Condor setzt sich gegen Lufthansa durch

Lufthansa muss Condor weiterhin Pro Rate-Abkommen für Zubringer zu den Langstrecken gewähren.
@ TRAVEL INSIDE

Als 2021 die Lufthansa-Tochter Eurowings Discover startete, kündigte die Lufthansa die Pro Rate-Abkommen (SPA) der Condor für die Zubringer aus Deutschland und Europa an die Langstreckenabflughäfen Frankfurt, Düsseldorf und München der Condor.

Entscheid unbefristet

Darauf hin wendete sich Condor an die Kartellbehörde aufgrund deren Intervention die Lufthansa die Kündigung bis 31. Oktober 2022 aussetze. Am 1. September 2022 entschied nun das deutsche Bundeskartellamt, dass Condor unbefristet Zugang zu den Zubringerflügen aufgrund der SPA-Abkommen gewährt werden muss. Der Entscheid beinhaltet eine Widerrufsbedingung für den Fall, dass sich die Markt- und Wettbewerbsbedingungen dahin gehend ändern, dass sich für Condor alternative Zubringermöglichkeiten anbieten.

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes: «Condor-Passagiere aus ganz Europa können auf dieser Grundlage weiterhin Zubringerflüge der Lufthansa und ihrer Fluggesellschaften mit Durchgangsticket zum Condor-Langstreckenflug nutzen. Die ursprüngliche Beendigung dieser Vertragsbeziehung hatte Lufthansa nach Intervention des Bundeskartellamtes mehrmals zeitlich befristet bis nunmehr 31. Oktober 2022 ausgesetzt. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass Condor ein kartellrechtlicher Anspruch gegen Lufthansa auf Zugang zu den Zubringerflügen auch über diesen Zeitpunkt hinaus zusteht.»

In der Urteilsbegründung heisst es, dass Lufthansa aufgrund ihrer marktbeherrschenden Stellung beim Zubringernetz der kartellrechtlichen Missbrauchsaufsicht untersteht und gegenüber anderen Marktteilnehmern besondere Pflichten hat. Ein ausreichender Leistungs- und Preiswettbewerb ist nur möglich, wenn Condor auf der Grundlage von SPAs gegen Entgelt auf die Vorleistungen der auf dem Zubringermarkt marktbeherrschenden Lufthansa zurückgreifen kann. Ansonsten könnte Condor – anders als ihre Wettbewerber – jedenfalls keine nahtlose Langstreckenverbindung vom Abflug- zum Zielflughafen mit durchgehend aufgegebenem Gepäck und vollständigem Reiseschutz im Falle von Verspätungen oder Flugausfällen anbieten.

Schwerwiegende wirtschaftliche Folgen

Würde Condor die Kundengruppe der Reisenden wegbrechen, die einen Zubringerflug wünschen, hätte dies schwerwiegende wirtschaftliche Folgen für das Unternehmen und für den Wettbewerb. Nach den Ermittlungen nehmen je nach Saison bis zu 30-40 Prozent der Langstreckenpassagiere einen Zubringerflug in Anspruch. Auf knapp 80 Umsteigeverbindungen zu touristischen Zielen könnte Lufthansa in der Folge als aktuelle oder als potentielle Wettbewerberin erhebliche Wettbewerbsvorteile, teilweise sogar eine Alleinstellung erlangen. Die Auswahlmöglichkeiten für Reisende und Reiseveranstalter würde eingeschränkt.

Zugriff auf mehr Buchungsklassen

Die Verfügung bestimmt ausserdem, dass die Pro Rate – Abkommen nicht nur fortgeführt werden. Condor erhält dadurch Zugang zu mehr Buchungsklassen auf den Zubringerflügen und immer dann Plätze buchen können, wenn die Zubringerflüge noch erhebliche freie Kapazitäten haben.

Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig. Lufthansa kann dagegen innert 30 Tagen Beschwerde einlegen, worüber das Oberlandesgericht Düsseldorf entscheiden müsste. (TI)