Der nächste Entwicklungsschritt von Scenic Luxury Cruises

Glen Moroney, Gründer und Chairman der Scenic-Group, informierte in München über den nächsten Ultra-Luxus-Neubau für die Marke Scenic Luxury Cruises.
Scenic-Boss Glen Moroney und Dominika Lange, General Manager EMEA. ©BE

Der Australier Glen Moroney, seit Jahren schon in Engelberg wohnhaft und auch mit einem Unternehmens-Sitz in Zug mit der Schweiz verbunden, ist nicht eben dafür bekannt, sich in die Medien zu drängen. Doch wenn er etwas zu sagen hat, dann stellt er sich durchaus jovial und gesprächsbereit den Journalisten.

So kürzlich in München, wo er DACH-Journalistinnen und Journalisten zu einem aktuellen Update in den Bayerischen Hof lud – das liess sich TRAVEL INSIDE nicht entgehen. Sein Thema: Der nächste Ultra-Luxus-Neubau für die Marke Scenic Luxury Cruises.

Kurzer Rückblick zur Einordnung: Glen Moroney gründete Scenic in den 1980er-Jahren in Australien als Operator von geführten Touren in Down Under und weitete dieses Angebot schrittweise weltweit aus – offenbar mit grossem Erfolg.

In dieses Konzept passten später auch Flussfahrten in Europa, wofür Scenic seit 2008 eigene 5-Sterne-Schiffe bauen liess (und weiterhin bauen lässt) – die Fluss- Flotte von Scenic umfasst aktuell 16 Schiffe in Europa und Südostasien.

2019 expandierte Scenic mit der ersten Luxus-Discovery Yacht Scenic Eclipse auf die Hochsee, 2023 nahm das Schwesterschiff Scenic Eclipse II Fahrt auf. Nun steht mit der Scenic Ikon der nächste Schritt an – dazu gleich mehr.

Eine weitere Marke baute Moroney 2013 mit Emerald Waterways auf, die aktuell neun eigene Flussschiffe betreibt. Und auch Emerald expandiert seit 2022 mit der Emerald Azzurra und Emerald Sakara auf die Hochsee – weitere Neubauten folgen.

Eine eigene Bauwerft
Scenic Eclipse I und II. ©Scenic

Nun also die Scenic Ikon, die Weiterentwicklung der beiden Scenic Discovery Yachts Scenic Eclipse und Scenic Eclipse II. Sie wird auf der 2020 von der Scenic-Gruppe übernommenen Werft MKM Yachts in Rijeka (Kroatien) erbaut und soll im April 2028 in See stechen.

Dass eine Kreuzfahrtreederei eine eigene Bauwerft besitzt, ist nicht alltäglich. Nebst Scenic lässt nur die US-Binnen- und Küstenreederei American Cruise Lines ihre Neubauten auf der firmeneigenen Chesapeake Shipbuilding in Salisbury (Maryland) fertigen.

Das Investment in MKM Yachts drängte sich für Moroney nach den finanziellen Problemen der ursprünglichen Bauwerft der Scenic Eclipse I in Uljanik (Pula, Kroatien) und den daraus resultierenden Schwierigkeiten auf.

«Der Bau der Scenic Eclipse I, die wir nach unseren Vorstellungen entwickeln wollten, war für uns ein ausserordentlicher Kraftakt», blickte Moroney in München zurück. Die Eclipse I nahm schliesslich mit einem Jahr Verspätung 2019 Fahrt auf.

Die baugleiche Eclipse II wurde dann auf der MKM-Werft in Rijeka erbaut und ging 2023 in Betrieb. Unbestätigten Berichten zufolge sollen dort in den nächsten sechs Jahren vier weitere massgeschneiderte Luxus-Schiffe für Scenic entstehen.

Die Hochsee-Schiffe für Emerald Cruises lässt Scenic allerdings weiterhin nach eigenen Vorgaben und mit fachlicher Unterstützung aus Europa auf der international für ihre Qualitätsprodukte bekannten Halong-Werft in Vietnam bauen.

Dort entsteht derzeit eine dritte Megayacht, die Emerald Kaia, die im nächsten Jahr zur Flotte stossen wird. 2027 sollen dann die beiden etwas grösseren Emerald Raiya und Emerald Xara folgen.

Die neue Luxus-Discovery Yacht
Scenic Ikon (Rendering.) ©Scenic

Die Scenic Ikon, die nun auf der MKM-Werft entsteht, wird mit 26’500 BRZ grösser ausfallen als die beiden bisherigen Scenic-Luxusyachten mit je 16’500 BRZ. Die Kapazität wird mit 270 Pax aber nur geringfügig erhöht (Eclipse I und II je 228 Pax).

