Easyjet: «CO2-Abgabe verteuert nur Flüge, bringt aber nichts»

Easyjet: «CO2-Abgabe verteuert nur Flüge, bringt aber nichts»

Easyjet-Europaboss Thomas Haagensen sieht das CO2-Gesetz als falschen Ansatz und bekämpft dieses vehement.
Easyjet-Europachef Thomas Haagensen bezweifelt den Sinn der CO2-Abgaben. © zVg/Montage: TRAVEL INSIDE

Easyjet-Europachef Thomas Haagensen gibt seinen Bedenken gegen die CO2-Abgaben Ausdruck: «Wir unterstützen das Null-Emissions-Ziel der gesamten Airline-Industrie, welches bis 2050 erreicht werden soll. Allerdings hilft dabei dieses CO2-Gesetz nichts», sagt der gebürtige Genfer in einem Interview mit «Blick».

«Die Flugticketabgabe wird nur Flüge verteuern, aber nichts ändern, denn es werden gleich viele Flugzeuge herumfliegen, einfach mit weniger Passagieren. Diese Abgabe ist damit eine ‹falsche gute Idee›, weil sie eine Bremse ist für Investitionen in die Forschung und in nachhaltige Technologien, die der einzige Weg zur Reduktion fossiler Brennstoffe sind.»

Easyjet bediene als Fluggesellschaft Kurz- und Mittelstrecken in Europa. Für diese Strecken würden in Zukunft vollständig emissionsfreie Flugzeuge mit Elektro- oder Wasserstoffantrieb zur Verfügung stehen. Einzig Langstrecken-Flüge, wo vollständig emissionsfreie Lösungen wie elektrisches Fliegen kurzfristig technisch nicht verfügbar sein werden, würden von den Abgaben in Form der Entwicklung synthetischer Treibstoffe produzieren. Das CO2-Gesetz bestrafe somit Leute mit tiefen Einkommen, und hindere Familien daran, in die Ferien zu fliegen.

«Corona hat Reisen verhindert, Familien konnten ihre Verwandten nicht besuchen, Geschäftsleute ihre Kunden nicht persönlich treffen. Wir stellen einen grossen Nachholbedarf fest. Die Frage ist doch: Wie reduzieren wir den Schaden für die Umwelt? Die Antwort: Durch Investitionen in Technologie. Wir investieren trotz Pandemie in neue Technologien und sparsame Flugzeuge wie den Airbus A320neo. Ab Herbst werden fünf neue Flugzeuge dieses Typs in Basel-Mulhouse und Genf stationiert sein», erläutert Haagensen.

Um das Null-Emissions-Ziel zu erreichen, müsse noch einen Schritt weiter gegangen werden. Airbus verspricht ein Null-Emissions-Flugzeug bis 2035. Dieses soll mit Wasserstoff fliegen. Wright Electric will sein erstes elektrisches Flugzeug sogar schon 2030 auf den Markt bringen.

«Wir wissen noch nicht, ob Easyjet in Basel-Mulhouse künftig unter französischem Recht fliegen wird, sollte das Gesetz angenommen werden. Der Klimawandel ist ein globales Problem, da macht ein nationaler Alleingang wenig Sinn. Das Gesetz würde den Markt in Basel arg verzerren, da im Schweizer Sektor die CO2-Steuer sehr viel höher wäre. Es geht uns darum, aufzuzeigen, dass eine CO₂-Abgabe die Schweiz dem Null-Emissionsziel keinen Schritt näher bringt. Nach der Corona-Krise sind die Airlines knapp bei Kasse, es fehlt das Geld für Investitionen, da ist eine Ticketabgabe, die nur das Fliegen verteuert, sehr kontraproduktiv.»

Touristische Flüge werden sich schneller erholen als Business Travel

«Wir müssen uns um genügend Liquidität kümmern, Dafür haben wir 5,5 Milliarden Pfund aufgetrieben (rund 7 Mrd. Fr). Touristische Flüge werden sich schneller erholen, bei den Geschäftsreisen dauert das noch etwas länger. Die Buchungen in der Schweiz steigen, sind aber stark mit Reisebeschränkungen verknüpft. Wenn diese fallen, dann steigt die Nachfrage rasant. Von April bis Juni rechnen wir in unserem Netzwerk gerade mal mit rund 15 Prozent der Flüge wie vor Corona – und mit einem deutlichen Buchungsanstieg ab Juni. Die Nachfrage ist durchaus da», gibt sich Haagensen für die Zukunft zuversichtlich. (CF)