Cruise Update: Neuer Ultra-Luxus-Segler

Top-aktuelle Informationen aus der Welt der Schiffsreisen von Cruise-Insider Beat Eichenberger – exklusiv im TRAVEL INSIDE.
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Der neue Grosssegler Corinthian
Blick in eine Suite der Corinthian von Orient Express. ©Beat Eichenberger

Am 2. Mai stach erstmals ein neues Kreuzfahrtschiff in See, das mit einiger Spannung erwartet wurde: Die Corinthian ist das erste Schiff von Orient Express und zeichnet sich als luxuriöser Grosssegler mit einigen Besonderheiten auf.

Orient Express, traditionsreicher Spezialist für Luxushotels und -Züge – nicht zu verwechseln mit Belmond -, ist heute als Marke im Umfeld des französischen Hotelkonzerns Accor angesiedelt, beteiligt ist auch der französische Luxusgigant LVMH von Bernard Arnault und die Schweizer Millenium Invest.

Die 220 Meter lange Corinthian wurde auf der französischen Werft Chantiers de l’Atlantique erbaut, ist mit 15’000 BRZ vermessen und nimmt über vier Decks in 54 Suiten total 110 Gäste auf. Die Baukosten betrugen rund 500 Mio. Euro.

Die Suiten sind zwischen 45 und 230 Quadratmeter gross, verfügen über ein sehr breites Panoramafenster und sind in einem klassisch-modernen Art-Deco-Stil luxuriös mit kostbaren Hölzern, Leder und Marmor gehalten.

An Bord stehen drei Restaurants und zwei private Dining Rooms zur Verfügung, die unter der Leitung des Michelin-Sternekochs Yannick Alléno stehen. Im «La Table de l’Orient Express by Yannick Alléno» wird eine Drei-Sterne-Spitzenküche zelebriert.

Weitere Bordangebote sind etwa acht Bars, ein High-Tech-Amphitheater, ein Tonstudio, ein Guerlin Spa, ein 16,5 Meter Pool und eine Marina für Wassersport. 170 Crewmitglieder sorgen sich um das Wohlbefinden der Gäste in einem Umfeld, das dem exklusiven Segment «Ultra-Luxus» zugeordnet werden muss.

Das unterstreichen auch die von «An Bord» zitierten All-inklusive-Tagesraten, die je nach Kategorie und Reiselänge zwischen 5000 und 12’000 Euro pro Suite betragen, für einen Vollcharter sollen es bis zu 800’000 Euro pro Tag sein.

Was die neue Corinthian aber ebenso auszeichnet, ist ihr innovatives Antriebssystem. Je nach Wetterbedingung erlaubt ein «Solid Sail»-System bis zu 100 Prozent des Antriebs und eine Reisegeschwindigkeit von 12 Knoten.

Dabei werden an drei mehr als 100 Meer hohen, kippbaren Masten drei starre, je 1500 Quadratmeter grosse Segel gehisst. Ergänzt wird der hybride Antrieb durch Dual-Fuel-Motoren für LNG (Flüssigerdgas) und perspektivisch grünem Wasserstoff.

Die Premierensaison verbringt die Corinthian nun auf verschiedenen Fahrten im zentralen Mittelmeer mit Zielen an der französischen Riviera, auf Korsika, Sardinien, der Amalfiküste oder in Kroatien. Im Winter segelt das Schiff nach einer Transatlantik nach Saint-Barth, den British Virgin Island und den Grenadinen.

Ein Schwesterschiff, die Orient Express Olympian, steht in St. Nazaire im Bau und soll am 17. April 2027 erstmals in See stechen.

Viking – wenig bekannter «Schweizer» Gigant
Die neue Viking Mira, die bereits 13. Hochsee-Einheit der Reederei. ©zVg

Was man oft nicht auf dem Radar hat: Die ständig weiter expandierende Fluss- und Hochsee-Reederei Viking hat ihren Hauptsitz in Basel und darf somit als Schweizer Kreuzfahrtunternehmen bezeichnet werden.

Allerdings: Die seit Mai 2024 an der New Yorker Börse gehandelte Viking Holdings Ltd ist in Bermuda registriert und der Marketingsitz befindet sich in Los Angeles – soweit eine erste Einordnung.

Gegründet wurde das Unternehmen 1997 als Viking River Cruises vom Norweger Torstein Hagen. Er war einst McKinsey-Berater, in den 1980er-Jahren CEO der damaligen Royal Viking Line und kam dann mit Russland-Geschäften zu Geld und vier ersten Flusskreuzfahrtschiffen.

Im Jahr 2000 kaufte Viking die deutsche KD River Cruises, womit sich die Flotte schlagartig auf 26 Einheiten erhöhte und Viking als grössten Flussfahrten-Anbieter positionierte. Das Unternehmen entwickelte sich mit Flussreisen in Europa, Russland und China prächtig und öffnete schon früh ein Verkaufsbüro in den USA unter der Leitung von Rudi Schreiner, der später Ama Waterways gründete.

