Im Vorstand des SRV sitzt mit Natalie Dové wieder eine Frau

Generalversammlung des Schweizer Reise-Verband (SRV) im Europa Park Rust.
Natalie Dové, Max E. Katz.

Mit Natalie Dové zieht wieder eine Frau in den Vorstand des Schweizer Reise-Verbands (SRV) ein. Die Geschäftsinhaberin von Nussbaumer Reisen und Magical Mystery Tours wurde an der 92. Generalversammlung des SRV erwartungsgemäss und ohne Gegenstimme gewählt. „Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit“, sagte SRV-Präsident Max E. Katz. Mit Dové erhalten die kleinen unabhängigen Reisebüros wieder eine Stimme im SRV-Vorstand. „Es ist eine Superchance, ich setze mich gern für den Retailer ein, er ist meine Leidenschaft“, sagte Dové, die seit der Lehrzeit, also seit 30 Jahren, in der Branche tätig ist.

Dové ist für die Amtsperiode 2019 bis 2022 gewählt. Ebenfalls unbestritten waren die Wiederwahlen von Dieter Zümpel (CEO DER Touristik) und André Lüthi (CEO Globetrotter Group) in den Vorstand. Beide wurden per Akklamation bestätigt.

GV 2020 in Ras al Khaimah

Die mit Spannung erwartete Ankündigung des Austragungsorts der SRV-GV 2020 hob sich Katz für den Schluss auf: Nach wasserlastigen Orten, auf dem Kreuzfahrtschiff 2019 und beim Wasserpark Rulantica sei es an der Zeit in trockenere Gefilde zu wechseln, orakelte er bevor ein Video mit viel Wüstenbildern und Sonne abspielte: Ras al Khaimah ist der Ort der Versammlung vom 25. bis 29. November 2020. „Ein aufstrebender Ort“, wie Katz sagte. Zwei Hin- und zwei Rückflüge sind ab Genf und Zürich möglich. Ras al Khaimah werde 2020 einen Schwerpunkt auf die Schweiz legen, und ist auch Gastland an der Fespo 2020.

Mit rund 200 Teilnehmern war die Generalversammlung im Europa-Park ausgebucht, sagte Max E. Katz in seiner Eröffnungsrede. Auch alle Vorstandsmitglieder waren anwesend. „Das anhalten grosse Interesse freut mich, es zeigt, wie wichtig die Gelegenheit für Austausch und Networking ist.“ Und Katz erinnerte daran, wie schlechter Geschäftsgang und Klimadiskussion das Geschäftsjahr dominiert hat und forderte einmal mehr, der Tourismusindustrie nicht den Schwarzen Peter und die Verantwortung für die Klimaerwärmung zuzuschieben. Dass die Generalversammlung im Europa-Park Rust, an einem Nahziel stattfand, das ohne Fliegen erreichbar ist, habe nicht mit der Klimadiskussion zu tun, sondern mit dem Angebot, in den neuen Park Rulantica zu kommen.

Ein Zusammenhang zwischen den beiden Themen Klima und Geschäftsgang sei zwar nicht erwiesen, aber auch nicht ausgeschlossen. Auch der heisse Sommer habe dazu beigetragen. Und schliesslich gebe es noch einen strukturellen Grund für die schleppenden Geschäfte: „Immer mehr Kunden nutzen vermehrt Individualbuchungen, die klassische Pauschalreise ist unter Druck“, stellte Katz fest. Und zitierte aber auch gleich den CEO von Expedia, der jüngst eine Lanze für den klassischen Reisevertrieb brach. Die Zukunft für die Reisebüros sehe gut aus, schrieb Mark D. Okerstrom. Komplexe Reisen brauchten immer noch Spezialisten, bloss die einfachen Sachen gingen online.

