
Als erste europäische Reederei legt MSC Cruises in diesem Sommer regelmässige saisonale Alaska-Turnusfahrten ab/bis Seattle nach Ketchikan, Icy Strait Point, Endicott Arm, Juneau sowie Victoria (Vancouver Island) auf. TRAVEL INSIDE war auf einer Premierenfahrt an Bord und berichtete. (Verlinken mit Bericht 2.6.26)
Vor ihrem Alaska-Einsatz wurde die MSC Poesia auf der Palumbo Malta Shipyard im Rahmen eines Modernisierungsprogramms der Musica-Klasse einem Refit unterzogen. Die Musica-Klasse (92‘400 BRZ, 2550 Pax) wurde zwischen 2006 und 2010 erbaut.
Als erste Musica-Einheit war Ende letzten Jahres die MSC Magnifica auf der Werft, nun folgte im April die MSC Poesia. Ende 2026 wird vor ihrer Südamerika-Saison auch die MSC Musica umgebaut, Anfang 2027 schliesst die MSC Orchestra vor ihrer Mittelmeersaison das Programm ab.
Um es gleich vorweg klarzustellen: Bei der Modernisierung geht es nicht um eine komplette Rundumerneuerung der Schiffe, sondern um punktuelle, sehr wohl auch wesentliche Neuerungen. Hier die Eindrücke von der MSC Poesia:
Neu mit einem MSC Yacht Club

Kernstück des Refits ist ohne Zweifel der Einbau eines MSC Yacht Clubs, dem eleganten Ship-in-Ship-Konzept der Reederei. 69 neue, moderne Suiten sind vorne über mehrere obere Decks entstanden, zum Teil durch die Zusammenlegung bisheriger Kabinen oder Anpassung bisheriger Aurea-Suiten.
Was speziell ist: Der Zugang zu den Suiten erfolgt über die jeweiligen allgemein genutzten Kabinenkorridore und nicht über einen nur mit der Suiten-Karte möglichen Zutritt wie auf anderen MSC-Schiffen.
Über den Suiten liegt vorne auf Deck 13 der Eingang zu den exklusiven Yacht-Club-Räumlichkeiten mit Concierge-Service und der exklusiven Top Sail Lounge, die einen herrlichen Blick voraus über das Meer bietet.
An dieser Stelle befand sich zuvor der Fitness-Raum, der nun neu und modernisiert als MSC Gym powered by Technogym ebenso attraktiv hinten auf Deck 14 im Bereich der ehemaligen S32-Diskothek liegt.
Der Aussenbereich des Yacht Clubs, das Pool- und Sonnendeck mit Whirlpools, Bar und Grill, war früher das Aurea-Sonnendeck Top 16, das sich nun neu hinten am Heck auf Deck 15 befindet. Ein weiteres Sonnendeck des MSC Yacht Club liegt auf Deck 15 und war zuvor ein offener Deckbereich.
Nicht in die Suiten- und Exklusiv-Bereiche vorne am Schiff eingebunden ist das Yacht-Club-Restaurant, das sich mittschiffs auf Deck 7 befindet. Dort befand sich zuvor die Kaito Sushi Bar, der Card Room und die Library.
In einem modernen, gradlinigen und anthrazitfarbenen Stil gehalten, unterscheidet sich der Look des Restaurants augenfällig vom übrigen Design des Schiffes, das sich in den nicht überarbeiteten Bereichen im bisherigen Ambiente zeigt.
Zwei neue Spezialitäten-Restaurants

Weiter wurden auf der MSC Poesia, wie auch auf der MSC Magnifica und bald den zwei anderen Einheiten der Musica-Klasse, zwei neue Spezialitätenrestaurants eingerichtet.
Der Butcher’s Club ist ein authentisches Steakhouse im amerikanischen Stil, auf Deck 13 am Heck mit Meerblick in den Buffetbereich integriert. Hier lässt sich für 60 US-Dollar aus verschiedenen Köstlichkeiten ein hochkarätiges Menu zusammenstellen.
Einige Spezialitäten erfordern weitere Zuschläge wie etwa der spektakuläre Seafood-Tower für zwei Personen (49 USD) oder das Wagyu Sirloin (30 USD).
Neu ist zudem die ebenfalls zuschlagspflichtige und delikate Kaito Sushi Bar mit hochwertigem Sushi und authentisch asiatischen Speisen auf Deck 7 mittschiffs, dort wo sich früher der Cigar Room befand (gibt es nicht mehr an Bord).
Auf der MSC Poesia wurde zudem generell für die Alaska-Reisen das kulinarische Programm erweitert und mit speziellen, von der Region inspirierten Speisen und Getränken ergänzt. Dies reicht von herzhaften Gerichten über eine grössere Auswahl an Meeresfrüchten bis zu neuen Cocktails.
Weitere Neuheiten und Eindrücke