Strategiewechsel 2013: Viking gab die Vermarktung im DACH-Markt auf und konzentriert sich seither auf die englischsprachigen Märkte wie USA, Kanada, Australien und Grossbritannien. Im gleichen Jahr gingen in Europa die ersten zehn Fluss-Longships in Dienst (190 Pax), die mit ihrem markanten Bug auffallen.

Heute umfasst die Flussflotte von Viking River Cruises bald 100 Einheiten weltweit, die vor allem auf europäischen Flüssen im Einsatz sind. Aber auch auf dem Nil, dem Mississippi, dem Mekong und ab 2027 auf dem Brahmaputra ist Viking aktiv. Zudem: Die Zahl der Flussschiffe soll bis 2028 um 26 weitere Einheiten wachsen.

2015 erfolgte der Sprung aufs Meer: Mit der Viking Star (47’00 BRZ, 930 Pax) nahm das erste Schiff der neuen Sparte Viking Ocean Cruises Fahrt auf. Seither liefert die Vard-Werft (Fincantieri) laufend weitere Neubauten ab: Mit der kürzlich übergebenen Viking Mira sind es aktuell bereits dreizehn Einheiten dieser Bau Serie, die inzwischen auf 54’300 BRZ und 998 Passagiere angewachsen ist.

Und auch hier ist weiteres Wachstum angesagt: Noch in diesem Jahr folgt die Viking Libra, die sich mit einem Wasserstoffantriebssystem und einer Brennstofftechnologie auszeichnen wird. Auch der nächste Neubau, die Viking Astrea (2027) wird dieses System erhalten. Bis 2034 wird die Hochseeflotte um voraussichtlich weitere 12 neue Einheiten aufgestockt.

Viking Ocean Cruises wird in den USA gerne als Luxusmarke bezeichnet, dürfte aber wohl dem gehobenen Premium-Segment zugeordnet werden. Speziell ist zudem, dass sich diese Marke dem «Adults-only»-Konzept verschrieben hat.

2021 erfolgte mit der Lancierung von Viking Expeditions Cruises ein weiterer interessanter Expansionsschritt: Mit der eisverstärkten Viking Octanis (30’000 BRZ, 378 Pax) und einem Jahr später mit der identischen Viking Polaris stieg Viking auch ins Segment der Expeditionen ein.

Damit noch nicht genug: Im März bestätigte Vard den Auftrag von Viking für zwei weitere neue Expeditionsschiffe der Polar-Klasse 6 für je 378 Gäste, die 2030 und 2031 zur Auslieferung kommen sollen (mit Option auf zwei weitere Schiffe).

Kurz: Viking hat sich mit ihren drei Standbeinen Fluss, Hochsee und Expedition sowie einem Umsatz von 6,5 Mrd. US-Dollar (2025) rasant zu einem äusserst beeindruckenden Schiffsreisen-Unternehmen entwickelt und baut diese Position laufend weiter aus.

Der Marketingfokus liegt aber offenbar unverändert und in erster Linie auf den angelsächsischen Märkten, in der Schweiz wird Viking kaum aktiv vermarktet. Ob sich dies mit der laufend weiterwachsenden Hochseeflotte ändern wird, bleibt abzuwarten.

Heisses Thema «Destination Ownership»
Bahamas-Privatinsel Ocean Cay von MSC Cruises. ©zVg

In letzter Zeit häuften sich die Meldungen über neue, resp. erweiterte Privatinseln oder -Strände in der Karibik, welche die Reedereien exklusiv für ihre Gästen entwickeln. Dabei hat sich der Begriff «Destination Ownership» eingebürgert.

Was steckt dahinter? Kurz zusammengefasst verschafft eine Destination Ownership (eigene Privatinsel, Privatstrand) den Reedereien einen wichtigen strategischen Vorteil, indem sie damit Wertschöpfung, Erlebnisqualität und Markenbindung selbst kontrollieren können.

Zur Wertschöpfung: Die Investitionen von Reedereien in eigene Land-Infrastrukturen gelten als einer der stärksten Hebel um die Margen zu erhöhen. Die Ausgaben der Gäste auf Reederei-Inseln und -Stränden wie Drinks, Cabanas, Ausflüge, Sport oder Retail verbleiben im eigenen Ökosystem.

Mit exklusiven Zonen oder Premium-Stränden ergibt sich zudem ein interessantes Upselling-Potenzial, zudem entfallen an den eigenen Anlandungsstellen die Hafen- oder Lizenzgebühren klassischer Häfen.

Destination Ownership bietet aber auch die Möglichkeit, das Gästeerlebnis zu differenzieren, auf die eigene Markenwelt abzustimmen und diese an Land zu implementieren. Der Qualitätsstandard hängt nicht von lokalen Gegebenheiten, überfüllten Häfen oder unzuverlässigen Tourenanbietern ab, sondern von eigenen Vorgaben.

