Feedback: «Das ist kurzsichtig, verlogen und selbstzerstörerisch»

Andy C. Mosetti mit seiner Meinung zur Nein-Empfehlung des Schweizer Tourismus-Verbands.

Andy C. Mosetti, Geschäftsführer Nextsky Travel

Andy Mosetti

«Es ist ein Hohn sondergleichen, wenn der Schweizer Tourismus-Verband (STV) gegen die Nachhaltigkeitsinitiative hetzt. Gerade jener Verband, der vom einzigartigen Schweizer Natur- und Landschaftsimage lebt, tritt für die weitere hemmungslose Überbevölkerung ein. Das ist nicht nur kurzsichtig, das ist verlogen und selbstzerstörerisch.

Der STV jammert über drohenden Fachkräftemangel. Übersetzt heisst das: Man will weiter billige Arbeitskräfte aus dem Ausland importieren, um die Löhne der Schweizer Köche, Hotelangestellten, Bergführer und Bauarbeiter zu drücken und die eigenen Profite zu maximieren. Mit der Herausforderungen durch die Konsolidierungen in der Reisebranche, sind Unmengen Schweizer Fachkräfte auf dem Tourismus-Arbeits-Markt verfügbar.

Die Realität ist brutal: Von 10 Zuwanderern gehen nur etwa die Hälfte einer Erwerbstätigkeit nach. Und von diesen 5 arbeitet nur einer wirklich im Fachkräftebereich. Praktisch 9 weitere Personen belasten die Infrastruktur, ohne den Fachkräftemangel zu lösen, im Gegenteil, sie verschärfen ihn noch.

In den letzten 20 Jahren ist die Schweiz massiv schneller gewachsen als in den 20 Jahren davor. Die Bevölkerung hat sich seit 2004 um über 20 % vermehrt (rund 1,6 Millionen Menschen). Das ist ein völlig anderes Tempo als in den vorherigen Jahrzehnten. Im europäischen Vergleich hat die Schweiz eine der höchsten Nettozuwanderungsraten pro Kopf, deutlich höher als der EU-Durchschnitt und höher als die meisten grossen EU-Länder. Fakten 2004-2024 Deutschland: +2,4 % Schweiz +22% Wachstum.

Die massive Zuwanderung bringt unsere Infrastruktur, Strassen, Züge, Spitäler, Schulen und vor allem aber die Natur, bereits jetzt an den Rand des Zusammenbruchs. Wer will in einer überfüllten, verbauten Schweiz noch unberührte Alpen, klare Seen und ruhige Bergdörfer erleben? Genau das, was den Schweizer Tourismus seit Jahrzehnten ausmacht. Ohne intakte Natur und hohe Lebensqualität wird der Tourismus nicht gerettet, sondern langfristig zerstört.

Die Nachhaltigkeitsinitiative fordert das Selbstverständliche: Eine Bevölkerungsentwicklung, die mit den begrenzten Ressourcen unseres kleinen Landes vereinbar ist. Mehr Natur statt Beton. Bessere Löhne statt Lohndumping. Eine Schweiz, die für ihre Bürger und *anspruchsvolle Gäste* attraktiv bleibt.

Der STV verrät mit seiner Nein-Parole nicht nur die Zukunft des echten Schweizer Tourismus. Er verrät die Schweiz selbst zugunsten kurzfristiger Billigprofit-Interessen. Wer mit kühlem Kopf und nicht mit Grosskonzern Interessen die Fakten anschaut, kann nur am 14. Juni ein JA zur Nachhaltigkeitsinitiative in die Urne einlegen.»

Zur Argumentation des Schweizer Tourismus-Verbands