Die Neupositionierung von Hurtigruten

Die traditionelle Postschifflinie Norwegens packt mit speziellen Signature-Reisen und einem eimissionsfreien Schiffsprojekt die Zukunft an.
Hedda Felin, CEO Hurtigruten, und Marius Griego, VP Sales & Marketing DACH. ©BE

Die 2024 eingeleitete Trennung von Hurtigruten (Postschifflinie Norwegen) und ihrer vormaligen Einheit Hurtigruten Expeditions (heute HX) wurde im vergangenen Februar durch die Übernahme von HX durch ein von Arini Capital Management angeführtes Investoren-Konsortium endgültig besiegelt.

Grund genug für Hedda Felin, CEO von Hurtigruten, und Marius Griego, VP Sales & Marketing DACH, die «neue» Positionierung von Hurtigruten und ihre Pläne den Schweizer Medien in Zürich persönlich näher zu bringen.

Die einmalige Postschiffroute
Traumhafte norwegische Küsten. ©Hurtigruten

 

«Unser Ziel ist es, die Positionierung als Nummer 1 für ikonische Norwegen-Erfahrungen weiter zu festigen», erklärte Felin einleitend ohne Wenn und Aber. Dazu setzt Hurtigruten auf der traditionsreichen Postschiffroute sieben Schiffe ein und auf den neuen Signature-Linien bald deren drei.

Im letzten Jahr reisten knapp 200’000 Gäste mit den Schiffen von Hurtigruten und generierten insgesamt 684’000 Übernachtungen. Dabei legte jedes Schiff rund 85’000 nautische Meilen zurück.

Damit gehört Hurtigruten zu den grössten maritimen Unternehmen Norwegens und bedient seit über 130 Jahren im Rahmen eines Staatsvertrags ganzjährig auf regelmässigen 12-tägigen Fahrten zwischen Bergen und Kirkenes 34 Anlaufhafen an der norwegischen Küste.

Für die einheimische Bevölkerung sind die Postschiffe ein unabdingbares Transportmittel, das auch Waren, Güter und Autos entlang der Küste befördert. Touristische Gäste geniessen die spektakuläre, küstennahe Route mit ihren Fjorden, Inseln, Gebirgszügen und abgeschiedenen Orten.

«Hurtigruten bietet ein authentisches Reiseerlebnis mit kleineren Schiffen, die viele Orte anlaufen, die grösseren Schiffen verwehrt sind», sagte Felin. Maximal 500 Gäste (inklusive Kurzreisende ohne Kabine) finden auf den Postschiffen Platz

Viel Wert legt Hurtigruten an Bord ihrer Schiffe auf eine erstklassige norwegische Küche. «Das Konzept des Coastal Kitchens setzt auf saisongerechte, lokale Gerichte, deren Zutaten von rund 70 Lieferanten entlang der Küste angeliefert werden», so die CEO.

Felin wies zudem auf das breite Angebot unterschiedlicher Landausflüge und touristischer Packages hin (Flug, Hotels, Zug), die im Zusammenhang mit der Seereise gebucht werden können. Und als Tipp empfiehlt sie Fahrten im Frühling und Herbst mit dem speziellen Erlebnis unterschiedlicher Saisonalitäten.

Die touristischen Signature-Linien
Die Midnatsol wird ein Signature-Schiff. ©Hurtigruten

 

Vor zwei Jahren lancierte Hurtigruten als zweites Standbein rein touristische Fahrten, die heute unter dem Begriff «Signature-Linien» ein fixes und wichtiges Angebot darstellen.

Die Signature-Reisen laufen weniger Häfen an und bleiben jeweils länger vor Ort als die Postschiffe, was mehr Entdeckungen erlaubt. Sie beinhalten zudem mehr Leistungen wie ein Getränkepaket oder Wifi, zudem ist stets ein erweitertes deutschsprachiges Expertenteam an Bord.

Eine Sommer-Linie führt ab/bis Bergen in 14 Tagen entlang der norwegischen Küste bis nach Svalbard (Spitzbergen), eine Winter-Linie ab/bis Oslo in zwei Wochen bis ans Nordkap. Gar ganzjährig wird das Nordkap ab/bis Hamburg angelaufen.

Auf den Signature-Linien sind die Schiffe Trollfjord und Finnmarken im Dienst, ab Hamburg kommt ab März 2026 zudem mit der Midnatsol ein zweites Schiff zum Einsatz, das von der Postschifflinie überwechselt.

«Das grösste Wachstum im Schweizer Markt generieren die Signature-Reisen, die ein vertieftes Eintauchen in die Faszination Norwegens erlauben», sagte Marius Griego in Zürich. Das zweite Signature-Schiff ab Hamburg komme deshalb auch dem hiesigen Markt zugute.

Generell unterstrich der DACH-Verantwortliche Griego die Hochwertigkeit des Schweizer Marktes und die gute und tragende Partnerschaft mit den Reisebüros, die den Löwenanteil der Buchungen generieren.

Der Umwelt verpflichtet
Emissionsfreies Hurtigruten-Projekt Sea Zero. ©Hurtigruten

 

In Norwegen nimmt der Schutz der Umwelt und der Meere einen wichtigen Stellenwert ein, was von Hedda Felin begrüsst wird: «Wir befürworten die Anstrengungen, die zum Schutz der wunderschönen Küsten-Regionen beitragen».

Schon seit Jahren sind die Hurtigruten-Schiffe mit Marinediesel statt Schweröl unterwegs und können Bio-Fuel nutzen, vier Schiffe sind zudem hybrid mit Batterien unterwegs: Die Kong Harald, Nordlys, Richard White und Finnmarken.

Mit der Kombination von Bio-Fuel und Batterien können die Schiffe Fjord-Abschnitte klimaneutral befahren. Dass nicht alle Schiffe hybrid sind, erklärte Hedda Felin mit den grossen finanziellen Kosten und den baulichen Schwierigkeiten, die ein solcher Umbau mit sich bringt.

Erschwerend kommt hinzu, dass entlang der Küste aktuell erst drei Häfen Landstrom für das regelmässige Laden der Batterien anbieten. Hurtigruten drängt deshalb auf einen raschen Ausbau dieser Infrastruktur, um die angestrebten Klimaziele zu erreichen.

Eine weitere Qualität erhält das Thema spätestens 2030, wenn Hurtigruten das erste emissionsfreie Schiff in Betrieb nehmen will. Das Projekt «Sea Zero» setzt auf eine Kombination von aufklappbaren Segeln, Solar-Panels und Batteriepaketen. Als «Backup» ist der Einsatz von Bio-Fuel geplant.

Nach einer längeren Projekt- und Entwicklungsphase bestätigte Hedda Felin nun, dass mit der norwegischen Vard-Werft (Fincantieri) eine Bauwerft bestimmt wurde, die das neuartige Schiff bauen wird.

Beat Eichenberger