
Als Jason Montague, Chief Luxury Officer von Oceania Cruises, vor einem Jahr die Positionierung der Reederei im Luxus-Segment deklarierte, ging ein Raunen durch die Branche: Ist Oceania nun wie bisher bezeichnet ‘Upper-Premium’ oder jetzt tatsächlich neu ‘Luxus’?
«Es tut sich derzeit sehr viel in der Wahrnehmung der Luxus-Kreuzfahrten», sagt Maik A. Schlüter, Business Development DACH von Oceania, im Gespräch mit TRAVEL INSIDE zum Thema. «Dabei gibt es unterschiedliche Definitionen des Niveaus, das über den gehobenen Standard hinausgeht».
Die Luxus-Positionierung von Oceania
So kreist ein traditionelles Verständnis eher um materielle Güter und Werte, Prestige und Statussymbole, während die moderne Definition, wie bei Oceania verfolgt, vor allem immaterielle Elemente wie Zeit, Individualität, Emotionen, authentische Erlebnisse und Internationalität in einem qualitativ hochstehenden Umfeld begreift.

«Oceania erleichtert den Gästen den Einstieg ins Luxus-Segment, wobei wir mehr Wahlfreiheit inkludierter Leistungen bieten als umfassende All-inklusive-Reedereien», fasst Schlüter die Luxus-Diskussion zusammen. Die Basispreise sind deshalb bei Oceania tiefer angesetzt als bei All-inklusive-Anbietern.
«Für Gäste, die kürzere Reisen unternehmen, stehen nebst den Destinationen und der Kulinarik vor allem der Komfort an Bord unserer Schiffe im Vordergrund, während es bei längeren Fahrten zudem die Zeit und der Erlebniswert sind», so Schlüter. Die durchschnittliche Reisedauer bei Oceania beträgt übrigens 19 Nächte.
Tatsächlich bilden längere Kreuzfahrten von Grand Voyages bis zu 180-tägigen Weltreisen, die mehr Tiefe, Ruhe und Erlebnisse bieten, bei Oceania nebst den besonderen Destinations-Routen und der hochwertigen Kulinarik einen tragenden Schwerpunkt.
Dass die Mehrheit der Oceania-Gäste im Pensionsalter steht, ist deshalb nicht überraschend. Wobei: «Auf kürzeren Reisen sind auch viele noch berufstätige Gäste ab 50 Jahren an Bord, meist erfahrene Cruiser, die von anderen Reedereien zu uns wechseln», hält Schlüter fest.
Die neue ‘Adults-only’-Ausrichtung
Nebst der (Einstiegs-)Luxus-Positionierung sorgte Anfang Jahr auch die Ankündigung von Oceania als «Adults-only»-Reederei für Beachtung. «Dieser Schritt wurde gut aufgenommen, und wir konnten dank der nun klaren Kommunikation neue Kunden gewinnen», hält Schlüter dazu fest.
Negative Reaktionen, weder von den Gästen noch vom Vertrieb, habe es keine gegeben, denn ‘Adults-only’ spiegle einzig eine bisherige Realität: «Oceania war nie ein Familienprodukt mit Rutschen und Kids-Programmen, und wir hatten nie viele Kinder und Jugendliche an Bord».
Seit Januar werden bei Oceania nun keine Buchungen mehr für unter 18-jährige Gäste mehr entgegengenommen, zuvor getätigte Buchungen behalten aber ihre Gültigkeit. Raffinesse, Gelassenheit und Entdeckungsfreude stehen bei Oceania als ausschliesslich für Erwachsene ausgerichtete Reederei im Vordergrund.
Unabdingbare Reisebüro-Beratung
Für Mike A. Schlüter steht ausser Zweifel, dass der Erfolg von Oceania Cruises eng mit dem Engagement und dem Know-how der Reisebüro-Partner verbunden ist: «Unser Produkt ist erklärungsbedürftig, entsprechend investieren wir viel in die Zusammenarbeit mit dem Vertrieb».
«Erklärungsbedürftig ist etwa, dass wir keine All-inclusive-Reederei sind», stellt Schlüter klar. Nebst inbegriffenen Leistungen wie sämtliche Spezialitätenrestaurants, Wifi, Trinkgelder etc. haben die Gäste bei Oceania die Wahl zwischen inkludierten alkoholischen Getränken an Bord oder Landausflügen.
Und ein weiterer wichtiger Punkt sind nebst der Kulinarik oder der hochwertigen Ausstattung die Routen von Oceania: «Das Reisebüro muss die Routen vergleichen und dabei auch die langen Liegezeiten oder die Übernacht-Aufenthalte in besonderen Häfen in Betracht ziehen», so Schlüter.
Schulungen und Verkaufsunterstützungen aller Art sind das eine – persönliches Kennenlernen des Oceania-Produkts das andere. «Wer einmal selbst an Bord eines unserer Schiffe war, hat einen ganz anderen Bezug dazu», weiss Schlüter ganz genau.
Er freut sich deshalb, dass er in diesem Jahr bereits rund 150 Reisebüro-Profis aus dem DACH-Raum im Rahmen von Schiffsbesichtigungen oder Studienreisen das Oceania-Produkt näherbringen konnte. «Wir wollen den Vertrieb für das Produkt Kreuzfahrten begeistern und überzeugen», lautet Schlüters Credo.
Umwälzungen in der R-Klasse-Flotte
Die Flotte von Oceania umfasste bisher u.a. vier kleinere Einheiten der vor rund 25 Jahren erbauten R-Klasse für Renaissance Cruises: Regatta, Nautica, Insignia und Sirena (je 684 Pax) – «einst stilbildende Schiffe, die laufend renoviert wurden und ausserordentlich viele Liebhaber kennen», sagt Schlüter.
