Barbara Wohlfarth, Reisecocktail
«Ich frage mich momentan immer öfters: Haben wir den Datenschutz und all die verheerenden Hackerangriffe der letzten Zeit in unserer Branche eigentlich komplett vergessen?

Auf der einen Seite treibt mich die Zwei-Faktor-Authentifizierung bei gewissen Airlines total in den Wahnsinn. Wer im Notfall, etwa wenn Kunden im Ausland krank sind und nicht wie geplant zurückfliegen können, schnell handeln will, scheitert an absurden Hürden. Das Callcenter ist plötzlich nicht mehr fähig, Daten regulär zu prüfen, und verlangt als angebliche Sicherheit eine Passkopie per Mail an eine unbekannte Adresse.
Auf der anderen Seite erleben wir die grenzenlose Passdatensammelwut diverser Veranstalter, ganz besonders bei Destinationen wie Asien. Da wird für alles mögliche reflexartig nach Passkopien gerufen. Schliesslich sollen wir für jeden Web-Check-in munter Passkopien hochladen und quasi in ungesicherten Clouds en masse lagern.
Als ob das nicht reichen würde, setzen Visa-Anträge dem Ganzen noch die Krone auf, wenn man plötzlich Auskunft über die Grosseltern geben muss. Höchste Zeit also, dass wir nicht nur in der Wirtschaft, sondern vor allem auch die Behörden in ihrer ausufernden Sammelwut bremsen.
Haben wir denn alle Alarme der letzten Jahre verpasst? Wir lesen fast wöchentlich von massiven Cyberangriffen, Datenlecks und gehackten Systemen. Passkopien und familiäre Stammbäume gehören zu den absolut schützenswertesten Personendaten.
Wer die Dinger trotzdem inflationär einsammelt, ungesichert durch die Gegend mailt oder in dubiosen Clouds bunkert, handelt fahrlässig und lädt Kriminelle geradezu ein.
Mich wundert der Identitätsklau jedenfalls schon lange nicht mehr, wenn wir es Kriminellen auch so einfach machen. Dabei könnten wir es so einfach haben: Name, Vorname plus Geburtsdatum reicht für alles. Es könnte so einfach sein.
Es ist endlich Zeit für globale Datenschutz-Standards für die ganze Branche inkl. Behörden und die Datenkraken müssen nicht mit immer mehr Informationen gefüttert werden. Behandeln wir Datenschutz endlich als das, was es ist: Ein höchstschützenswertes Gut.»








