Alles Luxus, oder was? So will sich Oceania Cruises verstanden wissen

TRAVEL INSIDE Interview mit Maik A. Schlüter, Director Business Development DACH von Oceania Cruises.
Maik A. Schlüter (links) und Schweiz-Unterstützer René Schärer. ©BE

Maik Schlüter, Oceania Cruises, bisher als erlesene Upper-Premium-Reederei bekannt, bezeichnet sich neu als Luxus-Reederei. Um was geht es?

Ich möchte es so formulieren: Oceania Cruises ist ein luxuriöses Cruise-Produkt, das sich im Einstiegsbereich zum klassischen oder Ultra-Luxus positioniert. Es geht um die Tatsache, dass Gäste, die auf guten Premium- und Upper-Premium-Schiffen reisen, oft eine nächste Stufe erleben möchten, die nicht zwingend ultraluxuriös ist.

Oceania will nicht das klassische Luxus-Segment konkurrieren, unterscheidet sich aber auch klar von Premium-Produkten, die mit deutlich grösseren Schiffen im Markt agieren und einen anderen Service kennen. Kurz: Wir erleichtern den Gästen den Einstieg in das Luxus-Segment, wobei der Gast mehr Wahlfreiheiten inkludierter Leistungen hat als bei umfassenden All-inclusive-Produkten.

Nebst den zwei neuen luxuriösen Schiffen Vista und Allura und den zwei umfassend renovierten O-Einheiten Marina und Riviera sind vier kleinere, ältere R-Schiffe in der Flotte – passt das noch?

Wir informieren unseren Gästen gegenüber immer klar, dass es sich bei diesen Schiffen um kleinere, gut 25 Jahre alte Einheiten handelt, die sich aber laufend renoviert in einem absolut tadellosen Zustand befinden. Die vier R-Schiffe sind aus gutem Grunde nach wie vor in der Flotte: Sie kennen eine grosse Stammkundschaft, die die intimere Atmosphäre und den erstklassigen Service auf besonderen Routen sehr schätzt, auch wenn die Kabinen etwas kleiner sind und es nur zwei exquisite Spezialitäten-Restaurants an Bord gibt.

Die Insignia, eines der vier R-Schiffe, sollte an Crescent Seas übergehen. Crescent liess den Deal platzen – verbleibt die Insignia somit weiterhin in der Flotte?

Die Insignia ist weiterhin Teil der Flottenplanung von Oceania, die aktuell bis ins Frühjahr 2028 reicht. Was danach ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Im Zusammenhang mit den Schiffen der R-Klasse darf man nicht vergessen, dass diese zu ihrer Zeit als modernste und innovativste Luxus-Schiffe galten, was noch heute spürbar ist und für diese Klasse spricht.

Nun wird aber die Flotte bald mit vier Neubauten erweitert. Im August 2027 sticht die erste Einheit Sonata in See – was darf man erwarten?

Mit der Sonata-Klasse setzt Oceania einen modernen Luxus um, der mit seiner Vielfalt und Atmosphäre gerade auch eine jüngere Generation anspricht. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Grosszügigkeit und Vielfalt an Bord: Obwohl die Sonata rund 30 Prozent grösser ausfallen wird als die Vista und Allura, nimmt sie nur knapp 200 Gäste mehr auf.

Das heisst, die Suiten sind noch geräumiger und glanzvoller, das Bord-Angebot noch vielfältiger. So wird es unter anderem zwei neue Spezialitäten-Restaurants geben.

Die ‘feinste Küche auf See’ bleibt wichtiger Teil der DNA von Oceania.

Selbstverständlich! Einerseits wird man auch auf der Sonata die bekannten und beliebten Gourmet-Restaurants wie das Jacques, Red Ginger oder den Polo-Grill vorfinden, zudem wie gesagt zwei neue kulinarische Highlights: Das exklusive La Table der Vereinigung Maîtres Cuisiniers France sowie ein Nikkei Kitchen mit peruanisch-japanischen Fusions-Kreationen.

Die Routen der Debütsaison der Sonata im Mittelmeer und in der Karibik stehen übrigens schon fest. Und bereits 2029 wird das Schwesterschiff Arietta ausgeliefert, die zwei weiteren Neubauten folgen 2032 und 2035.

Bis dann ist wohl nicht ausgeschlossen, dass die kleineren R-Schiffe die Flotte verlassen werden?

Das ist Stand heute pure Spekulation, aber wenn man die Strategie der Reederei bedenkt, mit den grossen Investitionen in neue Schiffe eine neue, jüngere Kundschaft zu gewinnen, die modernen Luxus sucht, dann ist nichts ausgeschlossen.

Der Begriff «moderner Luxus» taucht immer wieder auf. Was zeichnet diesen Begriff nebst dem Produkt weiter aus?

Grundsätzlich erwartet der Gast heute auf einem Luxus-Schiff dieselbe hochstehende Vielfalt wie in einem Luxushotel an Land – wenn nicht noch mehr. Diesem Kredo entsprechen unsere Schiffe und insbesondere die Neubauten ohne Zweifel. Was bei uns Luxus aber ebenso definiert, ist die Seereise an sich. Im Durchschnitt verbringt der Oceania-Gast 19 Nächte an Bord.

Die meisten Reisen beginnen bei 12 Nächten, wobei sich alle Routen miteinander kombinieren lassen. Das heisst, der Gast nimmt sich den Luxus «Zeit» für eine Reise mit Oceania. Er will intensive Land-Eindrücke gewinnen und neue Kulturen entdecken, was wir auch mit vielen Übernacht-Aufenthalte ermöglichen. Mit anderen Worten: Das Reiseerlebnis ist wichtiger Teil der Luxus-Erfahrung bei Oceania.

Welche Reisen stehen dabei bei den Schweizer Gästen im Vordergrund?

Bei den Schweizer Gästen sind es vor allem exotische Routen weltweit: Südafrika und der Indische Ozean, Australien und Neuseeland oder Südamerika und der Amazonas, wo wir bis Manaus in den Regenwald fahren. Aber auch die Weltreisen sind stets ein Thema in diesem Markt.

Ein letztes Stichwort, das wohl mit der Luxus-Positionierung von Oceania zusammenhängt: Neu gilt Adults-only, das heisst Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren werden nicht mehr eingebucht.

Nun, Kinder und Jugendliche waren noch nie in grossen Massen an Bord bei uns. Wir haben keine Wasserrutschen oder Kinderanimation, Familien waren noch nie unsere Zielgruppe. Dafür gibt es andere gute Reedereien mit passenden Angeboten einwöchiger Routen. Bei uns wird sich deshalb an Bord kaum etwas verändern.

Die nun kommunizierte Ausrichtung von Oceania schafft aber Klarheit und definiert einzig einen längst weitgehenden gültigen Sachverhalt, was von vielen Gästen begrüsst wird.

Interview: Beat Eichenberger