Das sind die neuen UNESCO-Welterbestätten in Deutschland

Die Bucketlist für Kulturtouristen wird länger.
Die Russische Kappelle der Künstlerkolonie Mathildehöhe in Darmstadt. ©DZT/Francesco Carovillano

Deutschland kann seine Position als Kulturreiseziel ausbauen. Das UNESCO-Welterbe-Komitee hat eine ganze Reihe Sehenswürdigkeiten im Land mit dem Welterbe-Siegel versehen. Neu auf der Liste stehen die Künstlerkolonie Mathildenhöhe Darmstadt, historische Kurorte und drei Städte als Wiege des Judentums in Europa sowie Spuren der Römer in Deutschland.

«Mit den diesjährigen Neuaufnahmen tragen jetzt 50 Natur- und Kulturerbestätten in Deutschland das Qualitätssiegel UNESCO-Welterbe», freut sich Petra Hedorfer, Vorsitzende des Vorstandes der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT). Die Welterbe-Liste der UNESCO gilt für viele Kulturtouristen als eigentliche Bucketlist. Die DZT setzt sie darum auch gezielt als Marketinginstrument ein.

Ein Wendepunkt der Kunst 

Die Künstlerkolonie Mathildenhöhe, 1899 vom damaligen Grossherzog Ernst Ludwig gegründet, war von der Jahrhundertwende bis zum Beginn des ersten Weltkrieges eines der wichtigsten Zentren der modernen Kunst und Architektur in Europa und der Welt. Junge Architekten und Kunstschaffende konnten auf diesem Experimentierfeld ihre Ideen verwirklichen und die Brücke vom Jugendstil zur Neuen Sachlichkeit schlagen, die schliesslich ein wesentlicher Impulsgeber für die Bauhausbewegung wurde.

Zum Gesamtensemble gehören der vom Architekten Joseph-Maria Olbrich entworfene
Hochzeitsturm – heute Wahrzeichen der Stadt Darmstadt und hervorragender Aussichtspunkt über die gesamte Rhein-Main-Ebene. Im zentralen Atelierhaus werden in einer Dauerausstellung Werke der ehemals 23 Mitglieder der Künstlerkolonie präsentiert. Blickfänge in der weitläufigen Parkanlage mit Platanenhain und zahlreichen Skulpturen sind ausserdem die russische Kapelle und das Lilienbecken. Im umliegenden Wohnviertel vermitteln die Villen der Künstler einen Eindruck von der Aufbruchstimmung am Beginn des 20. Jahrhunderts.

Hier hat Wellness-Tourismus angefangen 
Trinkhalle im Kurgarten Baden-Baden. ©DZT/Francesco Carovillano

Kurorte rund um Heilquellen haben in Europa weit mehr als eine medizinische Bedeutung: Ihre Hochblüte erlebte die Bäderkultur zwischen 1700 und den 1930er Jahren. Damals entstanden städtebauliche Ensembles, die den architektonischen Rahmen für Erholung, Kultur und gesellschaftliches Leben boten.

Elf europäische Orte in sieben Ländern bilden das transnationale Projekt «Bedeutende Kurstädte Europas», das jetzt als UNESCO-Welterbe anerkannt wurde. Neben den drei deutschen Kurorten Baden-Baden, Bad Ems und
Bad Kissingen wurden auch Spa, Vichy, Bath, Baden bei Wien, Montecatini sowie Franzensbad, Karlsbad und Marienbad ausgezeichnet.

Spiegel des jüdischen Lebens

Mikvah, ein antikes jüdisches Ritualbad in Speyer. ©Getty Images/Rudolf Ernst

Der Verbund der sogenannten SchUM-Städte Mainz, Worms und Speyer gilt als Wiege des europäischen Judentums. Der Name leitet sich aus den hebräischen Anfangsbuchstaben der Städte her: שו“ם – Schin für Schpira/Speyer, Waw (U) für Warmaisa/Worms und Mem für Magenza/Mainz. Zu den SchUM-Stätten, die jetzt den Weltkulturerbe-Titel tragen, gehören der Speyerer Judenhof, der Wormser Synagogenbezirk sowie die alten jüdischen Friedhöfe in Worms und in Mainz.

Die Geschichte dieser Orte spiegelt das jüdische Leben über die Jahrhunderte wider – vom friedlichen Zusammenleben mit den christlichen Gemeinden, Verfolgung, Zerstörung und Völkermord bis zur heutigen Pflege des Glaubens und der Tradition in den jüdischen Gemeinden. Mainz, Speyer und Worms zählen mit ihrer zentralen Lage zwischen Rhein-Main-Gebiet  und Rhein-Neckar-Region und einem vielfältigen kulturtouristischen Angebot heute zu den stark gefragten Kulturreisezielen entlang des Rheins.

Bis hierher kamen die Römer in Germanien
Roman Wall Xanten of the Archaeological Park in Xanten, one of the largest archaeological open air museums in the world.
Niedergermanischer Limes Xanten. ©Getty Images/Ventura Carmona

Im Rahmen des seriellen Welterbes «Grenzen des Römischen Reiches» ist jetzt auch der Niedergermanische Limes Welterbe. Das 400 Kilometer lange Teilstück der antiken Grenzbefestigungen verläuft entlang des Rheins vom rheinland-pfälzischen Rheinbrohl durch Nordrhein-Westfalen bis Katwijk an der niederländischen Nordseeküste.

Die natürliche Grenze zwischen der römischen Provinz und dem freien Germanien bildete der Fluss. In 44 Ortschaften, Kastellen, Legionslagern und Tempelanlagen spielte sich das römische Leben ab – sie waren zugleich Wurzeln heutiger Grossstädte wie Bonn oder Köln. Während ein grosser Teil der Überreste aus der Antike heute als Bodendenkmal gut geschützt unter der Erde liegt, sind an zahlreichen Orten Ausgrabungen in Museen und Ausstellungen dokumentiert.

Deutschland hat eine Hohe Erbe-Dichte

Weltweit umfasst die Liste der UNESCO mehr als 1000 Welterbestätten in 167 Ländern. Deutschland gehört mit seinen 50 UNESCO-Welterbestätten zu den Ländern mit der höchsten Dichte an Natur- und Kulturschätzen.

Reisende können das vielfältige Welterbe entlang von acht Routen erkunden. Jede der Routen beginnt und endet in der Nähe eines internationalen Flughafens. Alle Stätten sind aufgrund ihrer Einzigartigkeit, Authentizität und Unversehrtheit bedeutend für die Menschheit und stehen unter besonderem Schutz. (TI)