Die neue Form des Reisens

Warum Massentourismus immer mehr Destinationen heimsucht und welche Lösungen es bereits gibt.
Gumpen am Königssee Sperrung ©Nationalpark Berchtesgaden

Der Januar zeigt sich traditionell als buchungsstärkster Monat. Der Deutsche Reiseverband (DRV) prognostiziert steigende Umsätze und geht davon aus, dass die Deutschen 2026 etwa 86 Milliarden Euro für Ferien und Reisen ausgeben werden. Das ist eine Steigerung um mindestens 3% gegenüber dem Vorjahr. Albin Loidl, Präsident des DRV, stuft Reisen gar als «zentrales Bedürfnis für viele Menschen» ein.

Neue Kanäle, neue Probleme

Die Art, wie Reiseziele entdeckt werden, hat sich grundlegend verändert. Viele Reisende lassen sich heute nicht mehr nur von klassischen Reiseführern inspirieren, sondern kombinieren KI-Tools mit sozialen Netzwerken, Videoplattformen und Online-Foren. Orte können somit innerhalb weniger Monate zu globalen Hotspots werden, oft ohne die nötige Infrastruktur oder geeignete Schutzkonzepte. Besonders deutlich zeigt sich dieser Effekt, wenn Serien, Filme oder Influencer*innen bislang wenig bekannte Destinationen ins Rampenlicht rücken.

Zusätzlich verstärken technologische Entwicklungen im Luftverkehr diesen Trend. Neue Langstrecken-Schmalrumpfflugzeuge ermöglichen Nonstop-Verbindungen zwischen Städten, die zuvor nur umständlich erreichbar waren. Zwar eröffnen sich dadurch neue Märkte, zugleich geraten jedoch Regionen unter Druck, die auf einen plötzlichen Besucheransturm nicht vorbereitet sind.

Wenn Beliebtheit zur Belastung wird

Die Folgen zeigen sich vor allem an beliebten Naturdestinationen. Ein Beispiel ist der Nationalpark Berchtesgaden im Süden Deutschlands: Ein kleines Wasserbecken in den Felsen wurde durch Social-Media Beiträge zum ‘Infinity Pool’ und zu einem weltweiten Besuchermagneten. An Spitzentagen machten sich über 350 Menschen auf den Weg zum ‘Infinity Pool’. Das Ergebnis war ein kilometerlanges Netz aus Trampelpfaden, massive Eingriffe in sensible Lebensräume und eine Gefährdung geschützter Tierarten. 2021 wurde das Gebiet für mindestens fünf Jahre gesperrt, um weitere Zerstörung zu verhindern.

Ein weiteres Beispiel ist ein Bergdorf in der Slowakei. Vlkolínec wurde in den 90er-Jahren der Status als UNESCO-Weltkulturerbe verliehen, um die teilweise noch aus dem Mittelalter erhaltenen Häuser zu schützen. Inzwischen ist das Dorf von jährlich 100’000 Touristen überlaufen und Renovierungen sind durch den Weltkulturerbe-Status erschwert. Nur noch vier Familien wohnen heute in den insgesamt 43 Häusern. Nun fordern die Bewohner*innen die Aufhebung des Unesco-Status, um das Dorf am Leben zu erhalten.

Green Pearls: Drei Ansätze für einen nachhaltigeren Tourismus in beliebten Destinationen

Die Partnerhotels der Green Pearls, einer Vereinigung nachhaltiger Hotels weltweit, verfolgen eine Reihe von Strategien im Umgang mit dem Thema Massentourismus. Verschiedene Ansätze sollen den Tourismus gezielt lenken und einschränken, darunter sind: Hotels in Regionen, die aktiv Touristenströme bewältigen, Hotels in bewusst abgelegenen Gebieten fernab touristischer Hot Spots sowie Hotels in Regionen, die Tourismus in ihren Regionen nachhaltig fördern. (TI)