Weg von der Hauptsaison – Funktioniert das?

TI hat bei Carmen Wanner, Senior Product Manager Southern Africa bei Knecht Reisen, nachgefragt.
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«Die ausgeprägte Saisonalität ist idiotisch! Schaut euch die Wetterkarte an und weicht auf andere Reisemonate aus! » Klare Worte von Martin Wiest, CEO der grössten südafrikanischen Incoming-Agentur Tourvest, anlässlich der letzten Tourismusmesse Indaba. Doch wie lassen sich die Nebensaisons in der Schweiz verkaufen? TI hat bei Carmen Wanner, Senior Product Manager Southern Africa bei Knecht Reisen, nachgefragt.

Pushen Sie den Verkauf des südlichen Afrikas in der Nebensaison? Die sogenannte «Green Season» ist natürlich ein Thema, vor allem in Namibia, aber auch in Botswana und Südafrika. Je populärer eine Destination wird, desto mehr wächst auch die Nachfrage für die Nebensaison. Das hat aber auch zur Folge, dass sich die Hochsaison immer stärker ausdehnt und die Nebensaisons damit kürzer werden.

Sind die Nebensaisons preislich attraktiv? Absolut. In Botswana kann eine Lodge in der Hochsaison gerne einmal das Doppelte kosten, aber dort ist die Nebensaison je nach Regen dann auch ein ziemlich anderes Erlebnis. Aber auch die Garden Route ist dann, wenn bei uns hier Sommer ist, deutlich günstiger.

Sie haben es angetönt – es kann ein ziemlich anderes Erlebnis sein. Wo müssen Reisende Abstriche machen?

Der Unterschied ist natürlich das Wetter, es kann dann halt mal regnen. In den Safarigebieten steht das Gras höher, deshalb sieht man die Tiere schlechter. Und bei einer Self-Drive-Tour können die Strassenverhältnisse schwierig sein oder, wie in Botswana, gewisse Routings verunmöglichen. Dafür ist z. B. das Okavango-Delta für Vogelbeobachter ein Traum in der Nebensaison. All diese Unterschiede erklären wir den Kunden im Beratungsgespräch natürlich.

Und, beissen sie an?

Die wirkliche Tiefsaison wächst kaum, die «Shoulder Seasons» vor und nach der Hochsaison hingegen schon. Der mit Abstand grösste Anteil reist aber weiterhin in der Hauptsaison. Das hat auch mit der Schweizer Mentalität zu tun: Wenn man es macht, dann macht man es richtig. Auch bei anderen Veranstaltern ist die Entschärfung der ausgeprägten Saisonalitäten ein Thema. «Bei Erstbesuchern ist es sicher schwieriger, Repeater schätzen mittlerweile aber das Reisen in der Nebensaison. Während die Hotels dann attraktive Preise anbieten, sehen wir bei den Airlines aber eher weniger Bewegung», nimmt Florian Tomasi, Direktor FTI Touristik, auch die Fluggesellschaften in die Pflicht. Und John Stewardson von Africa Design Travel gibt zu bedenken, dass man auch mit günstigeren Preisen die Leute nicht in Massen ans Kap locken könne, wenn es dort kalt und regnerisch sei.

SJ

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