Die Züge stehen mal wieder still

Der nächste GDL-Tarifstreik soll am Freitag den Bahnverkehr in Deutschland erneut komplett lahmlegen.
Keinen Bock auf die Lok – die Lokführer der DB lassen ihr Arbeitsgerät erneut stehen. ©unsplash.com/Oliver Sand/Montage: TRAVEL INSIDE

Schöne Bescherung – wer am Freitag eine Bahnreise in oder nach Deutschland geplant hat, zum Beispiel an einen der zahlreichen Weihnachtsmärkte in Süddeutschland, ist gut beraten, sich nach einem alternativen Verkehrsmittel umzuschauen.

Die Lokführergewerkschaft GDL hat nämlich erneut zu einem 24-stündigen Warnstreik in unserem nördlichen Nachbarland aufgerufen. Die Streiks sollen im Personenverkehr am Donnerstagabend um 22 Uhr beginnen und bis Freitagabend um 22 Uhr dauern. Auch der Güterverkehr wird bestreikt.

GDL-Chef Claus Weselsky hatte die Tarifverhandlungen am 24. November für gescheitert erklärt, weil die Bahn keine Verhandlungsbereitschaft signalisiert hatte.

Auswirkungen auch in der Schweiz

Im Grenzüberschreitenden Verkehr hat dieser Streik auch Auswirkungen auf Verbindungen aus und in die Schweiz, wobei die SBB bei internationalen Verbindungen die Streckenabschnitte auf dem Schweizer Schienennetz planmässig bedienen will. Die Schweizerischen Bundesbahnen raten aber ausdrücklich von Reisen nach Deutschland an diesem Tag ab. Bereits gekaufte Tickets behalten ihre Gültigkeit.

«Verantwortungslos und egoistisch!»

Bahn-Personalvorstand Martin Seiler poltert in der Bild-Zeitung nach der erneuten Streik-Ankündigung: «Die Lokführer-Gewerkschaft vermiest Millionen unbeteiligten Menschen das zweite Adventswochenende. Ein Streik so kurz nach dem Wintereinbruch und so kurz vor dem Fahrplanwechsel ist verantwortungslos und egoistisch! Anstatt zu verhandeln und sich der Wirklichkeit zu stellen, streikt die Lokführer-Gewerkschaft für unerfüllbare Forderungen. Das ist absolut unnötig.»

Seiler geht noch einen Schritt weiter und fordert die GDL auf, den Adventsstreik abzusagen und umgehend an den Verhandlungstisch zurückzukehren. «Wir sind zu jeder Zeit und an jedem Ort verhandlungsbereit».

Vielleicht wird der ‘Güggelikampf’ bald noch schlimmer

Ausgetragen wird der nervige Kampf der zwei Streithähne freilich auf dem Rücken von Millionen von Pendlern – und das Ende der Fahnenstange scheint in immer weitere Ferne zu rücken: Die Gewerkschaft leitete nämlich zudem eine Urabstimmung über unbefristete Streiks ein – das Ergebnis soll am 19. Dezember vorliegen.

Unbefristete Streiks sind möglich, wenn 75 Prozent der Abstimmungsteilnehmer für solche Arbeitskämpfe stimmen. Deutschland darf sich also auch weiterhin chaotische Zustände auf den Schienen einstellen. (TI)