Durchhalteparolen an der GV des Flughafens Bern

Der Hauptstadt-Airport kämpft ums Überleben.
Bern-Airport-Verwaltungsratspräsident Beat Brechbühl, Berns Regierungspräsident Christoph Ammann und der designierte Flugplatz-CEO Urs Ryf (v.r.). ©TI/HRB

Der Gemeindepräsident der Standortgemeine Belp würdigte zum Schluss der Generalversammlung der Flughafen Bern AG (FBAG) die Tatsache, dass sich der gesamte Verwaltungsrat der Wiederwahl gestellt hatte, als wichtiges Signal für den schwierigen Weg in eine prosperierende Zukunft. Dafür sei, so Benjamin Marti , auch die bedingungslose Unterstützung des Flughafens durch die Anliegergemeinden und die Region Bern eine weitere Voraussetzung.

«Es wird weiterhin ab Bern geflogen» – mehr als einmal wurde am Mittwochabend im Belpmoos im Hangar 6 dazu aufgerufen, diese Botschaft durch alle an der Fliegerei Beteiligten intensiv zu verbreiten. Auch wenn es sich beim derzeitigen Angebot nur um saisonale Ferienflüge handle. Der rote Faden, der sich durch die gesamte von Verwaltungsratspräsident Beat Brechbühl geleitete 71. GV zog, war das grosse Loch, welches das Grounding und der Konkurs des einstigen Platzhirschs Skywork Airlines in den Flughafenbetrieb und demzufolge auch in die Kassen der FBAG riss.

In Zahlen liest sich dies wie folgt:
• Rückgang des Erlöses aus Lieferungen und Leistungen um mehr als 2,5 Millionen Franken auf CHF 9,78 Mio.
• Rückgang der Flugbewegungen um 6,2 Prozent auf 44’706.
• Einbruch des Linien- und Charterverkehrs um einen Drittel auf 4004 Flugbewegungen (2017: 5833) und von 168’000 Pax auf 137’000.

Konnte im Vorjahr noch ein Unternehmenserfolg von CHF 43’000 verzeichnet werden, musste für 2018 ein Verlust von beinahe CHF 1 Mio. gemeldet werden. Was die Zukunft des Berner Flughafens betrifft, haben Brechbühl und der ab 1. Juli 2019 als CEO amtende Urs Ryf erneut das Szenario «moderne Mobilitätsplattform» – Verkehr mit Flugzeugen, aber auch mit Drohnen, elektronischen Flugtaxis und selbstfahrenden Autos – skizziert, auf die erhoffte stärkere Beteiligung des Kantons am Aktionariat und die absolute Notwendigkeit der Anbindung von Bern an einen europäischen Hub hingewiesen. «Die Aufgabe, die auf mich wartet, ist eine gewaltige Herausforderung», sagte Urs Ryf zu TRAVEL INSIDE, «und zwei Jahre Zeit, die eigentlich nötig wären, um mit fliegenden Partnern auf dem Belpmoos Erfolge zu erzielen, wird man uns kaum geben.»

Das Modell eines rein privaten Flughafens ohne öffentliche Unterstützung ist gemäss VR-Präsident Brechbühl diskutiert, aber verworfen worden. Die FBAG setze sich mit allen Kräften für den Weiterbestand eines öffentlichen Flughafens ein – was auch von der Berner Kantonsregierung unterstützt werde, wie Regierungspräsident Christoph Ammann als Gastredner betonte.

Verschiedentlich bedankte sich Brechbühl bei der Reisebranche und den drei Charterairlines Helvetic Airways, Peoples Viennaline und Zimex Aviation für die stetige Unterstützung des Bern Airport. Während der Versammlung im dunklen Hangar 6 prasselten heftige Regengüsse auf den Flughafen nieder. Doch just als VR-Präsident Brechbühl die Versammlung schloss, erstrahlte das „Mösli“ wieder in prächtigstem
Sonnenschein – hoffentlich ein gutes Omen! (Hans Rudolf Baumann, Belpmoos)

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