«Mit ihrer Polar-Code-6-Zertifizierung und dem eisverstärkten Rumpf der Klasse 1A Super ist die Scenic Ikon wie ihre zwei Vorgängerinnen für alle Gewässer gerüstet», hielt Moroney fest.

Während die Eclipse I und II zu rund 70 Prozent in polaren Regionen und zu 30 Prozent in Warmwasserrevieren kreuzen, wird sich gemäss Moroney bei der neuen Scenic Ikon dieses Verhältnis voraussichtlich umkehren.

Selbstverständlich wird der Neubau mit modernster Technik ausgestattet. So erhält er drehbare Azipod-Propellergondeln, die sowohl den Antrieb übernehmen und mit ihrer 360-Grad-Drehbarkeit eine maximale Manövrierbarkeit des Schiffes bieten.

«Weitere Elemente sind etwa ein satellitengestütztes GPS-System, Stabilisatoren, die auch im Stillstand wirksam sind oder ein state-of-the-art Navigationssystem», ergänzte Moroney.

Die Abwasser- und Abfallentsorgung wird nach neusten Standards ausfallen, und als Treibstoff kommt emissionsarmer Marinediesel zum Einsatz, unterstützt durch Batterien und Landstrom zur Abschaltung der Generatoren in den Häfen.

Zur Ausstattung des Schiffes zählen – wie auf der Eclipse I und II – auch zwei Airbus H130-T2-Hubschrauber (Moroney: «Die leisesten in der Industrie») für je sechs Gäste und ein Triton AVA-U-Boot, das acht Gäste aufnimmt.

Die Hubschrauber starten und landen übrigens auf der Scenic Ikon neu auf dem Bug-Vorderdeck und nicht wie bei der Eclipse I und II ab Deck 8 hinten, und sie werden per Lift in die Garage abgesenkt.

Blick auf die Bord-Infrastruktur
Tom Götter, VP Ocean Hotel Operations. ©Scenic

Tom Götter, Vice President Ocean Hotel Operations der Scenic Gruppe, gab Details zur luxuriösen Bordinfrastruktur über die fünf Passagier-Decks des 205 Meter langen Neubaus bekannt, der mit seiner elegant geschwungenen Silhouette auffällt.

 

So werden 135 Suiten zur Verfügung stehen, die zwischen 34 und 250 Quadratmeter gross sind und über je eine Veranda verfügen. Sämtliche Suiten und Räumlichkeiten werden zu 100 Prozent mit frischer und nicht mit zirkulierender Luft versorgt.

«An Bord wird es keinen grossen Speisesaal geben, sondern 15 unterschiedliche, intime und hochkarätige Gourmeterlebnisse, die alle im Reisepreis inbegriffen sind», unterstrich Götter. Dabei setzt die Küche wenn möglich auf lokale Lieferanten.

Nebst den bereits von der Eclipse I und II bekannten Restaurants sind neue Locations wie ein spanisches Textura, ein vegetarisches Alkemia, eine Crustory-Pizzeria oder eine Artisanal Gelato & Café Bar vorgesehen.

Acht Bars und Lounges, darunter eine Observation Lounge voraus, werden für Erholung und Kurzweil an Bord sorgen. Und im innovativen In-the-Round-Theater kommen Experten-Vorträge, Kochlektionen oder Shows zur Durchführung.

Über zwei Ebenen und auf insgesamt 17000 Quadratmeter Fläche wird sich der Spa mit exklusiven Wellness- und Fitnessangeboten, Hydrotherapie und Signature-Behandlungen erstrecken.

Sonnenbaden wird auf den Liegen an insgesamt drei Pools möglich sein, und eine Marina am Heck wird Badespass im Meer und Wasseraktivitäten wie Padddleboard oder Seabob ermöglichen.

«Bei Scenic gilt eine Open-Bridge-Policy, das heisst, die Gäste können dem Kapitän und seinem Team fast jederzeit einen Besuch abstatten, ihre Arbeit beobachten und sich mit ihnen austauschen», ergänzte Götter.

All-inklusive und Routen weltweit
Riesiges Wein-Angebot inklusive (Senic Ikon, Rendering.). ©Scenic

Glen Moroney ging abschliessend noch auf das All-inklusive-Konzept von Scenic ein, das in seinen Worten ein «wahrhaftig umfassendes Reiseerlebnis» bietet und etwa auch einen Butler-Service in den Suiten beinhaltet.

Inbegriffen bei Scenic sind sämtliche 15 Restaurants uns Snacks, eine unlimitierte, hochwertige Getränkeauswahl inklusive Spezialitäten, Champagner und Mini-Bar, Wifi, alle Tipps, der Spa und das Pilates-, Yoga- und Fitness Studio.

