Erklärung zum Tourismus und Zukunft der Städte

In Porto trafen sich am 9. Juli 2021 die Bürgermeister führender urbaner Tourismusdestinationen um über den Städtetourismus nach der Pandemie zu beraten.
Porto

Die Vertreter*innen der Städte Athen, Braga, Brüssel, Brügge, Budapest, Dubrovnik, Florenz, Madrid, Podgorica, Prag, Rom, Samarkand, São Vicente, Skiathos, Tirana und Venedig sowie Vertreter*innen verschiedener Regierungs- und EU- und UNO-Organisationen, Unternehmen und Branchenvereinigungen hielten fest:

  1. Städtische Gebiete sind Kraftwerke des sozioökonomischen Wachstums, der Demokratie und der Entwicklung und fungieren als Katalysatoren für Integration und Innovation;
  2. Die weltweite Verstädterung hat dazu geführt, dass immer mehr Menschen in Städten leben und sich mit dem städtischen Lebensstil verbunden fühlen, was wiederum dazu geführt hat, dass mehr Menschen auf der Suche nach Vielfalt, interkulturellem Dialog, Innovation und Wissensaustausch Städte besuchen;
  3. Der Städtetourismus ist ein wesentlicher Motor für die sozioökonomische Entwicklung vieler Städte und der sie umgebenden ländlichen Gebiete und trägt wesentlich zur Innovation sowie zur Erhaltung und Förderung der natürlichen und kulturellen Ressourcen bei;
  4. Das Wachstum des Städtetourismus hat Entwicklungschancen, aber auch Herausforderungen für die Städte geschaffen, um die ökologischen und soziokulturellen Auswirkungen und die Beziehung zwischen Besuchern und Gastgemeinden, Mobilität, Sicherheit und Menschenströmen zu managen.
  5. Die Covid-19 -Krise hat den Tourismussektor fast zum Erliegen gebracht, mit besonderen Auswirkungen auf den Städtetourismus und kleine Unternehmen; gleichzeitig haben Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie wie Fernarbeit und die beschleunigte Nutzung von Kommunikationstechnologien tourismusbezogene Trends wie mobiles Leben und Lifestyle-Migration verstärkt.
  6. Die Krise stellt eine Chance für städtische Reiseziele dar, den Tourismus unter den Prinzipien der Inklusivität, Widerstandsfähigkeit und Nachhaltigkeit im Einklang mit den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) und der New Urban Agenda zu überdenken und neu zu gestalten;
  7. Zusammenarbeit und Solidarität zwischen Städten sind heute wichtiger denn je, um die Erholung des Tourismus zu unterstützen und dazu beizutragen, eine langfristige gemeinsame Vision für nachhaltigen Städtetourismus zu schaffen.
  8. Die Prinzipien des Globalen Ethik-Kodex der UNWTO für den Tourismus rufen dazu auf, die Vorteile des Sektors zu maximieren und gleichzeitig seine potenziell negativen Auswirkungen auf die Umwelt, das kulturelle Erbe und die Gesellschaften auf der ganzen Welt zu minimieren.

Sie vereinbarten auf die folgenden Ziele hinzuarbeiten:

