Alaska-Premiere von MSC Cruises

MSC hat als erste europäische Reederei Turnusfahrten nach Alaska aufgenommen. TRAVEL INSIDE war an Bord.
Der kalbernde Dawes Gletscher (Endicott Arm). ©Beat Eichenberger

Nur noch gut 200 Meter trennen das Ausflugsboot von der eisblauen, zerklüfteten Front des Dawes-Gletscher, der sich am Ende des Endicott Arm ins Meer ergiesst. Da – ein Grollen hallt über das graugrüne, von Eisschollen durchzogene Wasser: Ein meterdicker Eisbrocken bricht ab, stürzt wuchtig ins Meer und provoziert Wellen.

Kalte Luft zieht über das Deck, Kameras klicken, Gespräche verstummen – für einen Moment richtet sich alles an Bord nur noch auf dieses Naturspektakel unter dem verhangenen Himmel. Einer jener besonderen Augenblicke, die von einer Alaska-Cruise haften bleiben werden.

Ebenso danach die Ausfahrt durch den 45 Kilometer langen Fjord mit seinen steilen, auch bewaldeten Granitwänden, Wasserfällen und Wildtieren: Mal die Fontäne eines Wals, dort am Ufer ein Schwarzbär auf Futtersuche und auf einer kleinen Felsinsel die Kolonie dösender Seelöwen.

Boomende Trenddestination Alaska
Cruise-Hotspot Juneau, Hauptstadt von Alaska. ©BE

Alaska gehört zu den populärsten Kreuzfahrt-Revieren der Welt. 2025 besuchten 1,7 Millionen Passagiere auf Cruiselinern den 49. Bundestaat der USA – nur die Karibik, Europa und Asien generieren höhere Zahlen.

Dieses Jahr wird gar ein Rekordjahr erwartet: Neue Reedereien und grössere Schiffe erhöhen die angebotenen Betten-Kapazitäten um fast 10%, insgesamt kreuzen rund 65 Schiffe während der kurzen Saison von Mai bis September regelmässig oder sporadisch in dieser Region.

Es sind vor allem US-Reedereien, die den Markt dominieren. Kein Wunder, denn die Alaska-Nachfrage wird vor allem durch Gäste aus dem «Homeland» USA, zum Teil aber auch aus Asien getrieben. Bei einigen Reederei kann die Seereise zudem mit Landtouren kombiniert werden.

Führende Alaksa-Anbieter wie Princess Cruises, Holland America Line, Norwegian Cruise Line, Royal Caribbean Int. oder Celebrity Cruises setzen gleich mehrere, auch einige der grössten Schiffe ein. Im Vordergrund stehen regelmässige Turnusfahrten ab/bis Seattle oder Vancouver durch die Inside Passage, zum Teil weiter nordwärts bis Whittier oder Seward (Anchorage).

Viele weitere Reedereien, auch aus dem Premium-, Luxus- und Expeditions-Segment, tummeln sich ebenso saisonal auf einzelnen oder mehreren Fahrten in Alaska. Darunter befinden sich auch bekannte europäische Kreuzfahrtgesellschaften.

Spannender Markteintritt von MSC Cruises
Die MSC Poesia im Endicott Arm. ©BE

Nun sorgt jedoch MSC Cruises mit dem Markteintritt in Alaska für eine spannende Neuheit: Die Schweizer Reederei legt nämlich als erster europäischer Anbieter während der ganzen Saison regelmässige 7-Nächte-Fahrten ab/bis Seattle nach Alaska auf und tritt damit in direkte Konkurrenz zu den US-Platzhirschen.

Als Heimathafen hat sich MSC für Seattle entschieden. Dieser Ausgangspunkt im eigenen Land empfiehlt sich sowohl für US-Gäste wie (dank guter internationaler Flugverbindungen, z.B. Lufthansa und Condor) für Gäste aus Europa oder Asien.

Seattle will zudem ihre Rolle als wichtigster Kreuzfahrtstandort im Nordwesten der USA weiter stärken. Nebst MSC Cruises gibt es noch weitere Reederei-Premieren und neue Routen ab diesem Hafen, der bis 2030 sämtliche Schiffe mit Landstrom versorgen will.