«Auch Landausflüge stehen frei zur Wahl, zudem gibt es spezielle Events und Aktivitäten, und natürlich ist auch ein ausgewiesenes Expeditionsteam mit Experten aus verschiedenen Bereichen an Bord», ergänzte Moroney.

Kostenpflichtig sind einzig die Tauchgänge mit dem U-Boot und die Helikopterflüge. Doch Moroney wies in diesem Zusammenhang auf ein spezielles Angebot hin: «Wer von den Frühbucher-Angeboten profitiert, erhält einen kostenlosen Helikopterflug als Teil des All-inklusive-Erlebnisses».

Scenic Luxury Cruises ist mit ihren zwei bisherigen Ultra-Luxus-Discovery Yachten Scenic Eclipse I und II auf vielseitigen Routen weltweit unterwegs, und zwar sowohl in polaren Regionen wie in Warmwasser-Revieren.

Dies wird auch für die neue Scenic Ikon gelten, die am 2. April 2028 ab Venedig zu ihrer (längst ausgebuchten) Jungfernfahrt aufbrechen wird. In der darauffolgenden Premierensaison bis März 2029 wird das Schiff im Mittelmeer und in der Ägäis kreuzen und zieht danach via Kapverden und Dakar in die Antarktis.

Noch eine letzte Anmerkung von Glen Moroney, welche die Wurzeln seiner international ausgerichteten Reederei dokumentiert: «Rund die Hälfte unserer Gäste sind aus Australien, was die internationalen Gäste gerne zur Kenntnis nehmen».

Starker Schub im Markt Schweiz
Dominika Lange (r.) und Sarah Föhn. ©BE

Am Scenic-Event in München anwesend waren auch Dominika Lange, General Manager Sales & Marketing EMEA und Sarah Föhn, Head of Marketing EMEA, beide stationiert in Zug, sowie Achim Weber, Head of Sales DACH, Afrika & Middle East.

Gegenüber TRAVEL INSIDE zeigte sich Dominika Lange mit der Entwicklung in ihren Märkten sehr zufrieden: «Der europäische Markt wächst stark, in der Schweiz hat sich die Passagierzahl gegenüber dem Vorjahr verdreifacht».

Dieses stolze, dank erfolgreichen Partneraktionen wie auch dem Direktverkauf erzielte Ergebnis bezieht sich auf die ganze Gruppe, also sowohl die Marke Scenic wie Emerald, wird aber stark von den Hochsee-Kreuzfahrten von Scenic getrieben.

«Emerald, als Warmwasser-Reederei vor allem im Mittelmeer und in der Karibik aktiv, entwickelt sich aber auch gut, nicht zuletzt dank der neuen Emerald Kaia, die im nächsten Jahr erstmals in den Seychellen kreuzen wird», ergänzte Lange.

Ansonsten stehen in der Schweiz vor allem die polaren Expeditionen sowohl in der Arktis wie in der Antarktis von Scenic im Vordergrund, bei den Warmwasser-Routen sind es exotische Reisen wie etwa nach Japan oder in der Südsee.

«Gerade in der Antarktis können wir eine gewisse Verschiebung von kürzeren Fahrten nach längeren, exklusiven Expeditionen wie etwa zu den Kaiserpinguinen auf dem selten besuchten Snow Hill Island feststellen», berichtete Lange weiter.

Solche aussergewöhnlichen Reisen und Expeditionen an Bord der Ultra-Luxus-Schiffe von Scenic haben natürlich ihren Preis. Der durchschnittliche, je nach Destination variierende Tagespreis pro Passagier liegt bei rund 1000 Franken, wobei attraktive Frühbucherrabatte diesen Schnitt relativieren.

Dafür gibt es in der Schweiz sehr wohl einen Markt, erläuterte Lange schon zuvor. «Schweizer Gäste schätzen die ausserordentliche Hochwertigkeit und die Internationalität des Produkts. Nicht zuletzt hegen sie auch eine gewisse Sympathie für die australischen Mitreisenden».

Im Anschluss an den Medien-Event begrüsste Scenic in München übrigens auch wichtige Vertriebspartner aus dem DACH-Raum. Aus der Schweiz reiste Roman Pfister von Pfister Kreuzfahrten in Winterthur an, und auch Peter Hunke, ex-Schweiz-Chef von E-Hoi und heute Head of Luxury Cruises der Gruppe, war in München.

«Scenic ist ein grossartiges Produkt, das bei uns einen sehr hohen Stellenwert einnimmt», liess Roman Pfister gegenüber TRAVEL INSIDE keine Zweifel an seiner Begeisterung für die australisch-stämmige Familien-Reederei aufkommen.

Beat Eichenberger, München