Das erwartet Schweizer Fussball-Fans in Vancouver

Einschätzung und Background-Insights von TI-Korrespondent Martin Reber.
©Destination Vancouver

In Vancouver bereitet sich alles auf die Fussball-WM vor. So stehen noch in fast allen Hotels in Downtown und am Northshore freie Zimmer zur Verfügung.

Martin Reber, TRAVEL INSIDE Korrespondent, Vancouver

Die FIFA musste ihr blockiertes Zimmerkontingent im grossen Stil zurückgeben. Damit können Reisebüros wieder auf professioneller Ebene Buchungen vornehmen. Hotels wie Fairmont Waterfront (Fr. 392.-/Zi.), Pan Pacific (Fr. 318.-/Zi.), Rosedale-on-Robson (Suiten Hotel, Fr. 235.-Zi) oder Pinnacle Northshore (Fr. 259.-/Zi.) sind verfügbar.

Es gibt aber auch Zimmer im Zwei- bis Dreisternehotels für ca. Fr. 150.-/Zi. Gemeinsam ist allen, die FIFA und die Hotels haben sich verkalkuliert, so sind vom 23.-24. Juni fast alle Hotels noch buchbar.

Die Kanadier oder europäische Besucher mit Kontakten vor Ort, haben sich in grosser Zahl bei ihren Verwandten, Bekannten oder Freunden einquartiert. Airbnb ist am Northshore verboten und in Downtown nur eingeschränkt – in der persönlichen Residenz – erlaubt. Alle Preise sind von den FIFA Fantasietarifen entsprechend auf das immer noch hohe aber reguläre Vancouver-Niveau gesenkt worden.

 

Public Viewing – die Fan Zonen

Der Ausdruck ‘public viewing’ ist im kanadischen Englisch eine Falschübersetzung und bedeutet ein ‘Besuch am Totenbett’ einer verstorbenen Person. Hier nennt man dies: ‘Fan Zone’, ‘Watch Party’ oder ‘Viewing Party’.

Zwei Fan Zonen sind besonders zu empfehlen: Vancouver Eastend und am Northshore und natürlich bieten zahlreiche Pubs die WM-Spiele live auf ihren aus jedem Winkel des Pubs einsehbaren Bildschirmen, wo normalerweise Eishockey (‘Hockey’) gezeigt wird.

Alles bereit – alle happy?

Die Bewohner von Vancouver sind grosse Sportfans und unterstützten die anfängliche Euphorie nach der Wahl von Vancouver als Austragungsort. Sie hinterfragen aber – laut einer Umfrage in ‘The Province’ vom 9. Juni – das enorme $729 Mio. Preisschild der Veranstaltung für Sicherheitsmassnahmen, annullierte Sommer-Festivals, Strassenschliessungen und mangelnde Transparenz seitens der Stadt und der FIFA.

So glauben 72%, dass zumindest kurzfristig, die negativen Begleiterscheinungen die positiven Langzeitauswirkungen überschatten. Erstaunliche 83% glauben, dass die Stadt am Gängelband der FIFA hängt und mit wenig Gegenwert das Defizit decken darf.

Die FIFA hat hier einen höchst zweifelhaften Ruf als ‘korrupte’ Organisation. Sie sind der festen Überzeugung, dass grosse Profite dank überhöhter Ticketpreise, Sponsorengeldern und TV-Rechten vollauf von der FIFA beansprucht werden.

Hotelkontingente wieder frei

Das lokale Gewerbe ist zudem in seiner unternehmerischen Freiheit massiv eingeschränkt und die zu erwartenden Massen an spendierfreudigen Besuchern werden infolge der massiven Kosten ausbleiben.

Ein Indiz dafür zeigt sich aufgrund der nach wie vor verfügbaren Hotelzimmer in der ganzen Stadt. Die FIFA hat grosse Hotelkontingente, die sie vorsorglich blockiert hatten, um jegliche Touroperating-Aktivitäten von Reiseunternehmen zu blockieren, zurückgeben müssen.

Während der WM Periode gelten für Gewerbetreibende rund um das BC Place Stadium und in grossen Teilen des kompakten Downtown Bereichs strengste Vorgaben. Zu deren Einhaltung hat sich Vancouver anlässlich der Zusage verpflichten müssen.

Dazu gehören Lizenzierung für Gewerbetreibe und Gastrobetriebe mit offiziellen FIFA Markenschutzrechten – beispielsweise wird kein kanadisches Bier, sondern das amerikanische Light Beer Michelob verkauft – sowie spezielle Sicherheitszonen mit Sperrung ganzer Strassenzüge und Liefereinschränkungen.

Nun gilt, optimistisch bleiben und trotz allem voll mitziehen – Dies dürfte nun trotzdem das Motto aller Beteiligten hier in der Stadt sein. Offizielle Stellen und das lokale OK sind darum besorgt, dass sich Besucher*innen aus der ganzen Welt auf diesem Teil des Kontinents willkommen fühlen!

Martin Reber, Vancouver