
Die Golfregion im Hormus-Würgegriff
Die Krisenlage in Nahost kann sich fast täglich ändern, und das gilt auch für die vom Iran beanspruchte Kontrolle über die Strasse von Hormus, dem Nadelöhr für den Schiffsverkehr zwischen dem Persischen Golf und dem Indischen Ozean.
Noch ist (Stand Redaktionsschluss) nicht klar, wann, ob und für wen nun tatsächlich eine freie und sichere Durchfahrt möglich wird, ob diese nur mit einer happigen Mautzahlung einhergeht und ob die Passage jederzeit wieder gesperrt werden kann.
Diese kritische Situation betrifft nebst dem eminent wichtigen Handelsverkehr auch die weiterhin im Persischen Golf inaktiv verharrenden sechs Kreuzfahrtschiffe MSC Euribia, Mein Schiff 4 und 5, Celestyal Journey und Discovery und Aroya.
Diese Schiffe müssten längst auf dem Weg zurück nach Europa (oder bereits vor Ort) sein, um noch rechtzeitig ihre Frühlings- und Sommerprogramm in Angriff zu nehmen. Diese wurden aber inzwischen überall bis vorläufig Anfang Mai annulliert.
Wann diese Schiffe ihre Programme aufnehmen können, ist im Moment ungewiss. Denn auch die Repositionierung um den afrikanischen Kontinent dauert rund drei Wochen, der kürzere Weg durch das Rote Meer ist wegen der Huthi-Drohungen kritisch.

Schliesslich stellt sich auch die Frage, ob die Strasse von Hormus (oder gar die Region) auf längere Zeit hinaus ein Unsicherheitsfaktor bleiben wird. Dies könnte die Kreuzfahrtindustrie um spannende Golf-Destinationen und ein beliebtes Winterrevier bringen.
Inzwischen haben einige Reedereien jedenfalls bereits die Konsequenzen für die geplante Arabien-Saison 26/27 gezogen: So wird die Costa Smeralda statt im Golf neu in den Kanaren und nach Madeira eingesetzt. Die dafür geplante Costa Pacifica kreuzt nun im westlichen Mittelmeer und nach Nordafrika.
Auch Aida wird 26/27 (wie schon zusammen mit Costa in dieser Saison frühzeitig entschieden) kein Schiff im Nahen Osten haben. Wo die Aida Prima stattdessen kreuzt, will die Reederei in Kürze bekannt geben.
MSC Cruises plante, 26/27 die MSC World Europa in der Golfregion einzusetzen. Dieses Programm wurde nun gestrichen und der Megaliner legt stattdessen zwischen November 2026 und April 2027 ein- und zweiwöchige Kreuzfahrten ab Martinique, Guadeloupe und Barbados in den Antillen auf.
Auch Explora Journeys verzichtet auf den geplanten Einsatz der Explora II im Nahen Osten und wird das Schiff im kommenden Winter ausschliesslich im westlichen Mittelmeer und nach Nordafrika einsetzen.
Noch halten derzeit TUI Cruises, Celestyal und Aroya an ihren für die Saison 26/27 geplanten Fahrten in der Golfregion fest, was sich aber jederzeit ändern könnte.
Das sind die ersten Neubauten des Jahres

Voraussichtlich 15 neue Kreuzfahrtschiffe werden in diesem Jahr in See stechen. Inzwischen haben die ersten vier spannenden Neubauten Fahrt aufgenommen:
Emerald Kaia (5755 BRZ, 128 Pax): Bereits am 13. Februar übergab die Bauwerft in Halong (Vietnam) den Neubau an Emerald Cruises. Die Jungfernfahrt startete am 4. April in Limassol, die Taufe ist am 19. Juni in Venedig terminiert. Ihre erste Saison verbringt die Emerald Kaia in der Adria mit Fahrten zwischen Venedig und Dubrovnik.
Die dritte Megayacht von Emerald fällt etwas grösser aus als die beiden Vorgängerinnen Emerald Azzurra und Sakara und wartet u.a. mit einem neu gestalteten Observation Deck mit Spa-Pool, zusätzlichen Innen- und Aussenbereichen und einem überarbeiteten Restaurant-Konzept auf.
Das Signature-Restaurant La Cucina verfügt über eine offene Küche, und neben dem Vitality-Pool bietet das neue Solea Bistro eine mediterran inspirierte Küche mit Panoramablick aufs Meer.
Nach der Mittelmeer-Saison passiert die Emerald Kaia das Rote Meer und fährt in den Indischen Ozean, wo das Schiff von Dezember 2026 bis März 2027 in den Seychellen und vor der Küste Ostafrikas kreuzt.