In Alaska setzt MSC die 2008 erbaute MSC Poesia ein, eines von vier Schiffen der Musica-Klasse (2550 Pax). Sie erhielt zuvor auf der Palumbo Malta Shipyard einen Refit: Neu sind insbesondere der MSC Yacht Club, zwei Spezialitäten-Restaurants und erweiterte, neu positionierte Wellness- und Fitnessbereiche.

Eine identische Aufwertung erhielt im Dezember 2025 bereits das Schwesterschiff MSC Magnifica, noch in diesem Jahr und Anfang 2027 werden die MSC Musica und MSC Orchestra folgen. Mehr zu den Refits dieser Schiffe in einem Folgebericht auf diesem Kanal.

Die neue Alaska-Route der MSC Poesia führt von Seattle nach Ketchikan, Icy Strait Point, in den Endicott Arm und weiter nach Juneau und Victoria (Vancouver Island, Canada), bevor es zurück nach Seattle geht. Hier die gewonnenen Eindrücke.

Besuchenswerter Ausgangspunkt Seattle
Seattle, neuer Heimathafen der MSC Poesia. ©BE

Seattle, das malerisch am Puget Sound gelegene kulturelle und wirtschaftliche Zentrum Washingtons sowie ein wichtiger Verkehrs- und Handelsknotenpunkt (Hauptstadt des Bundesstaats ist allerdings Olympia), empfiehlt sich dringend für einen ein- oder mehrtägigen Aufenthalt vor oder nach der Alaska-Kreuzfahrt.

Die neugestaltete Seattle Waterfront verläuft direkt am Wasser und verbindet Spazierwege, Aussichtspunkte und gastronomische Angebote. Vom berühmten und belebten Pike Place Market schafft der Overlook Walk eine direkte Fussverbindung zur Waterfront.

Von hier öffnen sich Blicke auf die Elliott Bay, die Olympic Mountains und bei guten Sichtverhältnissen auf den mächtigen, knapp 4400 Meter hohen und von Gletschern überzogenen Vulkankegel des rund 90 Kilometer entfernten Mount Rainer.

Ein zentraler Anlaufpunkt ist das Seattle Center mit dem Aussichtsturm Space Needle, dem Wahrzeichen der Stadt. In dieser Parkanlage liegen noch weitere interessante Spots, so etwa das sehenswerte Museum of Pop Culture von Frank Gehry, das Chihuly Garden & Glass oder die Seattle Oper.

Ein Besuch wert ist ebenso das historische Viertel des Pioneer Square, nach der Gründung 1852 das Herz der Stadt. Während des Klondike Gold Rush brachen von hier die Goldsucher in den Norden auf, wie ein kleines Museum dokumentiert. Heute ist der Pioneer Square ein hübsches, ruhiges Backstein-Viertel mit Boutiquen und Cafés.

Alaska-Auftakt in Ketchikan
Historische Creek Street in Ketchikan. ©BE

Ab dem Pier 91, nur wenige Meilen ausserhalb des Stadtzentrums, sticht die MSC Poesia am Montag spätnachmittags bei Sonnenschein in See, durch den Puget Sound geht es in Richtung offenes Meer. Am Dienstag ist ein See Tag angesagt, während das Schiff entlang der Westküste des Vancouver Islands nordwärts zieht.

Frühmorgens am Mittwoch legt die MSC Poesia in Ketchikan an, dem südlichsten Hafen der Inside Passage und ersten Anlaufhafen unserer Fahrt. Das einstige Fischerdörfchen lebt heute stark vom Kreuzfahrt-Tourismus, der an gewissen Tagen zu einer Überlastung durch Tagesgäste führen kann.

Aus der Vielzahl der angebotenen Ausflüge wählen wir einen Bummel durch den Tongass-Regenwald, der sich über das ganze Gebiet des Alaska Panhandles zieht. Mächtige, moosüberzogene Hemlocktannen, Fichten und Zedern schützen vor dem einsetzenden Regen – Ketchikan gilt als regenreichste Stadt Nordamerikas.