  1. Förderung der Aufnahme von nachhaltigem Tourismus in die Agenda für den Aufschwung der Städte als Motor für die Schaffung von Beschäftigung und Wohlstand, interkulturellem Austausch, sozialer Integration und kulturellem Erhalt;
  2. Sicherstellen, dass die städtische Tourismuspolitik mit der New Urban Agenda und der Agenda 2030 abgestimmt ist, insbesondere mit Ziel 11 „Städte und menschliche Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig machen“, wobei die SDGs den Rahmen bilden, um Bewohner, Unternehmen und Besucher in das Kontinuum der nachhaltigen Stadtentwicklung zu integrieren;
  3. Etablierung von Governance-Modellen, die die vollständige Integration und Ausrichtung des Tourismus auf die umfassendere Stadtpolitik für eine inklusive nachhaltige Entwicklung sicherstellen, die sich den Prinzipien verpflichtet, niemanden und keinen Ort zurückzulassen und wachsende räumliche Ungleichheiten zu verhindern;
  4. Förderung der Zusammenarbeit und strategischer Partnerschaftsmechanismen zwischen allen relevanten Akteuren, einschließlich nationaler, regionaler und städtischer Behörden, des Privatsektors, lokaler Gemeinschaften und Besuchern; Förderung lokaler Diskussionen durch die Nutzung von Plattformen für Einwohner, Arbeitsgruppen und lokalen unternehmerischen Ökosystemen, um die Integration lokaler Gemeinschaften in die Planung und Wertschöpfungskette des städtischen Tourismus zu erhöhen.
  5. Förderung der Koordination zwischen nationalen und städtischen Regierungen, um den Städtetourismus besser zu managen, insbesondere in Fragen des Wohnungsbaus, des Schutzes von kleinen und traditionellen Unternehmen und des Managements von Besucherströmen.
  6. Hervorhebung der Bedeutung von Bildung, Ausbildung und Qualifikationsförderung im Tourismussektor, um die sozioökonomische Entwicklung der Gemeinden zu fördern und hochqualifizierte Arbeitskräfte zu schaffen, die die Wettbewerbsfähigkeit des Sektors untermauern und die Arbeitsplätze im Tourismussektor fördern und sichern;
  7. Förderung der Integration und des Austauschs von Big Data und technologischen Entwicklungen in der städtischen Verwaltung, der verbesserten Erfassung und Verwaltung relevanter Daten und des verstärkten Zugangs zu und der Nutzung von digitaler Infrastruktur, wobei evidenzbasierte Entscheidungen über Tragfähigkeit, Mobilität, Diversifizierung, Erhaltung natürlicher und kultureller Ressourcen sowie die Einstellung der Bewohner zum Tourismus mit einbezogen werden;
  8. Investitionen in eine nachhaltige Verkehrs- und Kommunikationsinfrastruktur, um die Mobilität und Konnektivität so zu verbessern, dass Sicherheit, soziale Gerechtigkeit und Zugänglichkeit Vorrang haben und gleichzeitig die Umweltauswirkungen für zukünftige Generationen minimiert werden.
  9. Förderung innovativer Tourismusprodukte und -erlebnisse und Maximierung der Nutzung digitaler Tools und Plattformen, um die Nachfrage zeitlich und räumlich zu diversifizieren, Anreize für längere Aufenthalte zu schaffen, verantwortungsvolles Reisen zu fördern und das Besucherprofil anzuziehen, das zur Vision und Strategie der Stadt für eine nachhaltige Zukunft passt;
  10. Brücken zwischen Städten und ihren ländlichen Gebieten bauen, um gemeinsam die Herausforderungen zu bewältigen, mit denen die Tourismusgemeinschaft konfrontiert ist, und die Synergien der Stadt-Land-Kooperation zu nutzen;
  11. Förderung nachhaltiger Praktiken, die eine effizientere Nutzung von Ressourcen und eine Reduzierung von Emissionen und Abfall im Rahmen der Kreislaufwirtschaft fördern;
  12. Ermutigung aller Akteure der Multi-Level-Governance und aller relevanten Stakeholder des Tourismussektors aus der ganzen Welt, sich gemeinsam für die Entwicklung eines nachhaltigen Städtetourismus und nachhaltiger Städte für alle – Bewohner und Besucher – einzusetzen.
  13. Beschleunigung der doppelten Transformation von Städten in umweltfreundlichere und digitalere urbane Reiseziele und damit in eine größere Widerstandsfähigkeit gegenüber zukünftigen Störungen und Krisen sowie Umsetzung des Konzepts intelligenter städtischer Tourismusziele durch die Integration der fünf Säulen eines „intelligenten Reiseziels“ – Governance, Innovation, Technologie, Zugänglichkeit und Nachhaltigkeit – in ihre Politik und Strategien; und
  14. zum Zweck der Förderung des oben Genannten gemeinsam mit der Welttourismusorganisation (UNWTO) und anderen relevanten Akteuren eine Liga der Städte für nachhaltigen Städtetourismus zu entwickeln.

(MICE-tip)