NCL macht neues Sommerprogramm wegen Coronavirus

Europa-Chef Kevin Bubolz präsentiert das Alternativ-Programm der Norwegian Spirit für den Sommer 2020: Es geht ins östliche Mittelmeer statt nach Asien.
© NCL

Anlegestopps in Vietnam, verschärfte Sicherheitsmassnahmen und das Umrouting vom Umrouting: Das Coronavirus Covid-19 hat Kevin Bubolz, Europa-Chef von Norwegian Cruise Line, viele lange Arbeitstage beschert.

Herr Bubolz, das Coronavirus Covid-19 hat Sie die letzten Wochen ziemlich in Atem gehalten.
Das war so, auf jeden Fall. Wir haben es hier mit einer globalen Einschränkung zu tun. Die Dynamik in der Situation ist gross. Kaum hatten wir die Norwegian Jade von Hongkong-Singapur auf Singapur-Singapur umgeroutet, war das Anladen in Vietnam nicht mehr möglich. Ich halte einen besonnenen Umgang mit der aktuellen Lage für den richtigen Weg. Deshalb haben wir das Asien-Programm der Norwegian Spirit für den bevorstehenden Sommer komplett storniert. Wir können unseren Gästen in Asien derzeit nicht das Kreuzfahrt- und Destinationserlebnis bieten, was wir gern möchten. Gerade im Zielgebiet Asien sind ausgedehnte Landgänge ein wichtiger Teil der Kreuzfahrt.

Inwiefern haben Sie den Check-in-Prozess angepasst?
Vor der Schliessung des Hafens in Hongkong haben wir berührungslose Temperaturmessungen für alle Passagiere eingeführt. Alle Gäste mit einer Körpertemperatur von 38°C oder höher durften nicht an Bord gehen. In allen anderen Häfen führen wir Gesundheitsbefragungen während der Einschiffung durch. Alle Gäste, die symptomatisch sind, werden einer medizinischen Untersuchung unterzogen.

Wohin geht’s also mit der Norwegian Spirit anstelle von Asien?
Wir werden siebentägige Round Trips ab/bis Athen anbieten. Unter den Häfen, die die Norwegian Spirit anlaufen wird, befinden sich u.a. Rhodos, Santorini und Mykonos (Griechenland), Kusadasi und Istanbul (Türkei) und Haifa und Ashdod (Israel).  Die Nachfrage hat gezeigt, dass Fahrten mit Istanbul im Programm sogar noch attraktiver sind als solche ohne. Nun haben wir alle Hände voll zu tun damit, Umbuchungen zu tätigen und die Kunden für das neue Programm begeistern.

Das ist eine sehr kurzfristige Planänderung. Beeinflusst dies auch den Preis?
Wir werden sicher mit sehr attraktiven Preisen am Markt auftreten.

Letztes Jahr hat NCL «Free at Sea» eingeführt.  Wie kommt das neue Tarifmodell bei den Kunden an?
Mit «Free at Sea» haben wir unser Markenversprechen von maximaler Freiheit und Individualität auf See im letzten Jahr ausgebaut. Das Feedback der Kunden ist sehr positiv. Es kommt gut an, dass unsere Gäste selbst wählen können, welche Leistungen sie bei ihrer Kreuzfahrt inkludiert haben möchten.

Und beim Vertrieb? Immerhin war der «Alles-inklusiv-Preis» einfach zu verkaufen.
Viele Partner haben die Umstellung gut verinnerlicht und auch hier ist das Feedback sehr positiv. Aber Partner, die uns nicht jeden Tag verkaufen, müssen wir weiterhin schulen. Aus diesem Grund setzen wir immer wieder den Fokus auf «Free at Sea» im Rahmen von Roadshows und Webinaren.