Norwegian Luna (156’300 BRZ, 3565 Pax): Am 5. März hat die Fincantieri-Werft in Marghera die neue Norwegian Luna an Norwegian Cruise Line übergeben. Dabei handelt es sich nach der im letzten Jahr ausgelieferte Norwegian Aqua um die zweite Einheit der Prima-Plus-Bauklasse.
Von der italienischen Bauwerft ging es gleich über den Atlantik, wo das Schiff am 27. März in Miami getauft wurde. Die Norwegian Luna ist nun ab Miami auf kürzeren und längeren Fahrten in die östliche und im Winter in die westliche Karibik im Einsatz.
Die neue Norwegian Luna ist u.a. mit ihrem grosszügig-offenen Ocean Boulevard in Meeresnähe, der Wasserrutschen-Attraktion Slidecoaster, dem digitalen Sportplatz Glow Court oder 17 Restaurants weitgehend identisch mit ihrer Vorgängerin Aqua.
Neu auf der Luna gibt es einen Luna Midway Outdoor-Freizeitpark, den Hindernisparcours Moon Climber oder den interaktiven Spielbereich Luna Game Zone. In Sachen Entertainment darf man sich auf «Elton: A Celebration of Elton John» oder ein Eagles-Tribute freuen.
Four Seasons I (34’000 BRZ, 190 Pax): Ende Februar lieferte Fincantieri das erste Schiff für den neuen Anbieter Four Seasons Yachts an Co-Eigentümer und Betreiber Marc-Henry Cruise Holdings aus. Am 20. März stach der Luxusliner in Malaga zu seiner Jungfernfahrt im Mittelmeer in See, wo er nun seine Premierensaison verbringt.
Die Four Seasons I erhebt den Anspruch, mit einem modernen, eleganten Design im Stil des goldenen Yachting-Zeitalters, Kulinarik auf absolutem Top-Niveau, personalisiertem Service oder exklusivem Spa-Bereich neue Standards im Ultra-Luxus-Yachtsegment zu setzen.
Als Besonderheiten gelten etwa die 929 m2 grosse Funnel Suite oder die 743 m2 grosse Loft Suite (beide inklusive Aussenbereiche), kulinarische Höhenflüge verspricht die Chef-in-Residence-Serie mit wechselnden Talenten berühmter Michelin-Stern-Four-Seasons Restaurants.
Disney Adventure (208’000 BRZ, 4700 Pax): Bereits im vergangenen Dezember wurde die Disney Adventure von der deutschen Meyer Werft an Disney Cruise Line übergeben. Das Schiff wurde dann via Atlantik, Panamakanal und Pazifik nach seinem Heimathafen Singapur überführt.
Am 4. März fand in Singapur die offizielle Taufe statt, am 10.März stach die Disney Adventure zu ihrer Jungfernfahrt in See. Das Schiff ist nun ganzjährig auf drei- und viertägigen Kurzreisen ab/bis Singapur im Einsatz und dürfte dabei in erster Linie den asiatischen Heimmarkt im Visier haben.
Bei der Disney Adventure handelt es sich um die einstige Global Dream für Dream Cruises, deren Bau durch die Genting-Insolvenz gestoppt wurde. Disney übernahm das halbfertige Schiff und liess auf den MV Werften/Meyer Werft (D) im Disney-Stil mit entsprechenden Infrastrukturen, Angeboten und Attraktionen fertig bauen.
Europa Sommer-Highlights 2026

Rund zwei Drittel der Schweizer Seereisenden buchen jeweils eine Kreuzfahrt in europäischen Gewässern. Die sowohl kulturell wie landschaftlich attraktiven Cruise-Reviere Mittelmeer und Nordeuropa sowie die relativ kurzen (und somit kostengünstigen) Anreisen zu den Abfahrtshäfen sind die Treiber.
Ebenso ins Gewicht fällt aber auch die ausserordentliche Angebotsvielfalt der Reedereien, die saisonal (oder gar ganzjährig) in Europa kreuzen und Jahr für Jahr ihre Programme mit neuen Highlights anreichern. Hier als Ideenbörse ausgewählte Tipps und Hinweise für die anstehende Sommersaison:
MSC Cruises: Neue Mittelmeer-Routen. Die Schweizer Reederei MSC Cruises, mit ihrer grossen Zahl von Schiffen und unterschiedlichen Routen «Platzhirsch» im Mittelmeer, wartet diesen Sommer mit zwei neuen Routen im östlichen Mittelmeer auf: Die MSC Lirica legt einwöchige Fahrten ab Venedig-Marghera mit Destinationen an der Adria und in der Aegäis auf, die MSC Divina startet ab Civitavecchia/Rom nach Griechenland und der Türkei.