Neugestaltet und in einem modernen Design gehalten präsentiert sich auch der Aurea Spa auf Deck 13, der mit dem Einbau der Top Sail Lounge leicht an Fläche verloren hat, sich aber unverändert sehr vielseitig präsentiert. Zudem gibt es neu auch einen Gentleman’s Barber sowie verschiedene Workout-Studios.
Durchaus erwähnenswert ist im Bereich Entertainment die neue Show «Dirty Dancing: In Concert» im grossen Theater, eine gelungene Live-Adaption des Kultfilms mit Sängerinnen und Sängern, Tänzerinnen und Tänzern sowie einer guten Live-Band.
Das Schiff präsentiert sich nebst den erwähnten Neuerungen vom Stil und vom Ambiente her weitgehend so, wie es vor bald 20 Jahren angesagt war und umgesetzt wurde: Ein munteres Design, das etwa in der extravaganten Zebra-Bar wunderbar auf die Spitze getrieben wurde, oft auch dunkles Holz und kräftige Farben.
Das grosse Theater ist unverändert ein fast pompöser Showroom, im Pigalle ist feine Live-Musik angesagt und das Aktivitäten- und Unterhaltungsprogramm umfasst nicht nur Themenparties, Trivia-Quiz oder Blackjack-Turniere, sondern auch interessante Experten-Talks über die Tierwelt, Geografie oder Kultur Alaskas.
Eine Frage stellt sich einzig, weshalb man mit der MSC Poesia ein Schiff für die Alaska-Route wählte, das zwar über ein schönes Pooldeck verfügt, nicht aber über einen überdachten Pool wie etwa die MSC Magnifica. Die Zahl der Pool-Nutzer liess sich in Alaska fast an einer Hand abzählen, eher gefragt waren die Whirlpools.
Einige Blicke hinter den Kulissen

Alaska ist für Kapitän Longhin kein Neuland, er kreuzte vor einigen Jahren bereits für eine andere Gesellschaft in dieser Region. Aber er unterstreicht: «Dieses Fahrtgebiet ist recht herausfordernd, denn die Konditionen und Eisverhältnisse können sich rasch verändern und man muss immer nach Walen Ausschau halten».
Gerade zu diesem Thema ging MSC Cruises eine Zusammenarbeit mit der Organisation ORCA ein, um die Meeresforschung zu unterstützen. Während der Hauptsaison für Walbeobachtungen ist ein Experte an Bord, um Crew-Schulungen zu begleiten und den Gästen Einblicke in Alaskas marine Tierwelt zu vermitteln.
Die MSC Poesia nutzt für ihre Alaska-Fahrten schwefelarmes MGO (Marine Gas Oil), die Abgase werden über ein Exkhaust Gas Cleaning System gereinigt. Das Schiff ist zudem für Landstrom ausgerüstet, doch im Terminal 91 in Seattle ist die Infrastruktur noch nicht kompatibel, was sich bis nächste Saison ändern soll. Landstrom bietet zudem ein Dock in Juneau.
Noch eine weitere Umwelt-Massnahme, die auch auf der MSC Poesia Einzug hielt: Der Plastikverbrauch wurde massiv reduziert, indem viele Einwegartikel durch wiederverwendbare, kompostierbare oder recycelbare Alternativen ersetzt wurden.
Über die ganze Flotte von MSC Cruises wird derzeit Aqua by MSC eingeführt, ein an Bord mithilfe von Reinigungstechnologien wie Entsalzung und Umkehrosmose mit Mineralien angereichertes frisches, trinkbares Wasser. Damit können jeden Monat flottenweit durchschnittlich vier Millionen Plastikflaschen eingespart werden.
Die MSC Poesia legt derzeit und bis September wöchentliche Turnusfahrten ab/bis Seattle nach Alaska auf und kreuzt dann im Winter 26/27 in der Karibik, bevor sie im Sommer 2027 erneut nach Alaska zurückkehrt. Zu den jeweiligen Saisonwechseln hat das Schiff längere Überstellfahrten durch den Panamakanal im Programm.
Beat Eichenberger, Seattle








