
Die Karibik – liebstes Cruise-Fernreiseziel im Schweizer Markt

Auf der Basis regelmässiger Datenerfassungen bei ihren Mitgliedern veröffentlicht die CLIA (Cruise Lines International Association) jährlich ihren globalen «State of the Cruise Industry Report» sowie regionale Marktberichte.
In der CLIA sind fast alle relevanten Kreuzfahrtreedereien der Welt angeschlossen, der Verband deckt über 95% der globalen Kreuzfahrtkapazitäten ab. Für das Jahr 2024 weist der Report global 34,64 Mio. Kreuzfahrtpassagiere aus, im Vergleich zum Vorjahr +9,3%. Dies entspricht ca. 2,7% sämtlicher touristischen Ankünfte weltweit, was die Nische der Kreuzfahrten dokumentiert.
Am stärksten zugelegt hat 2024 der weitaus grösste Quellmarkt Nordamerika (20,53 Mio, + 13,4%), Europa folgt mit 8,44 Mio. Pax (+2,8%). All diese Zahlen liegen (wie bereits 2023) über dem Vor-Corona-Jahr 2019.
In Europa ist Deutschland mit 2,574 Mio. Pax der grösste Quellmarkt, gefolgt von UK & Irland (2,4 Mio. Pax), Italien (1,148 Mio. Pax), Spanien, Frankreich, Holland, Österreich und der Schweiz.
Die Schweiz generierte 2024 gemäss CLIA 111’000 Cruise-Pax, 9% mehr als im Vorjahr. Aber nach wie vor kommt der hiesige Markt nicht an die Vor-Corona-Zahl von 140’000 Pax heran. 2024 betrug die durchschnittliche Reisedauer der Schweizer Gäste 9,5 Tage, das durchschnittliche Alter betrug 49,4 Jahre.
Am liebsten kreuzten die Schweizer im zentralen und westlichen Mittelmeer (Anteil 39,2%), gefolgt vom östlichen Mittelmeer (12,8%), der Karibik (11,8%) und Nordeuropa (11,4%). Spannend sind noch diese besonderen Sparten: Expeditionsfahrten kamen auf 4,8%, Weltreisen auf 4,6%.

Neue «Zutrittsgebühr» für Cruise-Gäste auf Santorini
Attraktive Destinationen werden im Zuge der wachsenden Popularität der Kreuzfahrten zunehmend mit der Kehrseite der Medaille konfrontiert: Overtourismus. Zu viele Besucher zerstören den Charme eines Ortes, können die Natur beeinträchtigen, für Abfall- und Abwasserprobleme sorgen und die Infrastruktur überlasten.
Das alltägliche Leben der Einheimischen wird beeinträchtigt, die Mieten und die Lebenshaltungskosten steigen und die kulturelle Identität geht verloren. Kein Wunder, wird da und dort die Reissleine gezogen.
Verschiedene Häfen in Europa haben inzwischen die Zahl der Anläufe oder Passagierzahlen von Kreuzfahrtschiffen limitiert, andere versuchen mit höheren Gebühren Gegensteuer zu geben. So gilt etwa in Venedig seit letztem Jahr zur Entlastung der Altstadt eine «Tagesgebühr» von 5 Euro, und das betrifft natürlich auch Cruise-Besuchende.
Anfang Jahr sorgte Island für einige Aufregung: Ab Januar gilt eine neue Tourismusabgabe für Kreuzfahrtpassagiere, die pro Tag rund 18 Euro beträgt. Das Geld soll dem Umweltschutz und der Infrastruktur zugutekommen. Die Reaktionen der Reedereien waren zum Teil heftig, und es kam zu etlichen Stornierungen von Island-Anläufen. Vor allem für Schiffe, welche die Insel umrunden und dabei mehrere Anläufe programmiert haben, wird die neue Regelung teuer.
Dass auch Griechenland mit seinen überlaufenen Hotspots reagieren muss, ist nachvollziehbar und wurde schon lange angekündigt. Nun tritt am 1. Juli eine neue Gebühr für Kreuzfahrtpassagiere in Kraft, die sich je nach Hafen und Saison unterscheidet.
So kommt für die zwei populärsten Inselzielen Mykonos und Santorini in der Hochsaison neu eine Gebühr von 20 Euro pro Person zur Anwendung, in der Vor- und Nachsaison 12 Euro und im Winter 4 Euro. Für die anderen griechischen Inseln beträgt die Abgabe saisonal 5, resp. 3 und 1 Euro.
Das Geld soll den betroffenen Gemeinden, dem Schifffahrtsministerium zur Modernisierung der Häfen und dem Tourismusministerium zur Verbesserung der Infrastruktur zufliessen. Die Regierung geht davon aus, so gegen 50 Mio. Euro jährlich zu generieren. 2024 zählte Griechenland 5490 Anläufe von Kreuzfahrtschiffen mit 1,86 Mio. Passagieren.
Kurz: Der Druck auf die Kreuzfahrtbranche wächst, sich stärker an ihren an Land verursachten Overtourismus-Kosten zu beteiligen – dies könnte sich zunehmend auf die Reisepreise auswirken.
So dürfte etwa auch Norwegen im nächsten Jahr eine neue Besuchergebühr erheben, die voraussichtlich zwischen 5 und 10 Euro pro Passagier betragen wird. Damit will man den Massentourismus abdämpfen und die tourismusbezogene Infrastruktur nachhaltig erhalten
Beat Eichenberger
Neues vom Secondhand-Markt

