Auf Stippvisite: «Mitten im Herzen von Swiss»

TRAVEL INSIDE durfte im Operation Center der Lufthansa-Tochter einen Blick hinter die Kulissen werfen.
Oliver Buchhofer (Chief Operating Officer Swiss) strahlte Zuversicht aus an diesem «Ganz besonderen Tag». ©TRAVEL INSIDE

Manchmal kommt es anders, als man plant: So hatte Swiss International Air Lines rund 15 Medienverterter*innen zum Start des Sommerflugbetriebes – also dem Jahrespeak – eingeladen, um einen ‘intimen’ Blick in die Schaltzentrale der grössten Schweizer Airline zu werfen.

Dass dieses Event schlussendlich unter dem Kontext der vorabendlichen Unwetterfront mit anschliessender Gewitternacht und des daraus resultierenden Betriebsunterbruches am Flughafen Zürich nebst dem reinen ‘Sightseeing’ auch plötzlich hochaktuellen Newscharakter bekommen würde, hatten weder Gastgeber Oliver Buchhofer (Chief Operation Officier von Swiss) noch die Ladies vom Swiss Medien-Team erwartet.

«Ein sehr spezieller Tag»

So begrüsste Buchhofer, seit über 19 Jahren als Pilot und in verschiendenen Führungspositionen im operativen Bereich bei Swiss tätig, die Journalisten*innen auch gleich mit einem News-Update zur aktuellen Betriebslage.

Was sich zwar ungewollt, aber dennoch hervorragend als Hands-on-Beispiel für sämtliche im Operation Center involvierten Stationen eignete.

Am Dienstagabend, 30. Juni, hatte sich eine Gewitterzelle in der Region Zürich gebildet, die ihr Zentrum ausgerechnet über dem Flughafen in Kloten entlud – und sich wegen sehr schwachen Winden auch nur äusserst träge von da wieder wegbewegen wollte.

So sei der Flughafenleitung nichts anderes übrig geblieben, als wegen der hohen Intensität an Blitzen, einen rund 2,5-stündigen kompletten Betriebs-Unterbruch zu verhängen.

Pünktlichkeit ist wichtig, Sicherheit steht aber über allem

Wegen des Unterbruches mussten insgesamt 70 Flüge allein am Abend annulliert werden, 26 Maschinen mussten auf den Ausweich-Airports in Genf, Basel, Mailand, Nyon und Stuttgart landen – betroffen waren davon rund 10’000 Passagiere.

Auch am nachfolgenden Morgen, dem Tag des Events bei Swiss, mussten noch 60 Flüge annulliert werden, da Maschinen, die geplant gewesen wären, noch an den Ausweichflughäfen standen. Es wird also noch andauern, bis man wieder zum gewohnten, normalen Flugbetrieb übergehen könne.

«Speziell Stuttgart kam ebenfalls an eine Kapazitätsgrenze, da dort an einem Abend plötzlich 13 zusätzliche Swiss Maschinen gelandet (und gestrandet) sind», so der Chef des Operation-Departements von Swiss.

Oliver Buchhofer sagte dies keinesfalls, um sich zu beklagen, sondern konnte anhand dessen eindrücklich aufzeigen, welche Flexibilität solch eine Naturgewalt den Mitarbeiter*innen sämtlicher Involvierter abverlangt.

Mehr Passagiere bei weniger Flügen im ersten Halbjahr

Natürlich präsentierte Buchhofer auch noch aktuelle Zahlen. So hat Swiss in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 in 65’408 Flügen insgesamt 8,11 Millionen PAX befördert. Das entspricht einem Passagier-Plus von 0,8%, und dies trotz 4,2% weniger Flügen gegenüber dem Vorjahr.

Der COO konstatiert eine um 2,3 Prozent bessere Auslastung – diese liegt in den ersten sechs Monaten bei schönen 82%. Auch die Annullierungen konnten um 7,5% verringert  werden – es mussten von Januar bis Ende Juni 2026 ‘nur’ 757 Flüge gecanceled werden. Und dies trotz der Nahost-Krise.

Buchhofer resümiert, dass man von einem «stabileren Flugbetrieb mit weniger Ausfällen» sprechen dürfe, natürlich sei dies immer saisonal bedingt.

Was bedeutet Hochsaison

Für Buchhofer und sein Team im Operation Center 1 (OPC 1) steht nun die ‘Hochsaison’ bevor. Auf die Frage, was genau der Unterschied zwischen Hoch- und Nebensaison sei, nennt er konkrete Zahlen.

Als Beispiel für eine Klassische ‘Nebensaison-Woche’ nennt er die KW 13 des Vorjahres. In jener Woche habe Swiss in 2680 Flügen 330’981 PAX befördert, was einer Auslastung von knappen 80% entspräche.

In einer Hochsaisonwoche, wie der Sommerferienwoche 30 (Mitte Juli), wären es 3044 Flüge mit 422’340 Gästen bei einer Auslastung von über 90%. Das entspricht 13% mehr Flügen, 27% mehr PAX bei einer um fast 11% höheren Auslastung.

«Rund alle drei Minuten startet im Sommer weltweit ein Swiss-Flug»

Wenn man diese High-Peak-Woche anders umrechnet, startet in der Sommerflug-Saison also jeden Tag ca. alle 3.6 Minuten ein Swiss-Flug. Und in jeden einzelnen dieser Flüge ist das Operation Center involviert und es sind im Durchschnitt rund 300 Mitarbeiter*innen an jedem einzelnen Flug beteiligt.

Swiss News für den Herbst: Neue Flieger

Auf Anfrage von TRAVEL INSIDE gab Oliver Buchhofer Entwarnung bei der komplexen Triebwerk-Thematik, vor allem bei den A320- und A220-Aggregaten des US-Herstellers Pratt & Whitney: «Es kann laut aktuellem Stand alles wie geplant geflogen werden».

Es sollen obendrein in diesem Herbst noch drei neue Airbus A350-900 sowie auch drei Maschinen des Types A320neo, sowie ein A321neo eingeflottet werden können. Zudem wird bei der bestehenden A330-Flotte der Innenumbau auf das neue Swiss Senses-Kabinenprodukt vorangetrieben.

 

Im innersten der Swiss

Mit diesen Worten durften sich dann die Gäste auf einen exklusiven geführten Rundgang durch das OPC 1 begeben – und in verschiedenen Stationen, wie Mission Control, Meteo Swiss Zentrale und Passenger Help Center den Profis «ganz tief im Herzen der Swiss», wie Buchhofer es nannte, über die Schultern schauen und interessante Einblicke in ein unglaublich komplexes System gewinnen.

Ein System, welches von so vielen äusseren Faktoren, Einflüssen und Parametern abhängig ist – die es selbst nicht beeinflussen kann, auf die es aber stets mit grösstmöglicher Flexibilität reagieren muss – und dies auch tut – professionell und hoch motiviert.

Solch ein Einblick kann durchaus auch förderliche Wirkung entfalten, wenn es darum geht, für eine Unregelmässigkeit im Flugbetrieb als betroffener Passagier Verständnis aufzubringen.

Christoph Fontanive