Costa: Inklusive Sea Destinations. Für besondere Momente auf allen Routen im Mittelmeer und in Nordeuropa sorgen bei Costa die inkludierten Sea Destinations. Dabei verlangsamt das Schiff seine Fahrt oder hält an, um besondere Naturphänomene, Ausblicke oder Stimmungen einzufangen. So etwa im Mittelmeer zum Sonnenuntergang in der Bucht von Golfo Aranci oder in Nordeuropa mit einer Meditation vor den Sieben Schwestern.
Aida: Alles für die ganze Familie. Das wohl vielfältigste Unterhaltungs-, Lern- und Erlebnisprogramm für Familien bietet Aida Cruises auf ausgewählten Europa-Reisen. Dieses reicht von professionell begleiteten Schwimmkursen, Basketball Camps und Mitmach-Workshops mit Sportprofis über verschiedene Kreativformate, Ralleys oder Themen-Partys für Kids und Teens bis zu familienfreundlichen Ausflügen.
TUI Cruises: Für Rocker und Narren. Die deutsche TUI Cruises legt auch in diesem Jahr etwas andere Sonderfahrten auf. So ist etwa im Mai im Mittelmeer «Rock’n’Sail mit Peter Maffay» angesagt und im Oktober ebenfalls im Mittelmeer die «Full Metal Cruise XII», die legendäre «härteste Kreuzfahrt der Welt». Und für Karneval-Fans sorgt im September der «Jeckliner 5» in der Ostsee für Narrenfreiheit.
Hapag-Lloyd Cruises: Exklusives Azoren-Hopping. Expeditionsfahrten, die sonst kaum von anderen Schiffen angeboten werden, sind auch in Europa möglich. So besucht etwa Hapag-Lloyd Cruises im Mai auf zwei Entdeckungsreisen mit dem Expeditionsschiff Hanseatic Nature sämtliche bewohnten Azoren-Inseln: Dampfende Vulkane, Walbeobachtungen und kulturelle Entdeckungen inbegriffen.
Cunard: Königliche Seereisen. Von den vier berühmten Queens von Cunard sind diesen Sommer insbesondere die Queen Anne in Nordeuropa und die Queen Victoria im Mittelmeer erlebbar. Die Queen Mary 2 ist meist auf Transatlantikfahrt, kann aber nebst gelegentlichen Kurztrips zwischen Hamburg und Southampton im August auch auf einer 6-Nächte-Fahrt ab Hamburg nach Norwegen entdeckt werden.
Oceania Cruises: Kulinarische Höhenflüge. Oceania ist längst mit der «feinsten Küche auf See» ein Begriff und stärkt diesen Ruf noch mit speziellen kulinarischen Themenkreuzfahrten. So ist für Gourmets u.a. im September im Mittelmeer auf der Marina eine «Culinary Luminaries Cruise» und November auf demselben Schiff und ebenfalls im Mittelmeer eine «Oceania Club Reunion»-Cruise terminiert.
Seabourn: Phänomen Sonnenfinsternis. Die Sonnenfinsternis vom 12.August über Teilen Europas ist bei verschiedenen Reedereien ein Thema, so auch bei Seabourn. Das seltene Spektakel kann auf einer 10-tägigen Route der Seabourn Sojourn im Mittelmeer und einer14-tägigen Nordlandfahrt der Seabourn Ovation erlebt werden.
Ponant: Arktis mit dem Eisbrecher. Mit der Le Commandant Charcot betreibt Ponant den einzigen modernen Eisbrecher. Das Schiff ist diesen Sommer im hohen Norden unterwegs, so etwa zu Beginn der Saison entlang der selten besuchten Ostküste Grönlands, wenn das Eis noch allgegenwärtig ist und gängige Expeditionsschiffe noch keinen Zugang zu dieser Region haben.
Scenic: Mit Hubschrauber und U-Boot. Auch die beiden Ultra-Luxus-Megayachten Scenic Eclipse I und II, bekannt mit Hubschrauber und U-Boot, kreuzen diesen Sommer in Europa: Im Angebot sind einerseits besondere Expeditionsreisen in Nordeuropa, nach Island und Grönland bis in die Arktis, andererseits vielseitige Entdeckerreisen im westlichen und östlichen Mittelmeer.