Auch Bären soll man hier sichten können, doch heute lässt sich keiner blicken. Dafür erhalten wird Einblicke in das Erschaffen von Totempfählen, einem wichtigen Kulturelement der indigenen Völker, das Familiengeschichten, Mythen und Legenden erzählt – auch dafür ist Ketchikan als «Hauptstadt» bekannt.

Das 8000-Seelen-Städtchten selbst wartet bei den Anlegestellen der Schiffe vor allem mit einer Vielzahl von Shops und Restaurants auf. Ketchikan geniesst aber noch einen weiterem «Hauptstadt»-Ruf, nämlich als Lachs-Metropole – ein «Salmon Walk» geht näher auf dieses interessante Thema ein.

Von Interesse ist ebenso das Ketchikan Tongass Historic Museum, das die Entwicklung des Ortes aufzeigt, und selbstverständlich muss ein Gang durch die malerische Creek Street mit ihren historischen Häuschen auf hohen Gezeiten-Pfählen sein, heute eine bunte Mischung aus Geschäften, Boutiquen und Galerien.

Icy Strait Point – ein besonderes Ziel
Whalewatching bei Icy Strait Point (Hoonah). ©BE

Am nächsten Morgen legt die MSC in Icy Strait Point an, einer ganz besonderen Cruise-Destination. Die gesamte, im Regenwald gelegene Hafeninfrastruktur ist nämlich das einzige privat geführte Kreuzfahrtziel in Alaska und gehört den rund 1350 indigenen Einheimischen der Huna Totem Corporation.

Einst lebten die rund 900 Einwohner von Hoonah, viele vom Volk der Tlingit, vom Fischfang und einer etwas ausserhalb des Ortes gelegenen grossen Lachs-Konservenfabrik. Als diese vor rund 30 Jahren schloss, entwickelte man aus der Fabrik und seinem Standort ein Cruise-Ziel und sicherte sich so die Zukunft.

Die Gebäude der ehemaligen Fabrik am Strand beherbergen heute Shops, ein Museum und Restaurants, eine Gondelbahn verbindet die beiden Schwimmdocks und eine weitere Gondelbahn führt auf den Sky Peak, von wo man mit einem Zip-Rider ins Tal sausen kann – man weiss, was Spass suchende Besucher wünschen.

In Icy Strait Point empfehlen sich aber vor allem Ausflüge, welche die lokale Kultur, Aktivitäten wie Kajakfahren und insbesondere Wildtier-Beobachtungen zum Thema haben. Die Bären-Tour in einem entlegenen Gebiet endet für uns zwar ohne Sichtung, entschädigt aber mit einer grossartigen Landschaft.

Mehr Glück haben wir danach bei bitterer Kälte auf Walbeobachtung: In den ruhigen Gewässern des Port Frederick steigen immer wieder weisse Fontänen auf, Buckelwale zeigen den Buckel ihres Rückens und schleudern die Schwanzflossen in die Höhe, bevor sie wieder in die Tiefe abtauchen – ein ergreifendes Schauspiel.

Dass wir auf der Rückfahrt zum Cruise-Anleger am Ufer endlich Braunbären sichten, entlöhnt uns für die bisher entgangenen Gelegenheiten. Chichagof Island, auf dem Hoonah und Icy Strait Point liegen, gilt als eine der bärenreichsten Regionen Alaskas – mit einer Dichte von rund vier Bären pro Einwohner!

Intensiver Erlebnistag in Juneau
Mendenhall-Gletscher bei Juneau. ©BE

Früh am Freitagmorgen verharrt die MSC Poesia rund eine Stunde im eisgesprenkelten Wasser rund zwei Kilometer vor dem Dawes Gletscher im Endicott Arm. Gemäss Programm wäre der Tracy Arm vorgesehen, der aber aktuell wegen Sicherheitsbedenken von Kreuzfahrtschiffen gemieden wird.

