
Nach Monaten der Verhandlungen wurde die Entscheidung am 12. Februar 2025 öffentlich bekannt gegeben: Migros verkauft die Hotelplan Group an Dertour, Interhome geht an den Berliner Ferienhaus Spezialisten Hometogo.

Im Interview mit der deutschen ‘FVW’ verrät Hometogo-CEO und Mitgründer Patrick Andrae, was der deutsche Ferienhausspezialist mit Interhome vorhat. Interhome ist bisher der grösste Erwerb des 2014 gegründeten Start-ups mit Sitz in Berlin, welches in der Vergangenheit schon mehrere Firmen zugekauft hat.
Die lange defizitäre Hometogo wolle mit dem traditionsreichen Ferienhausanbieter Interhome zu einem profitablen ‘Powerhouse’ werden. Mit Interhome wolle Hometogo zur führenden europäischen Plattform für Ferienunterkünfte werden.
Mitarbeitende von Interhome werden übernommen
«Interhome ist einer der ältesten Partner von Hometogo. Der Ferienhaus-Spezialist begleitet uns schon seit unseren Anfängen als Metasuchmaschine und wir arbeiten daher auch in unserem weiterentwickelten Marktplatzmodell erfolgreich zusammen», erklärt Patrick Andrae im Interview.
Hometogo kenne das Unternehmen und die handelnden Personen sehr gut. Im Zuge der Übernahme werden die Mitarbeitenden übernommen, und Interhome wird als Teil des B2B-Segments Hometogo Pro als eigenständige Gesellschaft weitergeführt, erklärt Patrick Andrae.
Interhome als Teil der B2B-Sparte Hometogo Pro
Hometogo Pro wäre einschliesslich Interhome nach IFRS-Umsatzerlösen grösser als das B2C-Geschäftsbereich von Hometogo, dem Online-Marktplatz, der die weltweit grösste Auswahl an Ferienhäusern und -Wohnungen bietet, verrät Patrick Andrae weiter. In Hometogo Pro wurden B2B-Software- und Service-Lösungen zusammengefasst, die einen speziellen Fokus auf SaaS-Lösungen für Anbieter von Ferienhäusern haben.
Von der Tatsache, dass der Kaufpreis von 250 Mio. Euro zwölfmal so hoch ist wie der Gewinn von Interhome lässt sich Hometogo nicht abschrecken. Interhome erweitere das Software- und Service-Angebot von Hometogo Pro mit seinem Full-Service-Angebot erheblich und sei als bekannte Marke ein etablierter Partner, nicht nur im Hometogo-Marktplatz, sondern auch bei anderen führenden Online Travel Agencies, erklärt Andrae.
Interhome soll Gesamtprofitabilität von Hometogo erheblich steigern
Der Multiple sei heute, bezogen auf die vollen 250 Mio. Euro und die aktuellen Erwartungen für 2024, knapp über 10. «Zudem zahlen wir ja zunächst nur rund 160 Mio. Euro für Interhome. Die übrigen rund 90 Mio. Euro werden als aufgeschobene Zahlungen in Tranchen bis 2029 fällig», spezifiziert Andrae. Es werde erwartet, dass Interhome schon 2025 deutlich profitabler sein werde.
Interhome soll die Gesamtprofitabilität von Hometogo erheblich steigern. Allein durch die Übernahme von Interhome würden die Pro-forma-IFRS-Umsatzerlöse der gesamten Gruppe rückblickend für das Geschäftsjahr 2024 um 55% steigen, erklärt Andrae.
«Einschliesslich Interhome hätte sich die bereinigte EBITDA-Marge für 2024 mehr als verdreifacht. Kurzfristig wollen wir die bereinigte EBITDA-Marge auf 15% erhöhen und mittelfristig, also in zwei bis fünf Jahren, auf circa 20%.»
Wachstum des Direktvertriebs beschleunigen
Auf die Anmerkung der ‘FVW’, dass es Interhome versäumt habe, einen eigenen, leistungsstarken Direktvertreib aufzubauen und deshalb im Vertrieb auf Dritte wie Booking, Check24 und Reisebüros angewiesen sei, die stattliche Provisionen fordern, antwortet Andrae wie folgt: «Die Strategie von Interhome verfolgt von Beginn an einen dualen Ansatz mit Fokus auf sowohl B2B- als auch B2C-Vertrieb, um eine möglichst breite Marktpräsenz sicherzustellen. Diese breite Distribution bietet auch den Eigentümerinnen und Eigentümern einen Mehrwert, da ihre Objekte über verschiedene Kanäle eine hohe Sichtbarkeit erhalten.»
Gleichzeitig werde kontinuierlich in den Ausbau des Direktvertriebs investiert. Als einer der grössten Vertriebspartner von Interhome wisse Hometogo genau, wie das Wachstum des Direktvertriebs beschleunigt werden könne, beispielsweise durch gezieltes Marketing für Endkunden.
Interhome bleibt über Reisebüros buchbar
Interhome bleibe zudem als eigenständiges Unternehmen und als Schweizer Traditionsmarke für Gäste wie auch für Eigentümerinnen und Eigentümer bestehen, inklusive den lokalen Service-Büro. « Interhome ist in den Reisebüros vertreten und wird auch weiterhin darüber buchbar bleiben», stellt Andrae klar.
In Bezug auf die Integration von Interhome werde ein kleines Projektteam, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern aller Parteien, die Weichen für einen reibungslosen Start am ersten Tag nach dem Closing stellen. Dabei seien sowohl die Migros als auch die Konzernleitung der Hotelplan Group im Lead. (TI)