Wie sehr hat Sie der Anlauf-Stopp von Kuba beeinträchtigt?
Der Anlauf-Stopp von Kuba verbietet es uns derzeit, eine beliebte und vielfältige Destination anzufahren. Durch die Sanktionen der US-Regierung im Juni 2019, die Kreuzfahrten für US-Reedereien wie NCL verbieten, hatten wir nur wenige Stunden Zeit die Situation zu sondieren und Umroutungen unserer Schiffe in die Wege zu leiten. Das damals sehr kurzfristige Verbot von Kreuzfahrten nach Kuba war sicherlich ein Verlust für uns und unsere Gäste, aber dennoch haben wir es geschafft, durch die Umroutungen gleichwertige Alternativen zu schaffen.

Wie viele Schweizer Gäste hat NCL letztes Jahr an Bord begrüsst?
Die genaue Zahl Schweizer Gäste kann ich leider nicht bekanntgeben, aber wir sind insgesamt sehr zufrieden mit der Entwicklung im Schweizer Markt. Wir sehen, dass die Schweizer interessiert sind an unserem Produkt und dem Angebot, das wir an Bord unserer Flotte bieten, und uns deshalb verstärkt buchen. Für 2020 liegen wir aus diesem Grund bereits im Buchungsplus.

Was zeichnet den Schweizer Gast aus?
Die Schweizer Gäste sind weltoffen und entdeckungsfreudig. Sie schätzen das internationale Ambiente, das sie bei NCL finden. Den Schweizer Gast bei NCL zieht es in die Ferne. Rund 75% der Gäste haben im vergangenen Jahr eine Kreuzfahrt ausserhalb Europas gebucht. Zu den beliebtesten Routen zählten der Panamakanal, Asien und Australien sowie Hawaii und Südamerika. Innerhalb Europas war besonders unsere 9-tägige Reise zu den Metropolen des Baltikums beliebt. Unsere Schweizer Gäste planen ihren Urlaub gerne länger im Voraus. Mehr als die Hälfte bucht ihre Reise mehr als 210 Tage vor Abreise. Spontan entscheiden sich dagegen nur 16% für ihre nächste Kreuzfahrt mit NCL.

NCL spielt im Schweizer Markt neben Aida, Costa und MSC nur eine untergeordnete Rolle. Warum sollte jemand NCL buchen?
Unser grösstes Alleinstellungsmerkmal gegenüber der Konkurrenz ist das Freestyle Cruising-Konzept, bei dem alles auf das perfekte Gasterlebnis ausgerichtet ist. Es ist nicht so leicht erklärbar, man muss es selbst erlebt haben – dieses Feedback bekommen wir immer wieder von unseren Gästen. Im Mittelpunkt steht bei uns die Individualität eines jeden einzelnen Gastes. Ausserdem spielen die Internationalität und die damit verbundene offene und lockere Atmosphäre sowie die hohe Servicequalität an Bord eine grosse Rolle. «Die Freundlichkeit und die gute Laune des Personals ist ansteckend» – das ist ein Satz, den wir immer wieder zu hören bekommen. Auf jedes Crew-Mitglied kommen im Schnitt gerade mal 2,3 Gäste – das bedeutet individueller Service mit viel Liebe zum Detail und das wissen unsere Gäste sehr zu schätzen.

 Gibt es News aus den Fahrgebieten?
Im April 2020 eröffnet der neue Kreuzfahrtpier in Icy Strait Point in Alaska, den wir in Zusammenarbeit mit der lokal ansässigen Huna Totem Corporation gebaut haben. Durch den Bau unterstützen wir die Destination bei dem Ausbau der Infrastruktur und damit dabei, auf den schnell wachsenden Kreuzfahrtmarkt reagieren zu können. Zudem unterstützen wir den Bau eines weiteren neuen Piers in Ward Cove, Ketchikan. Die Doppelschiffsanlegestelle wird so gebaut, dass sie gleichzeitig zwei unserer Schiffe der Breakaway-Plus-Klasse aufnehmen kann und soll bis zur Sommersaison 2020 fertig gestellt sein. Uns liegt die Entwicklung unserer Fahrgebiete sehr am Herzen und wir suchen ständig nach Möglichkeiten, diese durch strategische, nachhaltige und ökologisch sinnvolle Initiativen zu unterstützen. (ET)

Drucken