
Drei mögliche Wege das Netzwerk weiter in die Zukunft zu führen lagen auf dem Tisch. Trotzdem beschlossen die Validatoren, d.h. die Eigentümer des Netzwerk, eine geordnete Schliessung anzustreben.
Es kam dazu, weil das Vermögen der Stiftung ausgeschöpft war und aus den ersten beiden Quartalen 2026 unbezahlte Rechnungen vorlagen.
Zum Zeitpunkt war nur noch sechs Wochen Zeit die weitere Finanzierung sicherzustellen. Bei der Abstimmung wurde das für die Durchführung der Abstimmung erforderliche Quorum nicht erreicht, weder für die dreijährige Fortführung, die durch eine jährliche Validierungsgebühr finanziert wird, noch für die andere Option.
Gemäss den vor der Abstimmung vereinbarten Governance-Regeln führt dies zur ordnungsgemässen Auflösung der Stiftung, die nach wie vor von Thomas Stirnimann präsidiert wird.
«Es war nicht einfach, zu diesem Ergebnis zu gelangen und es zu vermitteln. Wir möchten offen darlegen, was dies bedeutet, wie es nun weitergeht und welche Möglichkeiten allen offenstehen, die dieses Netzwerk unterstützt haben», schreibt die Stiftung auf ihrer Webseite.
Was gemeinsam aufgebaut wurde
In den vergangenen Jahren hat sich Camino Network zur ersten Blockchain entwickelt, die speziell für die Reisebranche konzipiert wurde. Der Camino Messenger – das erste dezentrale B2B-Buchungsprotokoll für die Reisebranche wurde eingeführt und im Mainnet live geschaltet.
Mehr als 200 Marken und Organisationen, darunter die Lufthansa Group, TUI, Eurowings und Dertour konnten für die Blockchain-Technologie gewonnen werden. Unterstützt wurden 68 aktive Projekte in den Bereichen Hotels, Fluggesellschaften, Versicherungen und Reiseveranstalter. Mehr als 7 Millionen Mainnet-Transaktionen wurden abgewickelt und über über 100’000 Wallets wurden erstellt und der CAM-Token an führenden Krypto-Börsen gelistet.
«Nichts davon verschwindet. Die Technologie, die Partnerschaften und die Vision einer stärker vernetzten, transparenten Reisebranche bleiben bestehen – und wir sind stolz auf jedes Team, das dazu beigetragen hat», blickt der Stiftungsrat zurück.
Veräusserung im Frühling
Grundlage dafür war das von Ralf Usbeck, ehemals Gründer des Traveltech-Unternehmens Peakwork, 2022 ins Leben gerufene Start-up Chain4Travel mit Sitz im Kanton Zug. Diese Unternehmen, welches zuletzt von Pablo Castillo geleitet wurde, entwickelte die Blockchain-Technologie und die Anwendungen.
Anfang März 2026 wurde Chain4Travel allerdings an TTM (Travel Token Marketplace) veräussert, die diese mit der TTM verschmolz. Damit erhoffe man sich, die Evolution des Camino Network sicherzustellen und die Stiftung durch ein eigenes, marktfähiges Produktangebot zu stärken. Damals ging man noch davon aus, dass das Netzwerk so fortbestehen werde. Nun ist die Idee mit der Stiftung eine unabhängige Hüterin des Blockchain-Netzwerks zu etablieren am Ende.
Das bedeutet die ordentliche Abwicklung
Die Stiftung wird unverzüglich mit einer strukturierten Abwicklung beginnen. Konkret bedeutet dies:
- Die von der Stiftung verwaltete technische Infrastruktur, die Sicherheitsüberwachung und die Unterstützung des Ökosystems werden eingestellt.
- Unsere Börsenpartnerschaften mit Gate.io und Bitpanda sowie das damit verbundene Market-Making für CAM werden beendet. Token-Inhaber sollten sich bewusst sein, dass CAM von diesen zentralisierten Börsen delistet werden könnte.
- Die von der Stiftung koordinierte Geschäftsentwicklung, die Einbindung von Partnern und Werbeaktivitäten werden eingestellt.
- Validatoren, die den Betrieb von Nodes fortsetzen möchten, können dies eigenständig tun. Das Netzwerk kann technisch gesehen mit mindestens sechs aktiven Validatoren weiterbestehen, allerdings ohne zentralisierte Koordination oder Aufsicht.
Diese Möglichkeit haben Camino (CAM) Inhaber
Travel Token Marketplace (TTM GmbH) stellte einen optionalen und freiwilligen Migrationsweg auf Etherum für CAM-Token-Inhaber vor, die die Handelbarkeit ihrer Token erhalten möchten.
Der Vorschlag ermöglicht eine 1:1-Migration von CAM zu einem neuen ERC-20-Vertrag auf Ethereum, wobei ein WBTC/CAM-Liquiditätspool auf Uniswap v3 bereitgestellt wird. Der Pool läuft nach der Bereitstellung autonom – es sind weder eine Stiftung noch Validatoren noch laufende Wartungsarbeiten erforderlich.
So funktioniert das:
- Bestehende CAM-Guthaben (einschließlich unverfallbarer Token) werden 1:1 auf den neuen ERC-20-Vertrag übertragen
- Kosten: 300 € pro 1.000.000 migrierte CAM-Token
- Mindestbetrag: insgesamt 50.000 € (vor Beginn der Dienstleistung müssen etwa 166 Millionen CAM-Token bereitgestellt werden)
- Die End-to-End-Abwicklung – Brückenmechanismen, Vertragsbereitstellung, Pool-Seeding und Listung – wird von der TTM GmbH übernommen.
- CAM ist ab dem ersten Tag auf Uniswap gegen WBTC handelbar und für jede DEX, jeden Aggregator oder jede Wallet auf Ethereum zugänglich.
- Unverfallbare CAM-Token können migriert werden und sind sofort verfügbar, unterliegen jedoch ebenfalls den Migrationskosten.
Die Migration findet nur statt, wenn die Mindestschwelle bis zum 30. Juni 2026 erreicht wird; daher ist die Anmeldung der richtige erste Schritt, um herauszufinden, ob dieser Weg realisierbar ist. Obwohl der Wert des CAM-Token von einst 0,12 USD auf 0,00069 USD gesunken ist, könnte eventuell so noch etwas gerettet werden.
Die Abschiedsbotschaft
«An alle Validatoren, die einen Knoten betrieben haben, alle Partner, die auf Camino aufgebaut haben, alle Teams, die ein Live-Projekt veröffentlicht haben, und alle Investoren, die an die Vision einer dezentralisierten Reisebranche geglaubt haben – vielen Dank.
Dies ist nicht das Ergebnis, auf das wir alle gehofft hatten. Aber es ist ein ehrliches Ergebnis, und wir sind entschlossen, die Schließung verantwortungsbewusst, transparent und mit Respekt gegenüber allen, die dazu beigetragen haben, zu bewältigen.» (BRA)








