
TUI Cruises, das Joint-Venture von Royal Caribbean und der deutschen TUI, schliesst mit der neuen Mein Schiff Flow eine beeindruckende Expansionsphase ab: Über die letzten drei Jahre hat die Reederei ihre Kapazitäten um rund 60% erhöht.
Konkret: 2024 nahm die Mein Schiff 7 Fahrt auf (112’000 BRZ, 2922 Pax), das letzte Schwesterschiff der 2018 und 2019 ausgelieferten Mein Schiff 1 und 2. Im letzten Jahr stach die Mein Schiff Relax, die erste Einheit der neuen InTUItion-Klasse, erstmals in See (160’000 BRZ, 3890 Pax).
Am letzten Samstag wurde nun in Triest die zweite InTUItion-Einheit Mein Schiff Flow getauft, die auf der nahen Fincantieri-Werft in Monfalcone erbaut wurde. Inzwischen ist der Neubau auf seiner Taufreise nach Palma de Mallorca unterwegs – noch vor der Taufe konnten Reisebüros und Medien auf Pre-Cruises das Schiff entdecken.
Die Strategie von TUI Cruises

An Bord der Mein Schiff Flow sagte CEO Wybcke Meier zum Ausbau der Kapazitäten: «Die Erweiterung der Flotte schafft nicht nur mehr Kapazitäten, sondern ermöglicht es uns auch, verschiedene Zielgruppen zu erreichen und neue Märkte zu erschliessen».
Gemäss Meier ist TUI Cruises, zu der nebst der Mein-Schiff-Flotte mit jetzt neun Einheiten ja auch Hapag-Lloyd Cruises mit fünf Einheiten gehört, im DACH-Markt hinter Aida klar die Nummer 2 und positioniert sich weltweit als Nummer 5.
Die Mein Schiff-Gäste stammen zu rund 95% aus Deutschland, Österreich kommt auf einen Anteil von rund 3% und die Schweiz – erstaunlicherweise – nur auf 1%. Etwas anders sieht es übrigens bei Hapag-Lloyd-Cruises aus, wo die Schweiz auf rund 8% kommt.
«Unser Heimrevier ist zu 70% Europa mit einem wichtigen Nordland-Anteil, was die Bedeutung der deutschen Abfahrtshäfen unterstreicht», erklärte Meier. Das Mittelmeer, die Karibik und die Kanaren sind weitere wichtige Fahrtgebiete.
Clas Eckholt, VP Commercial, ergänzte zum aktuellen Geschäftsgang, dass man derzeit über den sehr guten Zahlen des Vorjahres liege, und dass wieder vermehrt frühzeitig gebucht werde. «Als Trend können wir eine steigende Nachfrage nach Langzeitreisen und Fahrten in Asien und Japan beobachten».
Zur Preisentwicklung hielt Eckholt fest: «Die Preise haben sich über die letzten sieben Jahre moderat um rund 15% erhöht, was im Rahmen der generellen Teuerung und der aktuellen Entwicklung der Treibstoffpreise liegt».
Der Commercial-Chef unterstrich zudem, dass die Basis der Vermarktung unverändert das Reisebüro bilde. Er lud rund 1500 Profis auf die Pre-Cruises ein. Und: «Die KI wird nie besser sein als ein guter Reisebüro-Profi, kann aber im Hintergrund helfen», kommentierte er eine aktuelle Entwicklung.
Das neue InTUItion-Feeling

Mit der neuen InTUItion-Klasse, der Mein Schiff Relax und nun der neuen Mein Schiff Flow, hat TUI Cruises ihre zwei grössten Schiffe für knapp 4000 Gäste (untere Betten) in Dienst gestellt, die mehr Individualisierung und Erlebniswelten bieten – der Cruiseliner wird verstärkt zur eigenen Destination.
Beide Einheiten wollen nicht mit Spektakel punkten, sondern über Raum, Licht und Nähe zum Meer ein intuitives Wohlgefühl mit Premium-Anleihen an Bord vermitteln. Beide Schiffe weisen denn auch das grösste Raum-Pax-Verhältnis (41) der Mein-Schiff-Flotte aus.
Dabei unterscheidet sich die Mein Schiff Flow höchstens in gewissen Designadaptionen von der Mein Schiff Relax, nicht aber mit Konzeptänderungen. Der Stil an Bord wirkt hell und leicht, mal eher skandinavisch, mal mediterran, nie schreierisch, aber smart, abwechslungsreich und wohnlich.
Grosse Fensterfronten lassen vielerorts das Tageslicht ins Innere strömen, so etwa im zentralen Atrium, wo die Farbgebung und die Möblierung das Meer spiegeln. Hier liegt auf Deck 3 mit den Service-Counters neben der Barista Kaffee-Bar eine lauschige Leselounge mit Blick übers Wasser.
Auf Deck 4 im Atrium-Bereich liegen die populäre Mein Schiff-Bar und -Bistro, beide durchgehend geöffnet, und auf Deck 5 die beliebte griechische Taverna Dionysos und das französische Sur Mer Bistrot, beide mit herrlichen Aussenbereichen.
Genussvolle Kulinarik – und Fugu

