
Die Reiselust der Schweizer Bevölkerung bleibt ungebrochen: Trotz geopolitischer Spannungen, steigender Kosten und wachsender Unsicherheiten planen viele weiterhin umfangreiche Ferienbudgets.
Gleichzeitig zeigt die aktuelle, jährlich durchgeführte Studie von Swiss Bankers, dass sich das Reiseverhalten verändert: Destinationen werden bewusster gewählt, Reisepläne häufiger angepasst und Sicherheitsaspekte gewinnen an Bedeutung.
Ferien bleiben gefragt – aber Luxusbudgets werden seltener
Auch 2026 investieren Schweizer*innen weiterhin beträchtliche Summen in ihre Ferien. Ein Drittel der Befragten unternahm in den vergangenen zwölf Monaten drei oder mehr Reisen. Mit 41,9% gibt der grösste Anteil jährlich zwischen 2000 und 4000 Franken für Reisen aus – deutlich mehr als 2025 (36,1%).
Auch der Anteil der Personen mit einem Reisebudget von 4001 bis 6000 Franken ist gegenüber dem Vorjahr gestiegen und liegt neu bei 20,8% (2025: 17,3%). Gleichzeitig ist der Anteil der Befragten, die mehr als 6000 Franken für Ferien ausgeben, von 19 auf 11,9% zurückgegangen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Reisebudgets zunehmend im mittleren Preissegment konzentrieren
Sicherheit ist oberstes Reisekriterium
Bei der Reiseplanung steht die Sicherheit am Reiseziel deutlich an erster Stelle. Insgesamt 78,1% der Befragten stufen diesen Faktor als wichtig oder eher wichtig ein. Auf Platz zwei folgt der Komfort (68,7%), gefolgt vom Wunsch nach besonderen Erlebnissen (66,3%).
Deutlich weniger Gewicht erhält hingegen das Thema Nachhaltigkeit. Lediglich 13,1% erachten ökologische Aspekte als wichtig, weitere 26,9% als eher wichtig.
Preis schlägt Sicherheit
Trotz der hohen Bedeutung von Sicherheitsaspekten zeigt sich bei konkreten Buchungsentscheidungen ein anderes Bild. Für 55,6% der Befragten war der Preis ausschlaggebend für ihre letzte Reisebuchung. Wetter und Klima folgen an zweiter Stelle, während Sicherheitsüberlegungen mit rund 25% erst auf Platz drei landen.
Hier zeigt sich eine deutliche Diskrepanz zwischen Anspruch und tatsächlichem Verhalten: 67% der Befragten geben an, dass ihnen Sicherheit zwar grundsätzlich wichtig ist, sie sich bei konkreten Buchungsentscheidungen jedoch häufig für das günstigere oder attraktivere Angebot entscheiden.
Reisen rücken näher an die Schweiz
Auch bei den bevorzugten Destinationen zeichnet sich eine Verschiebung ab. Für 36,9% kommen südeuropäische Länder wie Italien, Spanien oder Griechenland heute eher infrage als noch vor zwei bis drei Jahren. An zweiter Stelle folgt die Schweiz selbst mit 32,4%, gefolgt von Deutschland und Österreich.
Gleichzeitig meiden derzeit 74% der Schweizer*innen bewusst bestimmte Regionen. Am häufigsten genannt wird der Nahe Osten (51,9%), gefolgt von der Ukraine und Russland (25,2%). Spannend ist auch, dass 24,9% die USA bewusst umgehen.
Geopolitische Konflikte beeinflussen Reiseentscheide
Die Auswirkungen globaler Krisen spiegeln sich direkt im Reiseverhalten wider. 80,9% der Befragten geben an, dass der Konflikt im Nahen Osten ihre Reiseentscheidungen beeinflusst. Fast ebenso stark wirken sich steigende Reisekosten und die Inflation aus (78,9%).