Explora Journeys: Premierensaison «live». Die Entdeckung eines brandneuen Schiffs ist für etliche Cruiser von besonderem Interesse. Diese Möglichkeit bietet u.a. ab August die Premierensaison der neuen Explora III. Der Luxusliner zieht nach der Jungfernfahrt im Mittelmeer entlang der Atlantikküste und über Grossbritannien nach Nordeuropa bis Island und Grönland, bevor es nach Neuengland geht.
Regent Seven Seas Cruises: Spotlight on Whisky. In der Serie ihrer Spotlight Voyages hat Regent Seven Seas Cruises im September eine aussergewöhnliche Reise von Oslo via Schottland nach Amsterdam im Programm, bei der die Reisenden unter kundiger Führung in die reiche Geschichte des Whiskys eintauchen, inklusive Verkostungen und kultige Ausflüge.
Silversea: Events & Festivals. Die Luxus-Reederei Silversea hat auch in Europa verschiedene Seereisen im Angebot, die besondere Festivals und Events integrieren. So etwa mit der Silver Ray Ende Mai an den Formel 1 Grand Prix Monaco oder im Juni mit der Silver Dawn an die Martnan Food Fair 2026 in Trondheim.
Plantours: Die Nord-Ostsee-Passage. Die Hamburg von Plantours hat diesen Sommer zwei besondere Fahrten durch den Nord-Ostsee-Kanal in Verbindung mit Zielen abseits der Rennstrecken in der Nord- und Ostsee im Programm – Reisen, die nur mit kleinen Kreuzfahrtschiffen möglich sind. Im Juni geht es während sechs Tagen von Hamburg nach Kiel und danach in einer Woche wieder zurück.
Hurtigruten: Mehr Signature-Reisen. Mehr Auswahl auf den Signature-Reisen bietet Hurtigruten ab diesem Sommer mit dem Einsatz eines zweiten Schiffes an. Auf der Spitzbergen-Linie ab Bergen kommt die Midnatsol im Wechsel mit der Trollfjord zum Einsatz. Im Winter wird dann die Midnatsol auf der Nordkap-Linie ab Hamburg im Wechsel mit der Finnmarken kreuzen.
… und die «grossen Amerikaner»: Mit einem Grossaufgebot an Schiffen in Europa wartet diesen Sommer Norwegian Cruise Line auf: Gleich acht Cruiseliner setzt die Reederei auf unterschiedlichen Routen im Mittelmeer und in Nordeuropa ein. Royal Caribbean Int. zeigt mit fünf grossen Resort-Schiffen ab verschiedenen Häfen Präsenz in Europa, und ebenfalls Princess Cruises setzt fünf Schiffe diesseits des Atlantiks ein. Holland America Line verlängert die Europa-Saison ihrer vier Schiffe neu bis Ende November. Carnival Cruise Line positioniert ein Fun-Ship, die Carnival Legend, in Europa, und auch Disney Cruise Line kreuzt mit einem Schiff, der Disney Dream, in europäischen Gewässern.
Was in der Industrie weiter zu reden gibt

Seven Seas Navigator: Nun wird die Seven Seas Navigator von Regent Seven Seas Cruises doch noch zum Residenzschiff. Nachdem im letzten Jahr der geplante Deal mit Crescent Seas platzte, geht das Schiff jetzt an die neue Avora Residences über, eine weitere Marke von Villa Vie Residences.
Das älteste Schiff von Regent Seven Seas, erbaut 1999, soll im Januar 2028 auf die neuen Bedürfnisse eines Appartementschiffs angepasst werden, unter dem Namen Avora Lumina eine neue Karriere starten und während drei Jahren die Welt umrunden.
Heritage Discoverer: Nun ist auch klar, bei wem die Exploris One (ex-Silver Explorer) der insolventen französischen Exploris Expedition weiterhin fahren wird. Das Schiff wurde Anfang Jahr im Rahmen einer Auktion gemäss Medienberichten von der deutschen Nordic Hamburg Gruppe übernommen.
Diese Gruppe hält massgebliche Anteile an Polar Latitudes Expeditions (fusionierte kürzlich mit Albatros Expeditions) und Heritage Expeditions. Die Exploris One soll nun ab 2027 als Heritage Discoverer für Heritage sowie für Polar Latitudes zum Einsatz kommen.
Ryobi Cruises: Ein neuer japanischer Anbieter, die Reederei Ryobi Cruises, will sich im Luxus-Kreuzfahrtmarkt etablieren. Auf der der portugiesischen West Sea-Werft entsteht derzeit für 100 Mio. Euro das neue Luxusschiff Sefu für 120 Gäste, das 2027 Fahrt aufnehmen soll.
Beat Eichenberger








