André Lüthi: Der «Outlaw» der Reisebranche

Im Interview berichtet der Globetrotter-Chef, warum er so gerne provoziert.

«Ich provoziere gerne ein bisschen – damit eine Diskussion entsteht», sagt Globetrotter-Chef André Lüthi im Interview mit dem «Sonntagsblick», der ihn provokant als «Outlaw» bezeichnet. Wenn er wie letzte Woche mit anderen Reisebüro-Chefs beim Fondue sitze, diskutiere man hart, aber unter Kollegen. Eventuell sagten die anderen ja hinter vorgehaltener Hand auch mal: «Vielleicht hat Ändu ja o chli rächt …», so seine Hoffnung.

Das Fliegen bezeichnet Lüthi im Interview generell als viel zu günstig. «Es wurden Überkapazitäten geschaffen. Die Airlines haben in mehr und grössere Flugzeuge investiert. Also muss man sie auslasten. Es gibt nichts Teureres als einen Flieger am Boden. Deshalb kann man für 40 Franken nach London fliegen», so seine Erklärung.

Für eine 
Flugsteuer hingegen kann er sich nicht erwärmen. «Wer bekommt dann das Geld? Der Staat?», fragt Lüthi. Er glaube kaum, dass man das politisch lösen könne. «Die grösste Macht hat immer noch der Konsument. Es braucht einfach mehr Bewusstsein – bei den Airlines und bei den Reisenden.»

Wenn er am Machu Picchu zwei Stunden Schlange stehen müsse, tue ihm das weh, sagt Lüthi. «Wo führt das hin?», denke er sich dann. «Dazu kommen die soziokulturellen und ökologischen Probleme. In solchen Situationen bin ich überfordert – und weiss, dass ich ein Teil des Problems bin.»

Wie schon des öfteren plädiert Lüthi für längere Reisen. Dass längere Ferien in vielen Firmen nicht möglich seien, kritisiert er. Wenn man CEOs sage: «Nimm doch mal vier Wochen Ferien, das würde dir gut tun», sagten die meisten: «Das geht nie und nimmer!» Dasselbe sagten sie dann leider auch den Mit­arbeitenden. Lüthis Meinung: «Ein CEO, der nicht vier Wochen am Stück weg kann, ist nicht wirklich gut organisiert, und es fehlt möglicherweise an Vertrauen in die Führungscrew.» (TI)

 

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