Um gleich bei den Restaurants zu bleiben: Das Hauptrestaurant Atlantik ist am Heck über die Decks 4 und 5 mit weiten Panoramafenstern angelegt. Das «Testessen» mit rosa gebratenem Hirschrücken an Wildpilzrahmsauce, Rosenkohl und Spätzle war absolut köstlich.
Im Premium-Inklusivpreis von TUI Cruises ebenfalls inbegriffen sind nebst den bereits erwähnten Restaurants auf den oberen Decks das grosszügige, gepflegte Buffet-Restaurant Harbour Market, nebenan die italienische Osteria sowie das Pool Bistro und das Pane e Sole Bistro.
Was dabei das «hybride» Mein-Schiff-Konzept charakterisiert: Da und dort sind auf der Karte nebst den inkludierten Gerichten auch gewisse Spezialitäten aufgeführt, für die eine Zuschlagszahlung erhoben wird.
Exklusive Restaurants mit ausschliesslich zuschlagspflichtigen Gerichten sind das «alpenländische» Chalet mit hervorragendem Wienerschnitzel oder ebenso vorzüglicher Rösti, das skandinavische Fleisch- und Fisch-Restaurant Hofde und das ganz spezielle Fugu.
Mit dem Fugu hat man sich auf den InTUItion-Schiffen eine ganz besondere Location einfallen lassen: Zu einem hervorragenden 5-Gänger von Spitzenkoch Tim Raue, auf der Mein Schiff Relax japanisch und der Mein Schiff Flow panasiatisch, erzählt eine audio-visuelle Rundum-Raumpräsentation passende Geschichten dazu.
Zu jedem Gang, vom Singapur Chili Crab bis zum indischen Butter Chicken und den abschliessenden Auntie’s Sweets, gibt es eine passende Weinbegleitung. Die ganze sowohl kulinarische wie immersiv beeindruckende Inszenierung kann für 119 Euro erlebt werden.
Dezentrale Erlebniswelten

Um den ‘Flow’ auf dem Schiff zu gewährleisten und Massenansammlungen zu vermeiden, wurden nicht nur die Restaurants, Bars und Lounges gezielt über das ganze Schiff verteilt angelegt, sondern auch die Erlebniswelten entflechtet.
Nebst dem Theater, das mit Platz für 710 Personen für ein Schiff dieser Grösse nicht gigantisch ist, befindet sich auf Deck 4 die Blaue Flora mit Bühne und Bar, nebenan ist der Nachtclub D4 auch multifunktional nutzbar.
Eine besondere Location ist La Cage, einem im Stil der 20er-Jahre nachempfunden Club mit Bar und Burlesque-Show – diese ist allerdings erst ab 18 Jahren zugänglich und kostet zwischen 29 und 49 Euro.
Raucher treffen sich im Casino, das zugleich eine Smokers-Lounge mit Bar ist, und auch auf den Aussenflächen gibt es da und dort Raucherzonen. Zudem liegt auf den Balkontischchen der Kabinen ein Aschenbecher auf – wo gibt es das sonst noch?
An feinen Bars mangelt es nicht: So nebst dem zentralen Treffpunkt der Mein Schiff-Bar etwa auch die Street Art Bar mit urbanem Ambiente und Live-Musik, oder die herrlich auf Deck 16 voraus gelegene Captain’s Bar mit weiter Sicht übers Meer und fantasievollen, kreativen Cocktails.
Auch die Bar 17, hoch oben am Heck des Schiffes an frischer Luft gelegen, verdient eine Erwähnung, oder ganz oben auf Deck 19 neben der Fass-Sauna die intime Mistral Bar. Abends ist zudem oft auf Deck 16 im Agora-Bereich mit Bar Musik und Entertainment unter dem Sternenhimmel angesagt.
Wenn wir gleich oben auf den Tagesdecks sind: Natürlich gibt es auch auf der Mein Schiff Flow den typischen 25-Meter-Pool, zudem einen kleinen Infinity-Pool in der Agora. Was fehlen mag ist eine Wasserlandschaft für Kids oder Rutschen
.Doch das ist Teil des Mein-Schiff-Konzepts. Für Kinder zwischen drei und elf Jahren gibt es drei altersgemässe Kids-Clubs mit dem neuen Maskottchen «Finni», für ältere Jugendliche bietet die Reederei spezielle Programm-Elemente an.
So ist etwa in der grossen Indoor-Arena auf Deck 17 Spiel und Sport angesagt. Und natürlich fehlt es an Bord der Mein Schiff Flow nicht an einem Fitness-Raum, einem Jogging-Track und auf Deck 15 voraus dem schönen Wellness-Bereich Spa & Meer.
Kabinen und die Suiten-Bereiche

