Afrikas Tourismussektor bleibt auf Wachstumskurs

Am Ende des dritten Quartals war der Kontinent die weltweit am schnellsten wachsende Tourismusregion. Auch in bisher eher unbekannten Destinationen werden Investitionen getätigt.
Angola zieht vermehrt Investitionen in den Tourismussektor an ©Ministry of Tourism of Angola / Robert Haidinger

Bereits im ersten Quartal stiegen die internationalen Ankünfte um 9% gegenüber dem Vorjahr und lagen damit rund 16% über dem Vorkrisenniveau. Im ersten Halbjahr verzeichnete der Kontinent ein weiteres Plus von 12%, getragen von starken Zuwächsen in Nordafrika (+14%) und Subsahara-Afrika (+11%). Bis Ende des dritten Quartals blieb Afrika damit die weltweit am schnellsten wachsende Tourismusregion (+10%).

Auch unbekanntere Destinationen rücken in den Fokus

Parallel zum Nachfrageboom fliessen erhebliche Investitionen in den Sektor. Zwischen 2019 und 2024 wurden laut UN Tourism 105 Greenfield-Projekte im Wert von USD 6,6 Mrd. angekündigt, die über 15’100 direkte Arbeitsplätze schaffen sollen.

Neben etablierten Destinationen wie Marokko, Südafrika oder Tansania rücken auch Angola, Senegal, Äthiopien, Ghana, Ruanda und Côte d’Ivoire stärker in den Fokus internationaler Kapitalgeber.

«Afrikanische Reiseziele gewinnen spürbar an Momentum», sagt Hanna Kleber, Vorsitzende von Voice4Africa. Investitionen in Infrastruktur, Ausbildung und nachhaltige Tourismusprojekte würden das Wachstum entscheidend befeuern.

Rund 90% der Investitionen konzentrieren sich auf den Hotelsektor. Leuchtturmprojekte wie der neue Flughafen Dr. António Agostinho Neto in Angolas Hauptstadt Luanda (2,8 Mrd. US-Dollar) sollen zudem zur regionalen Drehscheibe werden.

Luftfahrt als zentraler Treiber

Auch die Luftfahrt ist ein zentraler Treiber: Laut ICAO soll der afrikanische Passagierverkehr bis 2035 auf 273 Mio. Reisende anwachsen. IATA beziffert den aktuellen Beitrag der Luftfahrt bereits auf 7–8 Mio. Arbeitsplätze und rund USD 63 Mrd. BIP.

Neue touristische Angebote entstehen entlang globaler Trends. Von Naturschutz- und Ökotourismus über Kultur- und Kulinarikreisen bis hin zu Wellness- und Sporttourismus. Küstenregionen profitieren von Investitionen in Häfen und maritime Wirtschaftsräume, während MICE-Hubs wie Kigali, Nairobi oder Johannesburg ganzjährige Nachfrage generieren.

Luxuszüge und Wiederbelebung historischer Bahnstrecken

Auch die Bahninfrastruktur eröffnet neue Chancen: Neben Luxuszügen wie dem Blue Train und Rovos Rail positionieren sich Simbabwe, Kenia, Tansania und Sambia mit historischen Strecken neu. Der multimodale Lobito-Korridor, Teil der EU-Global-Gateway-Initiative, gilt dabei als wichtiger Impulsgeber für Handel, Mobilität und langfristige Tourismusentwicklung.

Das Zusammenspiel aus Bevölkerungswachstum, verbesserter Konnektivität, wirtschaftlicher Dynamik und Reformprozessen unterstreiche das massive Potenzial des Kontinents. Investoren, die auf Nachhaltigkeit und qualifizierte Partnerschaften setzen, könnten gemäss Voice4Afrika in den kommenden Jahren erheblichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Mehrwert schaffen. (TI)