Aus Abfall wird Strom

So liefern moderne Waste-to-Energy-Systeme auf Kreuzfahrtschiffen Energie für den Bordbetrieb.
©Royal Caribbean Group / yes or no Media GmbH

Kreuzfahrtschiffe produzieren aufgrund ihrer Grösse und der zahlreichen Einrichtungen an Bord erhebliche Mengen an Abfall. Neue Technologien setzen deshalb darauf, einen Teil dieser Reststoffe direkt auf See energetisch zu verwerten. Zum Einsatz kommt unter anderem die sogenannte Mikrowellen-unterstützte Pyrolyse (MAP).

Bei diesem Verfahren werden organische Reststoffe in einem geschlossenen Reaktor mithilfe von Mikrowellen auf Temperaturen zwischen 500 und 800 Grad Celsius erhitzt. Da dabei kein Sauerstoff vorhanden ist, wird der Abfall nicht verbrannt, sondern thermisch zersetzt. Dabei entsteht Synthesegas, das zur Erzeugung von Dampf und Strom für den Schiffsbetrieb genutzt werden kann. Als Restprodukt bleibt Biokohle zurück, die später an Land weiterverwendet werden kann.

Royal Caribbean setzt Technologie bereits ein

Die Royal Caribbean Group nutzt ein entsprechendes System bereits auf der Icon of the Seas. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich dabei um die erste Anlage dieser Art auf einem Kreuzfahrtschiff. Das 365 Meter lange Schiff bietet Platz für bis zu 7600 Passagiere.

Das Potenzial solcher Systeme ist angesichts der Abfallmengen beträchtlich. Laut der vorliegenden Presseinformation fallen auf grossen Kreuzfahrtschiffen durchschnittlich 3 bis 3,5 Kilogramm Abfall pro Person und Tag an. Bei einem grossen Schiff können sich damit rund 21 Tonnen täglich ergeben. Der darin enthaltene Energiegehalt wird auf rund 50’000 Kilowattstunden beziffert.

Thermische Abfallbehandlungssysteme können zudem das Volumen der an Land zu entsorgenden Abfälle um bis zu 90-95% reduzieren. Damit sollen sowohl die Abhängigkeit von der Entsorgungsinfrastruktur in den Häfen als auch entsprechende Kosten sinken.

Neben ökologischen Aspekten spielt auch die Wirtschaftlichkeit eine Rolle. Laut der Presseinformation können geringere Entsorgungskosten und Einsparungen bei der Bordenergie über die Lebensdauer eines Schiffes wirtschaftliche Effekte von rund einer Million US-Dollar pro Jahr ermöglichen. Waste-to-Energy-Systeme könnten damit künftig einen Beitrag zu stärker geschlossenen Energie- und Stoffkreisläufen an Bord leisten. (TI)