Hurtigruten-Postschiffe mit hohen Zielen

Hedda Felin, CEO von Hurtigruten, sprach mit TRAVEL INSIDE über das Jubiläumsjahr 2023 und den ökologischen Umbau der Flotte.
Hurtigruten-CEO Hedda Felin / zVg

Die Postschiffroute von Hurtigruten, die heute angesichts der neuen Konkurrenz von Havila unter dem Slogan ‘Hurtigruten – Das Original’ steht, kann im nächsten Jahr ihr 130-Jahre-Jubiläum feiern. Dazu hat man sich in Oslo einiges einfallen lassen, wie CEO Hedda Felin gegenüber TRAVEL INSIDE ausführt.

Zwei neue Reiserouten

«Im Vordergrund stehen die zwei neuen und spannenden Routen, die wir entwickelt haben: Die Spitzbergen-Linie ab Bergen, die als Rundreise 14 Tage dauert, und die Nordkap-Linie ab Oslo, die hin und zurück 12 Tage dauert», sagt Felin.

MS Trollfjord ©Hurtigruten

«Beide Routen werden als klassische Postschiff-Linien mit Gütern befahren, so wie dies auf unserer Stammroute zwischen Bergen und Kirkenes entlang der norwegischen Küste seit bald 130 Jahren der Fall ist», ergänzt die CEO. Zum Einsatz kommt das 2002 erbaute Schiff Trollfjord, das zuvor noch umfassend renoviert wird.

Von Frühling bis Herbst kommt die Trollfjord auf der Spitzbergen-Linie zum Einsatz, in den Wintermonaten auf der Nordkap-Linie. «Es ist das erste Mal, dass Hurtigruten eine Route ab Oslo auflegt und dabei auf der Nordkap-Reise auch den herrlichen Süden Norwegens besucht», hält Felin fest.

«Und auf Spitzbergen ist man äusserst glücklich über diese neue und regelmässige Verbindung mit dem Kontinent, die wir schon mal zwischen 1968 und 1982 im Programm hatten». Die Spitzbergen-Linie wird am 3. Juni 2023 lanciert, die Nordkap-Linie am 26. September 2023.

Neue kulinarische Konzepte

«Das Jubiläumsjahr 2023 feiern wir auf allen unseren Postschiffen mit neuen kulinarischen Highlights», erzählt Felin weiter. Dazu hat sich Hurtigruten mit zwei preisgekrönten norwegischen Köchen zusammengetan, die als kulinarische Botschafter das gastronomische Angebot auf den Schiffen weiterentwickeln.

«Dabei stehen die kulinarischen Traditionen und die Esskultur an der Küste Norwegens im Vordergrund, und man setzt explizit auf regionale Lieferanten und ökologisch angebaute Zutaten», unterstreicht die Hurtigruten-CEO den Ansatz des neuen Konzepts «Norways Coastal Kitchen».

Zur Feier der Postschiffsreisen wird zudem im nächsten Jahr am zehnten Abend der Rundreise in den Restaurants jeweils ein besonderes Fünf-Gänge Menü serviert, das die klassische norwegische Hausmannskost mit moderner norwegischer Küche kombiniert.

«Viele weitere Aktivitäten werden unser Jubiläumsjahr begleiten. So sind etwa in einigen angelaufenen Häfen Feste und Ausstellungen geplant, an Bord gibt es interessante Vorträge zur Geschichte von Hurtigruten und die Zahl der Landausflüge wird ausgebaut», weist Felin auf weitere Besonderheiten im nächsten Jahr hin.

Ein emissionsfreies Postschiff

Hurtigruten verstand sich schon immer als ein Vorreiter in Sachen Umwelt und Nachhaltigkeit und will nun noch einen Schritt weiter gehen. «Wir planen, bis im Jahr 2030 ein erstes vollständig emissionsfreies Schiff in Betrieb zu nehmen», erklärt Hedda Felin.

Biokraftwerk in Norwegen ©Hurtigruten

Dieses Projekt wurde in Kooperation mit der Forschungsorganisation SINTEF angepackt, die an entsprechenden Studien für die praktische Umsetzung arbeitet. «Dabei geht es um ganz verschiedene Ansätze», sagt Felin. «So kann allein durch das Design des Rumpfes und des Schiffes der Energieverbrauch deutlich reduziert werden. Dasselbe gilt für neue Propeller- und Steuerungsmodelle oder neue digitale Lösungen im Hotelbetrieb».

Die Krux dürfte die Ablösung fossiler Brennstoffe sein. Dazu sagt Heda Felin: «Hier stehen unterschiedliche Möglichkeiten wie Ammoniak, Wasserstoff oder Biokraftstoff im Raum. Aber auch Batterien, die wir bereits auf einigen Expeditionsschiffen im Einsatz haben, werden eine Rolle spielen oder gar Segel für die Nutzung der Windkraft».

Umrüstung der bestehenden Flotte

Damit drängt sich auch die Frage auf, wie die bereits bestehende Flotte ökologisch umgebaut werden kann. «Dazu hat Hurtigruten ein umfassendes Modernisierungs-Programm ins Leben gerufen, mit dem die CO₂-Emissionen um 25% und die Stickoxide um 80% gesenkt werden sollen», so Felin.

«Vier unserer sieben Postschiffe werden derzeit in Hybrid-Schiffe umgebaut, ein sehr wichtiger Schritt», erläutert die Hurtigruten-Chefin. Dazu werden neue emissionsarme Motoren und grosse Batteriepakete auf den Schiffen installiert.

«Alle Schiffe erhalten zudem ein SCR-Abgasreinigungssystem, das die Schadstoffe massiv bis gänzlich eliminiert». Als Treibstoff nutzen die Hurtigruten-Schiffe schon seit längerem kein Schweröl sondern fahren mit Marinediesel und Anteilen von Biokraftstoffen.

Die Umrüstung der Schiffe, die überall auch neue Abwasser-Reinigungssysteme umfasst, soll bis im nächsten Jahr abgeschlossen sein – ein weiterer Grund, sich auf das Jubiläumsjahr zu freuen.

Beat Eichenberger