Reedereien können in eigenen Destinationen zudem eigene Nachhaltigkeitskonzepte umsetzen (Energie, Abfall, Naturschutz) und kontrollierte Besucherströme entwickeln, sie sind nicht zuletzt eine Alternative zu Overtourismus-geplagten Zielen.

Dies alles führt zu einer wichtigen Differenzierung im harten Karibik-Wettbewerb: Private Destinationen der Reedereien schaffen ein Alleinstellungsmerkmal und eine gewisse Exklusivität – sie sollen gar die Repeater-Quote erhöhen.

Hier ein kurzer Überblick über die letzten Destinations-Entwicklungen führender Karibik-Reedereien, wobei meist alle (oder einige) Reedereien der jeweiligen Unternehmensgruppe die exklusiven Privatziele anlaufen:

Royal Caribbean: Die bekannte, bereits 1985 eröffnete Privatinsel Perfect Day at Coco Cay (Bahamas) wurde in den letzten Jahren laufend zu einer umfassenden Fun-Destination mit vielseitiger Infrastruktur erweitert. Derzeit aus Sicherheitsgründen nicht angelaufen wird der Privatstrand Labadee auf Haiti.

Ende letzten Jahres wurde nun in der Nähe von Nassau (Bahamas) der erste Royal Beach Club Paradise Island von RCI eröffnet. Er bietet auf 17 Hektaren alles für einen exklusiven Strandtag. Das neue Royal-Beach-Club-Konzept ist – im Gegensatz zu den Inseln – als Ausflug kostenpflichtig buchbar, dafür all-inklusive.

Ein weiterer Royal Beach Club hat RCI auf diese Saison hin auf Santorini eröffnet, und auch bei Cozumel (Mexiko) steht ein Royal Beach Club in der Pipeline. 2027 wird dieses Konzept mit dem Royal Beach Club Lelepa in Vanuatu gar in der Südsee umgesetzt – weitere sollen folgen.

Doch die Entwicklung der Privatziele geht für RCI nicht immer wie gewünscht vorwärts: Der Bau einer grossen, neuen Perfect-Day Privatdestination an der Costa Maya (Mexiko) wurde von den Behörden wegen negativer Auswirkungen auf die Umwelt kürzlich unterbunden.

Norwegian: NCL war die erste Reederei, die bereits 1977 mit Great Stirrup Cay eine Privatinsel in den Bahamas eröffnete. Anfangs Jahr wurde ein neuer Pier in Betrieb genommen und ein neuer, 5700 Quadratmeter grosser Poolbereich Great Life Lagoon mit Cabanas, einer Splash-Zone für Kids und einem Adults-only-Bereich.

Die Privatinsel wird zudem mit einem Great Tides Waterpark mit 19 rasanten Wasserrutschen erweitert, die Eröffnung ist Anfang September terminiert. Eine weitere Privatdestination von NCL ist Harvest Cay in Belize.

Carnival: In Ergänzung zu Princess Cays und Half Moon Cay (alle Bahamas) hat Carnival im letzten Sommer im Süden von Grand Bahama das neue, grosszügige Privatziel Celebration Key in Betrieb genommen, ein vielseitiger Freizeitpark für die ganze Familie.

Carnival betreibt daneben eigene Hafen-Infrastrukturen wie Amber Cove (DomRep) oder die in Isla Tropicale umbenannte Mahagony Bay auf der Insel Roatan (Honduras), wo eine neue Poolanlage geplant ist.

Disney: Diese Reederei eröffnete 1999 ihre erste Insel-Destination Castaway Cay (Bahamas) und doppelte 2024 mit dem neuen Disney Lookout Cay at Lighthouse Point (Bahamas) nach, wo natürlich auch Disney-Figuren anzutreffen sind.

MSC: 2019 eröffnete auch die Schweizer Reederei MSC Cruises eine erste eigene Privatinsel in den Bahamas, das von einem geschützten Meeresreservat umgebene Ocean Cay MSC Marine Reserve mit prächtigen Stränden und einem interessanten Marine Conservation Center.

Kürzlich wurden neue, vielseitige Familienerlebnisse eingeführt (Sport, Schatzsuche etc.), und bis Ende nächsten Jahres sollen neue Gastro-Angebote, ein neuer Strand nur für Erwachsene oder eine ausgebaute Familienlagune dazu kommen. Ein verlängerter Pier wird zudem das Anlegen von zwei Schiffen erlauben.

Gleichzeitig entsteht nebenan mit Sandy Cay eine zweite, kleinere Luxus-Insel, die auch die Explora-Gäste im Visier hat. Sie soll eine ruhige, abgeschiedene und exklusive Atmosphäre mit Fokus auf die Natur bieten. Die Eröffnung ist für 2028 geplant.

MSC wird zudem mit einem neuen Privatstrand-Projekt in Verbindung gebracht, das sich auf Grand Bahama um die Transformation des Grand Lucayan Resort in einen Beach Club dreht.

Beat Eichenberger