Auf der Mein Schiff Flow sind zehn verschiedene Kabinen-Kategorien buchbar – 85% davon haben einen Balkon. Die Balkonkabinen verfügen über eine Wohnfläche von 17 m2 (plus 5-7 m2 Balkon), wirken elegant und dezent, aufgefrischt mit zurückhaltenden Farbtupfern.
Die Betten sind hochwertig, in den Schränken und Schubladen ist sehr viel Stauraum vorhanden, es gibt eine Kaffeemaschine (aber keine Minibar), und im Schrank sind Bademantel und Slippers vorhanden.
Die USB-C-Anschlüsse findet man oben bei den Leselampen am Bett, normale Anschlüsse unter der Schreibtischplatte. Das TV-Angebot ist breit, doch einen Schweizer Kanal sucht man vergebens.
Es gibt zudem spezielle Familienkabinen (32 bis 42 m2) und verschiedene Einzelkabinen (innen, aussen und mit Balkon) für Soloreisende. Auch Premium-Balkonkabinen mit einer Wohnfläche von 30 m2 stehen zur Verfügung.
Gestärkt wurde der Suiten-Bereich, wobei man den Begriff «Ship-in-Ship» eher vermeidet: Die Zugänge zu den Suiten und den exklusiven Suiten-Räumlichkeiten sind nicht hermetisch abgeriegelt. Damit möchte man wohl ein gewisses «Klassen-Dünkel» an Bord vermeiden.
Die Suiten sind auf der InTUItion-Klasse nun gänzlich über die Decks 7 bis 14 hinten am Heck des Schiffes angelegt, ebenso die exklusiven Räume. Auf Deck 6 und 7 liegen die in einem Beach-Club-Stil gehaltene X-Lounge und das Restaurant X-Coast.
Auf Deck 16 befindet sich das X-View-Restaurant (kann abends, wenn verfügbar, auch von «normalen» Gästen gebucht werden), das neu gestaltete X-Sundeck mit Whirlpool und komfortablen Liegen und die X-View-Bar.
Sehr komfortabel präsentieren sich die Suiten ab 26 m2: Die Weitblick-Suite mit zwei Räumen kommt auf 44 m2, die grösste Freiheit-Suite, über zwei Decks angelegt, bietet eine Wohnfläche von 88 m2 plus 43 m2 Balkon. Einer der beiden Schlafräume liegt innen.
Eine kleine Treibstoff-Revolution

Wie die Mein Schiff Relax verfügt auch die Mein Schiff Flow über einen Dual-Fuel-Antrieb und kann sowohl Marine Gas Oil (MGO), in erster Priorität aber Flüssigerdgas (LNG) nutzen. Die Schiffe verfügen auch über weiter verbesserte Katalysatoren.
Diesen Sommer geht man bei TUI Cruises noch einen wesentlichen Schritt weiter:
Beide InTUItion-Schiffe werden ausschliesslich mit Bio-LNG fahren, das aus organischen Abfällen hergestellt wird und die CO2-Emissionen um rund 80% reduziert.
Gebunkert werden kann Bio-LNG in Triest und Barcelona. Die Nutzung dieses Treibstoffs, der allerdings mengenmässig limitiert ist, wird von der Reederei als wichtiger Baustein der Dekarbonisierung bezeichnet. Der nächste Schritt wird dann synthetisch hergestelltes E-LNG darstellen.
Natürlich verfügen die Schiffe auch über einen Landstromanschluss, womit in Häfen mit entsprechenden Anlagen die Motoren ausgeschaltet und schädliche Emissionen weitgehend verhindert werden können.
Neuste Entwicklungen in Bezug auf die Energieeffizienz, Wärmerückgewinnung, das Waste-Management etc. flossen selbstverständlich auch in die Neubauten ein. Das Frischwasser können beide Schiffe selbst produzieren.
Die Mein Schiff Flow ist diesen Sommer auf 9- und 10-tägigen Fahrten im Mittelmeer ab/bis Palma de Mallorca im Einsatz und legt im kommenden Winter Nordland-Fahrten sowie Langzeitreisen nach den Kanaren und in die Karibik auf. Bis 31.7. gilt noch ein Frühbucherrabatt.
Beat Eichenberger, Trieste