Inzwischen hat die Regatta die Flotte verlassen: Das Schiff wurde an den australischen Veranstalter My Cruises Explorations by Norwegian verchartert und legt seit September Langzeitreisen ab Down Under auf. Ob das Schiff je wieder zu Oceania zurückkehren wird, ist ungewiss.
Ab 2028 wird auch die Sirena nicht mehr für Oceania kreuzen. Das Schiff wurde gemäss letzten Meldungen an die britische Ambassador Cruise Line verkauft und soll im Sommer als Amabella auf den deutschen Markt gebracht werden und im Winter für die schwimmende US-Universität Semester at Sea zum Einsatz kommen.
Spannende Pläne hat Oceania mit der Nautica vor: «Dieses Schiff wird bei Fincantieri grundlegend in ein Suiten-Schiff mit reduzierter Gästezahl umgebaut und in Aurelia umbenannt als neugestaltetes, elegantes Schiff für Langzeitreisen zum Einsatz kommen», erklärt Schlüter.
Die Aurelia wird Ende 2027 erste Fahrten im Mittelmeer aufnehmen und startet dann am 18. Januar 2028 zu einer 180-tägigen Weltreise westwärts von Miami nach New York in See, die auch in 12 Reiseabschnitten gebucht werden kann. Eine Weltreise ist auch für 2029 ausgeschrieben, dazwischen sind Grand Voyages im Programm.
Bleibt noch die Frage nach der Insignia, die übrigens auch mal als Columbus 2 für Hapag-Lloyd Cruises im Einsatz war. Im letzten Jahr platzte ein geplanter Deal mit dem US-Residenzanbieter Crescent Seas – «die Insignia ist vorläufig nach wir vor in unseren Programmen», hält Schlüter zu dieser Einheit fest.
Expansion mit der neuen Sonata-Klasse
Bei Oceania weiter im Einsatz sind die zwei 2011/12 erbauten und umfassend modernisierten O-Klasse Schiffe Marina und Riviera (je 1250 Pax) und die zwei edlen Neubauten Vista (2023) und Allura (2025, je 1200 Gäste). Doch bald folgt der nächste Paukenschlag der Reederei.
Auf der Fincantieri-Werft in Marghera entsteht derzeit mit der Sonata der erste Neubau einer neuen Schiffsklasse, der im August 2027 ausgeliefert wird. «Obwohl mit 86’000 BRZ rund 30% grösser als die Vista und Allura, wird die Sonata nur über 90 zusätzliche Kabinen für insgesamt 1390 Gäste verfügen», sagt Schlüter.
Freuen kann man sich nebst der Grosszügigkeit an Bord u.a. auf neue Suiten-Kategorien, und unter den 13 gastronomischen Angeboten wird es zwei neue Konzepte geben: «La Table par Maîtres Cuisiniers de France verspricht das exklusivste Fine-Dining-Restaurant auf See zu werden», lässt sich Schlüter entlocken.
La Table bietet Platz für nur 18 Gäste und wird klassische französische Techniken mit innovativen Kombinationen vereinen. Kein Wunder: Beide Executive Directors von Oceania, Alexis Quaretti und Eric Barale, sind Mitglied der renommierten Maîtres Cuisiniers de France. Aber auch ein neues Nikkei Kitchen wird es zu entdecken geben.
Mit der Sonata startet Oceania eine beeindruckende Flotten-Expansion: Bereits 2029 folgt mit der Arietta ein erstes Schwesterschiff, drei weitere Neubauten derselben Bauklasse sind für die Jahre 2032, 2035 und 2037 geplant – eine massive Stärkung in diesem speziellen Cruise-Segment.
Laufende Produkte-Innovationen
Nicht nur die ‘Hardware’, auch die ‘Software’ wird bei Oceania laufend weiterentwickelt. So erweitert die Reederei das Bordprogramm auf der ganzen Flotte mit einem Ausbau des von Experten geleiteten Vortragsprogramms und bietet so noch vertieftere Einblicke in das kulturelle Erbe und die Geschichte der bereisten Destinationen.
Für die hiesigen Märkte von Interesse ist vor allem auch die Ankündigung, dass Oceania auch 2027 und 2028 einige deutsch- und französisch-begleitete Reisen durchführt. «Auch wenn fast alle Gäste englisch sprechen, schätzen es viele deutschsprachige Gäste durchaus, wenn eine kompetente deutschsprachige Ansprechperson an Bord ist», sagt Schlüter.
Dies gelte vor allem für deutschsprachige Gäste, die zum ersten Mal mit Oceania reisen – und dann meist der Reederei treu bleiben. Und: «Meist kommt diese Ansprechperson aus der Schweiz, denn die Schweizer sind ja zweisprachig…».
Und noch ein Hinweis: Ende Mai 2028 legt Oceania auf einer Rundreise ab/bis Southampton mit England, Irland und Schottland die erste vollständig glutenfreie Kreuzfahrt der Brance auf. Dies gilt für alle Restaurants an Bord der Oceania Vista – ein Prüfen der Speisekarten auf Gluten Freiheit wird damit hinfällig.
«Auch diese einmalige Kreuzfahrt dokumentiert die Innovationsfähigkeit und den besonderen kulinarischen Fokus von Oceania Cruises», schliesst Maik A. Schlüter, der im Schweizer Markt durchaus noch viel Potential sieht.
Beat Eichenberger








