Auch Manager sollen Zug fahren statt fliegen

Börsenkotierte Schweizer Unternehmen trimmen ihre Travel-Policies auf grün.
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Wenn immer möglich Zug statt Flugzeug, das gilt immer häufiger auch für Manager von börsenkotierten Schweizer Unternehmen, wie eine Umfrage der «Bilanz» bei SMI-Firmen zu deren Travel Policies ergab. Reisen, so der Tenor, würden nur noch dann genehmigt, wenn sie unbedingt nötig seien, und zwar nicht erst seit Jugendliche europaweit an den «Fridays for Future» für mehr Klimaschutz demonstrieren. Einen eigentlichen Greta-Effekt sei aber nicht zu erkennen, sagt Michel Jegerlehner, Chef des Business-Travel-Unternehmens BCD Travel in der Schweiz.

Im Travel-Reglement von Swiss Life stehe neu explizit, dass bei der Wahl des Transportmittels darauf geachtet werden muss, dass es möglichst umweltfreundlich ist. Und Geschäftsreisen seien möglichst nur dann zu tätigen, wenn der Zweck der Reise nicht mittels Telefon- oder Videokonferenz erfüllt werden kann. Sei eine Reise dennoch nötig, habe der ÖV immer erste Priorität.

Ähnlich handhaben es laut «Bilanz» andere SMI-Konzerne. «Bevor die Entscheidung für eine Reise getroffen wird, müssen deren Mehrwert sowie mögliche Alternativen geprüft werden, um unsere Auswirkung auf die Umwelt zu minimieren», wird Nestlé zitiert. Flüge innerhalb der Schweiz seien tabu. Bei Swisscom gelte als Regel: «Wenn immer möglich setzen wir auf Video- und Telefonkonferenzen.» Swiss Re lege seinen Mitarbeitern nicht nur das Bahnreisen nahe, sondern empfehle, notwendige Reisen möglichst effizient zu planen, indem etwa mehrere Meetings kombiniert werden. Der Rückversicherer verwende dabei ein Tool, welches bei Dienstreisen mit Teilnehmenden aus verschiedenen Regionen den für alle am klimafreundlichsten zu erreichenden Treffpunkt vorschlägt. Flüge würden überdies CO2-kompensiert – finanziert über eine interne CO2-Steuer, die von der verursachenden Einheit bezahlt werden muss.

Video statt Flugzeug

Beim Pharmariesen Roche seien Mitarbeitende gehalten, Geschäftsreisen zu mehreren Zielorten in einer Reise zusammenzufassen – ähnlich wie beim Versicherer Zurich, der mit effizienteren Reiseplänen die Flugkilometer reduzieren will. Ganz ohne Fliegen werde es auch künftig nicht gehen. Lafarge Holcim weist darauf hin, dass sich Flugreisen in einem Unternehmen mit mehr als 2000 Standorten weltweit künftig nicht vermeiden lassen. «Innerhalb mancher Regionen – etwa in Afrika – gibt es oft noch keine sichere und schnelle Alternative zum Flugzeug.» Dennoch sei die Anzahl der Flugreisen pro Kopf für Abflüge aus der Schweiz in den letzten zehn Jahren «deutlich zurückgegangen».

Der Warenprüfkonzern SGS ersetzte Flüge: «Durch mehr als 285’000 Konferenz- und Videoanrufe konnten 2018 über 1400 Flüge sowie 7400 Tonnen CO2 gespart werden.» Die Grossbank UBS hat die Flugkilometer, die ihre Mitarbeiter beruflich zurücklegen, in den letzten zehn Jahren gar gut halbiert, auf etwas mehr als 500 Millionen Kilometer. Und bei Roche sind die CO2-Emissionen aus Geschäftsflügen von 2017 bis 2018 um immerhin 4,1 Prozent gesunken. (TI)

 

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