MSC-Schiff rammt in Venedig ein Ausflugsboot

Nun flammen Diskussionen um ein Anlegeverbot für grosse Kreuzfahrtschiffe wieder auf.
©Youtube/Gabriele Cavicchini

Die MSC Opera ist gestern Sonntag in Venedig mit einem Touristenboot zusammengestossen. Auf Videos, die in den sozialen Netzwerken kursieren, ist zu sehen, wie das Kreuzfahrtschiff die Mauer des Kai des Giudecca-Kanals entlangschrammt und dabei das dort liegende Ausflugsboot wegschiebt. Vier Passagiere wurden leicht verletzt, als sie versucht hätten, vom Schiff zu fliehen, berichteten italienische Medien. Sie wurden zur Behandlung in Krankenhäuser gebracht.

Beschleunigt, statt abzubremsen

MSC Cruises mit Sitz in Genf gab technische Probleme an, die zum Unfall führten. Nach Aussagen des Leiters des Schlepperdienstes blockierte der Antrieb des Schiffes und habe deshalb beim Anlegen selbständig beschleunigt, anstatt abzubremsen. Die beiden Begleit-Schlepper hätten noch versucht, die Fahrt zu bremsen, doch sei eine ihrer Ketten unter dem Druck gerissen. Die MSC Opera bietet Platz für mehr als 3500 Menschen. Auf dem Ausflugsschiff sollen laut italienischen Medien rund 130 Insassen gewesen sein.

Der Vorfall liess die Kontroverse um Venedigs Kreuzfahrttourismus wiederaufflammen. Kritiker wollen die grossen Kreuzfahrtschiffe in der Lagunenstadt komplett verbieten. Bisher fahren sie im Kanal von Giudecca in Sichtweite von Sehenswürdigkeiten wie dem Markusplatz.  Nach Angaben von Kultur- und Umweltschützern gefährden die Wellen der riesigen Schiffe die Fundamente des Weltkulturerbes und bedrohen das sensible ökologische Gleichgewicht in der Lagune.

Ausweichroute steht wieder zur Debatte

Geplant ist, dass die besonders grossen Kreuzfahrtschiffe eine weniger spektakuläre Route um die Stadt fahren und in der Industriegegend Marghera anlegen. Über dieses Projekt wird allerdings bereits seit Jahren debattiert. Ladenbesitzer und Gastronomen fürchten um ihr Geschäft.

Die Vereinigung von Kreuzfahrtschiff-Gegnern in Venedig, Comitato Nograndinavi, organisierte nach dem «gravierenden Vorfall» einen spontanen, kleineren Protest und rief für nächsten Samstag zu einer grösseren Kundgebung auf. «Man kann nicht darauf warten, dass diese Monster erst von Toten gestoppt werden», hiess es auf Facebook. (TI)

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