Thomas-Cook-Pleite gibt zu reden

Das Ende von Thomas Cook sei nicht ganz unerwartet, aber dennoch überraschend schnell gekommen: „Ich hätte nie erwartet, dass TC in die Insolvenz gehen würde.“ Katz erinnerte daran, dass die Rettung letztlich an der britischen Regierung scheiterte: „Die Banken verlangten weiteres Neugeld und eine Staatsgarantie – das Geld wäre da gewesen, die Regierung verweigerte die Hilfe. Damit begann eine Kaskade.“ Rund EUR 3 Mia. betrage der Schaden, die Rettung, so Katz, wäre günstiger gewesen. Und er hoffe inständig dass der 23. September, der Tag der Insolvenz von Thomas Cook, nicht als Todestag der Pauschalreise in die Geschichte eingehe. „Wir müssen den Kunden das Vertrauen in die Pauschalreise zurückgeben“, sagte Katz.

Rund drei Wochen hat die Thomas-Cook-Pleite die SRV-Geschäftsstelle intensiv beschäftigt, wie SRV-Geschäftsführer Walter Kunz in seinem Jahresbericht ausführte. Viele Reisebüros, die mit Thomas Cook offene Reisen hatten, hätten Rat gesucht. Dabei sei zu Tage getreten, dass noch grosser Informationsbedarf bestehe bei der Frage, wie in solchen Fällen vorzugehen sein und was denn eigentlich die Kundengeldabsicherung übernehme: Nämlich den Schaden des Kunden, nicht aber das Geschäftsrisiko des Reisebüros.

Neue Motion zum Pauschalreisegesetz

Völlig aus dem Ruder gelaufen seien die ADM, sagte der Fachverantwortliche Flug, Marcel Herter. Kritik übte er auch an der Selbstherrlichkeit, mit der die Airline-Industrie über die IATA ihre Interessen durchsetze, ohne Rücksicht auf die Reisebüros.

Roland Schmid, Fachverantwortlicher Umwelt und Soziales, betonte, dass Kunden was für die Umwelt tun wollten und forderte die Branche auf: „Wir müssen ihnen das ermöglichen.“

Die Markwalder-Motion sei immer noch nicht weiter als vor einem Jahr, beklagte der Politik-Verantwortliche André Lüthi. Der Vernehmlassungstext sei jetzt für Sommer 2020 angekündigt. Bis ein Text beim Bundesrat ist, werde es mindestens 2022, erklärte Lüthi.  Zusätzliche Verzögerung könnte ein laut Lüthi an sich guter Vorstoss bringen: Eingereicht wurde im Parlament ein Begehren, das Pauschalreisegesetz, das nicht mehr zeitgemäss sei, so zu ergänzen, dass auch Einzelleistungen im Falle eines Reisebürokonkurses abgesichert seien und auch OTA Kundengelder absichern müssen.

Mitgliederbeiträge bleiben gleich

Die Abklärungen mit dem Garantiefonds hingegen hätten ergeben, dass dieser Einzelleistungen nicht absichern kann oder will. Es soll darum gehen, dass der Stiftungszweck des Fonds diese Lösung nicht abdecken würde. Die Gründe werde der Fonds selber kommunizieren, in den nächsten Tage oder auch erst in den nächsten Monaten, sagte Lüthi und bedauerte: „Da wird eine Riesenchance vergeben, bei den Kunden Vertrauen zu schaffen indem klar ist, dass alles, was sie im Reisebüro buchen, abgesichert ist.“

Die statutarischen Geschäfte winkten die SRV-Mitglieder durch. Die Jahresbeiträge bleiben für Aktiv- und Passivmitglieder einstimmig unverändert. Im März an der Strategiesitzung werde der Vorstand prüfen, ob Passivmitglieder auch nach ihrer Firmengrösse Beiträge bezahlen sollen. Dies auf Wunsch einiger Mitglieder. Ohne Gegenstimme genehmigten die Mitglieder sodann das Budget 2020 mit einem prognostizierten Verlust von CHF 27’870. (CM)

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