Der Blick vom Schiff auf den sich ins Meer stürzende Gletscher ist trotz der Distanz und des unfreundlichen Wetters für viele Gäste ein Highlight. Hier darf aber der direkt ab dem Schiff geführte Bootsausflug wärmstens empfohlen werden, der – wie eingangs erzählt – viel näher an den Gletscher heranführt.

Und während die MSC Poesia wieder durch den Fjord Richtung Juneau ausfährt, erlaubt das Ausflugsboot auf dem gleichen Weg intensive Ufer-Beobachtungen, bis es am frühen Nachmittag in Juneau seine Gäste wieder auf das Kreuzfahrtschiff entlässt – eine grossartige Tour, die viele Alaska-Highlights vereint.

Juneau, die während des Goldrauschs 1880 gegründete Hauptstadt von Alaska, ist nur per See- oder Luftweg erreichbar und zählt gut 30’000 Einwohner. Auf unserer Reise sind fünf Cruiseliner vor Ort – auch hier gibt es Overtourismus-Bedenken, denen die Stadt mit einer Obergrenze und zeitlicher Staffelung begegnen will.

Und auch hier dominieren in den Strassenzügen nahe der Anlegestellen Touristen-Shops, die Goldbelt-Gondelbahn auf den Mount Roberts erlaubt einen tollen Blick über den Gastineau Channel, und obwohl längst eine «Touristen-Falle», darf es ein Alaskan Amber im legendären, stimmungsvollen Red Dog Saloon mit Live-Musik sein.

Die Zahl der von MSC Cruises in Juneau angebotenen Ausflüge ist gross und vielseitig, wobei der nahe gelegene Mendenhall-Gletscher in der Pole-Position liegen dürfte. Wer es sich leisten will, kann sich gar per Heli auf den Gletscher fliegen lassen – auch bei strömendem Regen eine ganz besondere Erfahrung.

Erholsame Rückfahrt und Victoria
Abstecher nach Kanada: Victoria by night. ©BE

Nach drei Tagen «Alaska intensiv» nimmt die MSC Poesia bereits wieder Fahrt südwärts auf. Der Samstag ist ein See Tag, und auch fast während des ganzen Sonntags zieht das Schiff in wärmere Gefilde zurück – erholsame Tage an Bord und Zeit, um all die neuen Erlebnisse zu reflektieren.

Doch die Reise ist noch nicht ganz zu Ende: Sonntags gegen Abend legen wir in Victoria an, der auf Vancouver Island gelegenen Hauptstadt der kanadischen Provinz British Columbia. Dieser Stopp in Kanada ist dem US-Kabotage-Gesetz PVSA geschuldet: Schiffe, die nicht unter US-Flagge kreuzen, dürfen keine Passagiere ausschliesslich zwischen US-Häfen befördern – und das sind fast alle.

Doch das soll uns recht sein, denn eine E-Bike-Tour durch die eindunkelnde Stadt lässt uns eine prächtige Destination erschnuppern, die man gerne bei einer nächsten Gelegenheit eingehender erkunden möchte.

Schliesslich die letzte Nacht an Bord: Packen, die Rechnung checken, ein letzter Drink an Bord und am Montagmorgen zurück in Seattle von Bord – was bleibt von diesem Alaska-Abenteuer hängen?

Es sind ohne Zweifel bleibende Eindrücke, die man auf einer Alaska-Cruise gewinnt. Das Wetter mag nicht immer optimal sein – doch das gehört dazu. Und auch wenn wir Europäer näherliegendere Nordland-Reviere kennen, so ist Alaska mit seiner unbeschreiblichen Naturweite, grossartigen Tierwelt und besonderen Geschichte ein wahrlich aussergewöhnliches Reiseziel.

Mit den einwöchigen Turnusfahrten der MSC Poesia hat MSC Cruises ein neues Kapitel der Alaska-Kreuzfahrten aufgeschlagen, das bestimmt mehr europäische Gäste für eine Entdeckungsreise in diesem entfernten Revier motivieren wird.

Reportage: Beat Eichenberger, Seattle