Über die neuen Cruiseliner informiert TRAVEL INSIDE laufend aktuell, ebenso interessant ist aber auch der Werdegang bekannter, meist schon ältere Schiffe, die ihre Stammreedereien verlassen und ihre Laufbahn bei neuen Anbietern fortsetzen.
Hier ein aktuelles Update:
. Celebrity Xpedition (Celebrity Cruises): Das 2001 erbaute Galapagos-Schiff (96 Pax) wechselte im Frühling als National Geographic Gemini zu Lindblad.
. Celebrity Xploration (Celebrity Cruises): Auch dieses 2007 erbaute Galapagos-Schiff (16 Pax) wechselte als National Geographic Delfina zu Lindblad. Celebrity ist in den Galapagos noch mit der 2019 erbauten Celebrity Flora (100 Pax) aktiv.
. Pacific Adventure (P&O Australia): 2001 als Golden Princess für Princess Cruises erbaut und zuletzt bei P&O Australia im Einsatz (2600 Pax), ging das Schiff im Frühling als Carnival Adventure zu Carnival Cruise Line. Die Marke P&O Australia wurde in Carnival integriert.
. Pacific Encounter (P&O Australia): Dasselbe gilt für das 2002 als Star Princess erbaute Schwesterschiff, das als Carnival Encounter zu Carnival Cruise Line wechselte.
. Seaventure (Scylla): 1999 als Frontier Spirit erbaut, dann lange Jahre als Bremen bei Hapag-Lloyd Cruises im Einsatz und zuletzt im Eigentum von Scylla (u.a. Charter Island Pro Cruises), wurde das Schiff (155 Pax) Anfang Jahr an den neuen chinesischen Anbieter 66° Expeditions verkauft.
. Ocean Albatros (Sun Stone): Das 2023 erbaute Expeditionsschiff der Infinity-Klasse (186 Pax) wurde von Sun Stone an die Eigentürmer von Polar Latitudes/Albatros Expeditions verkauft.
. Ocean Adventurer (Sun Stone): Das 1976 erbaute Expeditionsschiff (117 Pax), zuletzt von Quark gechartert, wird ab Winter 2025 von G Adventures gechartert, wo das Schiff die Expedition ersetzt.
. Seabourn Sojourn (Seabourn): Das 2009 erbaute Schiff (450 Pax) wechselt im Mai 2026 als Mitsui Ocean Fuji zur japanischen Mitsui Ocean Cruises. Bereits 2024 ging die ex-Seabourn Odyssey an diesen Anbieter über.
. Costa Fortuna (Costa Cruises): 2003 erbaut (2724 Pax), wechselt das älteste Schiff der Costa-Flotte im Herbst 2026 zu Margaritaville at Sea Cruises (Florida). Dort sind bereits die ex-Costa Classica und ex-Costa Atlantica im Einsatz.
. Norwegian Sky (Norwegian Cruise Line): Das 1999 erbaute Schiff (1972 Pax) wechselt im Herbst 2026 zur indischen Cordelia Cruises.
. Norwegian Sun (Norwegian Cruise Line): Dasselbe ist für das 2001 erbaute Schwesterschiff 2027 geplant.
. World Explorer (Mystic Cruises): Das 2019 erbaute Expeditionsschiff (200 Pax), derzeit im Charter für Quark unterwegs, geht im Herbst 2026 an Windstar Cruises.
. Seven Seas Navigator (Regent Seven Seas): Das älteste und kleinste Schiff von Regent (erbaut 1999, 450 Pax), geht Ende 2026 an den neuen US-Residenzanbieter Crescent Seas über.
. Insignia (Oceania Cruises): Das 1998 als erste Einheit der legendären R-Class von Renaissance erbaute Schiff (684 Pax), kurz als Columbus2 bei Hapag-Lloyd Cruises und seit 2014 bei Oceania im Einsatz, wechselt Ende 2027 ebenfalls zu Crescent Seas.








