Drei Schweizer Ferienmessen ziehen Bilanz

Die Konzepte von Fespo Zürich, Grenzenlos St. Gallen und Ferienmesse Bern scheinen aufzugehen.

Die drei grossen Schweizer Ferienmessen sind für 2019 bereits wieder Geschichte. Das Fazit der Messeleiter hört sich durchwegs positiv an.

Allgemeines Fazit

STEPHAN AMSTAD (FESPO ZÜRICH): Wir sind rundum zufrieden, hatten zufriedene Aussteller und Besucher. Es gab viele neue Aussteller, spannende Länder und Destinationen und einen Rekord bei den Vorträgen: rund 500 Vorträge und 14 Kinos.

C. DERUNGS (GRENZENLOS ST. GALLEN): Wir sind mit der dritten «Grenzenlos» sehr zufrieden. Die Themenwelten haben sich etabliert und die Investitionen in die Hallen-Atmosphäre wurden sehr geschätzt. Die Spezialisten attestierten eine gute Qualität der Gespräche und viele wertvolle Kontakte zu bisherigen und potenziellen Kunden.

MARIO KOVACEVIC (FERIENMESSE BERN): Die Bilanz fällt sehr positiv aus. Seitens Ausstellern und Besuchern haben wir viel positive Resonanz. Die Ausgabe 2019 präsentierte sich im Rahmen eines kleinen Relaunchs mit vier Themenwelten, welche der Messe eine klare Struktur und Themenbündelung verliehen haben. Die sehr hohe Besucherqualität der Ferienmesse Bern wurde einmal mehr bestätigt.

Besucherzahlen

AMSTAD: Wir sind stolz, dass wir in einem schwierigen Marktumfeld mit 65000 die Besucherzahl auf einem hohen Niveau halten und mit dem Event unsere Marktrelevanz unterstreichen konnten.

DERUNGS: Der leichte Rückgang von knapp 6% (33000 Besucher gegenüber 35000 im Vorjahr) kann dem perfekten Skiwetter zugeschrieben werden. Wir spüren besucherseitig keinerlei Messemüdigkeit. Wir konnten mit der Grenzenlos – mit Ausnahme des Übergangsjahres – nahtlos an die erfolgreichen früheren Jahre anschliessen. Wir sind überzeugt, die richtige Richtung eingeschlagen zu haben, und werden dies 2020 vertiefen.

KOVACEVIC: Die Besucherzahlen waren auf dem guten Niveau der letzten Jahre. Wir haben einen marginalen Rückgang zu verzeichnen, welcher auf das Top-Wetter am Freitag zurückzuführen ist. Der Sonntag war der bestbesuchte Tag seit 2015. Konkret: Es waren rund 37600 Besucher, das sind rund 2400 weniger als letztes Jahr.

Ausstellerzahlen

DERUNGS: Die Ausstellerzahlen und vermieteten Flächen haben seit den erfolgreichsten Zeiten gelitten und pendeln sich bei plus/minus 380 ein. Die Weiterentwicklung der Ferienmesse St.Gallen zur Grenzenlos St. Gallen hat noch nicht den angestrebten Umschwung bewirkt, aber den negativen Trend gebrochen. Da die Grenzenlos zeitgleich mit der CMT Stuttgart stattfindet, kostet uns dies einige ausländische Aussteller. Umso erfreulicher ist, dass wir eine Zunahme an Schweizer Ausstellern verzeichnen können.

KOVACEVIC: Die Ausstellerzahl bewegte sich auf den Niveaus der beiden Vorjahre. Mit der Belegung von zwei unserer grössten Hallen (je rund 7500m2) verteilten sich die Stände anders als in den Vorjahren. Das Ziel ist ein weiterer Ausstellerzuwachs in den nächsten beiden Jahren.

Ausstellende Destinationen

AMSTAD: Wir hatten rund 250 Destinationen aus allen sieben Kontinenten vor Ort, wie in den Vorjahren.

