piloten, für einen stabilen Flugbetrieb, unser internationales Netzwerk und die langfristige Entwicklung der Airline.

Die Anliegen unserer Crew-Mitglieder überlassen wir deshalb nicht einfach den Gewerkschaften. Wir hören zu und handeln dort, wo Verbesserungen nötig und innerhalb der geltenden Vereinbarungen machbar sind. Damit wollen wir nicht warten, bis die Verhandlungen wieder aufgenommen werden», sagt Dominik Jäggi weiter.

Angebot stösst auf Resonanz

Pilotinnen und Piloten bei Swiss werden grundsätzlich mit 61 Jahren pensioniert. Viele Kolleginnen und Kollegen kurz vor der Pensionierung haben uns gesagt, dass sie noch nicht bereit sind für den Ruhestand und leidenschaftlich gerne weiterfliegen möchten.

In einem offenen Brief haben zahlreiche Pilotinnen und Piloten diesen Wunsch deutlich gemacht. Wir haben zugehört und ein konkretes Angebot geschaffen: Wer möchte, kann freiwillig bis zur Vollendung des 62. Altersjahres weiterarbeiten – mit der Möglichkeit, das Pensum individuell anzupassen. Auch für Swiss ist die Weiterbeschäftigung der Pilotinnen und Piloten mit diesem Wunsch freiwillig.

«Wie wichtig dieses Angebot ist, zeigt die schnelle Rückmeldung: Bereits einen Tag nach der Kommunikation haben sich zahlreiche Pilotinnen und Piloten bei uns gemeldet und die Weiterbeschäftigung beantragt. Sie möchten ihre Erfahrung und ihre Leidenschaft weiterhin einbringen. Davon profitieren beide Seiten: Die Pilotinnen und Piloten erhalten mehr Flexibilität, Swiss wertvolles Know-how und zusätzliche Planungssicherheit. Gleichzeitig unterstützt das Angebot den Wachstumskurs von Swiss und schafft neue Perspektiven für jüngere Pilotinnen und Piloten.»

Bei einer weiteren Massnahme geht es um die sogenannten Long-Term-Free-Days, also langfristig festgelegte freie Tage. Ab August 2027 wird der Vorlauf für deren Eingabe angepasst. Die Anzahl der beeinflussbaren Freitage bleibt unverändert. Die Pilotinnen und Piloten geben diese Wünsche vorübergehend zu einem späteren Zeitpunkt ein.

Damit schafft Swiss den nötigen Spielraum, um das Planungssystem weiterzuentwickeln und künftig frühere und verlässlichere Verbesserungen zu ermöglichen. Swiss nimmt damit kurzfristig etwas zeitliche Flexibilität bei der Eingabe in Kauf, um mittelfristig mehr Beeinflussbarkeit zu schaffen. Dies entspricht den ausdrücklichen Wünschen der Pilotinnen und Piloten.

Swiss hätte diese Angebote gerne gemeinsam mit Aeropers entwickelt und kommuniziert. Das war jedoch nicht möglich, weil Aeropers derzeit nicht gesprächsbereit ist.

Swiss möchte weiter verhandeln

«Diese Massnahmen ersetzen weder einen Gesamtarbeitsvertrag noch den Dialog mit Aeropers», sagt Dominik Jäggi. «Sie sind Ausdruck unserer Verantwortung. Wir kümmern uns um die Anliegen unserer Crew-Mitglieder und setzen Verbesserungen um, sobald dies möglich und sinnvoll ist. Gleichzeitig sind wir überzeugt, dass die besten und langfristig tragfähigen Lösungen gemeinsam entstehen. Deshalb wollen wir möglichst bald an den Verhandlungstisch zurückkehren mit der Bereitschaft beider Seiten, aufeinander zuzugehen.»

Silvia Exer-Kuhn, Corporate Communications / Spokesperson