Vergleichsweise weniger Einfluss auf die konkrete Reisetätigkeit haben der Krieg in der Ukraine sowie Klimawandel und Wetterextreme, die dennoch von über sieben von zehn Befragten als relevante Faktoren genannt werden.
Nur 54% der Befragten konnten ihre Reise in den vergangenen zwölf Monaten wie ursprünglich geplant durchführen. 20,8% buchten spontaner als üblich, 8,9% änderten ihr Reiseziel, 7,1% verschoben ihre Reise zeitlich und 6,9% stornierten ihre Reise vollständig.
Politische Stabilität schafft Sicherheitsgefühl
Wer seine Reisepläne änderte, reagierte flexibel: 34,6% reisten zu einem späteren Zeitpunkt, 29,8% entschieden sich für eine andere Reiseform und 26,5% verbrachten ihre Ferien stattdessen in der Schweiz. 22% verzichteten ganz auf die geplante Reise.
Bei der Wahl eines alternativen Reiseziels spielten finanzielle Überlegungen die wichtigste Rolle (36%). Fast ebenso bedeutend war jedoch ein höheres Sicherheitsgefühl (31,5%). Für Schweizer*innen bedeutet Sicherheit vor allem politische Stabilität (42,9%), eine niedrige Kriminalitätsrate (36,8%), eine gute medizinische Versorgung vor Ort (36,1%) sowie sichere An- und Abreisemöglichkeiten (35,3%). Entsprechend zählen politische Unruhen und Konflikte (53,4%) sowie Gewalt und Terroranschläge am Reiseziel (47,5%) aktuell zu den grössten Reisesorgen der Bevölkerung.
Vertrauen in offizielle Informationsquellen
Über mögliche Risiken informieren sich Schweizer Reisende vor allem bei offiziellen Stellen. 41,6% nutzen Informationen des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), während 38,3% auf Online-Nachrichtenportale zurückgreifen.
Reiseänderungen verursachen Mehrkosten
76,8% der Betroffenen mussten aufgrund geänderter Reisepläne zusätzliche Kosten in Kauf nehmen. Am häufigsten lagen diese zwischen 200 und 1000 Franken (40,1%). Zur Finanzierung griffen 32% auf Ersparnisse zurück. 20,7% konnten die zusätzlichen Kosten aus dem laufenden Budget decken, während 15,8% dafür auf andere Ausgaben verzichten mussten. 17,7% zahlen die Mehrkosten aktuell in Raten ab. Lediglich 13,8% machten die entstandenen Kosten über eine Reiseversicherung geltend.
Reiseversicherungen gewinnen an Bedeutung
Bereits 38,4% verfügen über eine Reiseversicherung, weitere 25,4% über eine Grundabsicherung. 15,5% sind zwar versichert, wissen jedoch nicht genau über welchen Schutz sie verfügen. 20,7% geben an, aktuell keine Reiseversicherung zu besitzen oder ihren Versicherungsstatus nicht zu kennen.
74,6% der Befragten halten Reiseversicherungen heute für wichtiger als noch vor zwei bis drei Jahren. Gleichzeitig fühlen sich 77,8% beim Thema Reiseversicherung gut informiert.
Fazit
Die Studie zeigt, dass geopolitische Entwicklungen und Unsicherheiten immer häufiger zu kurzfristigen Anpassungen von Reiseplänen führen. Gleichzeitig entstanden bei mehr als drei Vierteln der Betroffenen zusätzliche Kosten. (TI)
Die Studie
Die Ergebnisse der Studie basieren auf einer repräsentativen Befragung des Marktforschungsinstituts Appinio im Auftrag von Swiss Bankers. Zwischen dem 29. Mai und dem 9. Juni 2026 wurden insgesamt 1000 Personen in der Schweiz befragt.
Die Stichprobe umfasst 488 Frauen und 512 Männer im Alter von 18 bis 65 Jahren und ist hinsichtlich Geschlecht, Alter und Sprachregion repräsentativ für die Schweizer Wohnbevölkerung.