DERUNGS: Wir durften dieses Jahr zehn Ländervertretungen (vier mehr als letztes Jahr) begrüssen. Auch Tourismusregionen präsentierten sich zahlreicher als früher. Dass die Schweiz ein zwar kleiner, aber sehr spannender Markt für Destinationen verschiedenster Grössen ist, wissen die Tourismusstrategen. Direktflüge ab der Schweiz, attraktive Angebote der Veranstalter und die Pflege der Kontakte zu den Ländervertretungen tragen dazu bei, dass die Schweiz den Weg in die Marketingstrategien findet.

KOVACEVIC: Die Positionierung der Messe war in den letzten Jahren weniger auf Destinationen fokussiert. Das Ziel ist, ab der Ferienmesse 2020 wieder vermehrt Destinationsvertretungen anbieten zu können, inklusive Gastland oder Gastregion.

Bedeutung des Gastlands

AMSTAD: Das Gastland hat eine positive Ausstrahlung auf die ganze Messe. Die Mongolei hat dieses Jahr besonders gestrahlt. Wir hatten über 50 Tänzer, Ringer, Sänger und Artisten vor Ort.

DERUNGS: Ein Gastland prägt eine Messe v.a. in der Kommunikation und zieht entsprechende Besucher an. Das Gastland ist stets auch ein Argument für Spezialisten, sich mit zu präsentieren. Wir haben aber immer auch weitere Sonderschauen, welche für ein passendes Publikum für alle Aussteller sorgen.

KOVACEVIC: Ein Gastland kann ein starker kommunikativer Aufhänger sein, mit Multiplikator-Effekt.

Wirkung von Zusatzmessen

AMSTAD: Die Golfmesse in Zürich ist seit jeher ein Erfolgsmodell und generiert der Fespo mit 130 Ausstellern definitiv einen Mehrwert.

DERUNGS: Unsere Gastmesse, die Ostschweizer Camping- und Freizeit-Ausstellung, rundet die Hauptmesse mit Spezialthemen und dem Know-how von Fachleuten ab. Die Gäste der OCA besuchen auch die Grenzenlos. Auch Camping- oder Wohnmobilfans möchten exotische Destinationen erkunden.

KOVACEVIC: Mit zusätzlichen Inhalten werden generell die entsprechenden Zielgruppen angesprochen, was für die Messe nur positiv sein kann, sowohl in Bezug auf die Besucherzahlen wie auch die Angebotsbreite.

Contra Ausstellerschwund

AMSTAD: Wir bieten dem Aussteller eine perfekt organisierte Plattform, auf welcher er sein Zielpublikum abholen kann, wir binden ihn in die Kommunikation ein und können gemeinsam ein Erlebnis über den Moment hinaus schaffen.

DERUNGS: Wir setzen seit 2017 ein neues Konzept um, welches eine aktive und emotionale Plattform für Ferienerlebnisse bietet. Unsere Aussteller ermutigen uns, die Investitionen in die Dekoration, die Hallenplanung und die Aktivierungszonen weiter zu vertiefen. Wir versuchen, die Abwicklung der Standanmeldung sowie den Auf- und Abbau so unkompliziert wie möglich zu gestalten und hören auf Ideen und Wünsche der Aussteller.

KOVACEVIC: Wir reagieren mit klaren Strukturen und schaffen durch die Erweiterung von Inhalten klare Gefässe und Plattformen für die Aussteller.

Zukunftschancen der Messe

AMSTAD: Wir schauen optimistisch aufs nächste Jahr mit dem 30-Jahr-Jubiläum. Trotz vieler Fragezeichen konnte die Fespo einmal mehr beweisen, dass in der Ferienindustrie die Live-Begegnung sehr wichtig ist. Viele Aussteller haben es verstanden, den Besucher-Kontakt zu knüpfen.

DERUNGS: Die Grenzenlos hat sich als «neue Ferienmesse St.Gallen» bei Besuchern aus der Ostschweiz und Vorarlberg etabliert. Die Zahlen haben sich eingependelt, ebenso die benötigten Ressourcen unsererseits. In diesem Rahmen werden wir Bestand haben, mehr darf es natürlich immer sein.

KOVACEVIC: Mit der Ferienmesse 2019 als «Zwischenjahr» wurde eine gute Basis und erste «Duftmarke» für die nächsten Jahre gesetzt.

Stephanie Günzler

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