Feedback: «Die Schweizer Reisebüros sind mir schnurz»

Das Gespräch im Kassensturz zwischen Herrn Walti und Frau Meyer hat TRAVEL INSIDE-Leser Ueli Stocker bewogen, der FDP einen Brief zu schreiben.
Leser-Zuschrift als Feedback.

Ueli Stocker, Geschäftsführer, Reisebüro Tramax AG, Zug

«Grüezi FDP, mit Interesse habe ich im ‚Kassensturz‘ das Gespräch zwischen Beat Walti und Mattea Meyer verfolgt. Ich bin Unternehmer und Mitinhaber eines Reisebüros in Zug. Vor 8 Jahren haben wir mit der Eröffnung von Tramax Travel neun neue Stellen geschaffen. Leider sind es seit Corona nur noch sieben. Wir haben seriös gewirtschaftet, konnten faire Löhne zahlen und haben dem Steueramt einen extrem schönen Batzen überwiesen.

Wir haben viele Krisen überstanden und nie gejammert. Aber Corona hat uns sämtlichen Handlungsspielraum genommen. Unser Kerngeschäft sind Fernreisen nach USA, Kanada, Australien, Safaris in Süd- und Ostafrika, Badeferien auf Bali, Mauritius, Seychellen sowie Kreuzfahrten. Die Grenzen sind geschlossen. Wir haben versucht zu diversifizieren. Europa. Keine Chance. Kaum haben wir eine Reise nach Finnland, Mallorca oder Kroatien ausgeschrieben, kam das Land auf die Liste der Risikoländer des BAG. Zu guter Letzt rief der Bundesrat lauthals ins Land: ‚Verbringen Sie Ihre Ferien in der Schweiz‘.

Nun kommt Herr Walti und rät den Reisebüros, sie müssten sich halt der Situation anpassen. Ich kann Ihnen gerne eine Kostprobe geben. Wir haben es versucht und mit unserem Corona-Ticker Ziele in der Schweiz und Österreich angeboten, obwohl unser Team dafür nicht ausgebildet ist. Wir haben 2 Veloreisen verkauft und ca. CHF 200.00 verdient. Wir zahlen jeden Monat sieben Saläre. Ich weiss, dass Herr Walti gut rechnen kann. Somit erübrigt sich ein weiterer Kommentar…

Gerne erwähne ich ein weiteres Dilemma. Wenn Herr Walti als Rechtsanwalt einen Auftrag erhält, kann er für jede Stunde ein fürstliches Honorar in Rechnung stellen. Egal ob das Projekt je erfolgreich ist. Die Reisebüros haben von Oktober 2019 bis Februar 2020 Hunderte von Aufträgen seriös bearbeitet und tausend Beratungsstunden investiert. Mit viel Wissen und Herzblut. Weil die Reisen nicht möglich sind, geben wir nun fast alles wieder zurück. Auch unsere Marge, auch unseren Verdienst! Das kann sich ein Rechtsanwalt gar nicht vorstellen, stimmt’s?

Nach dem Gespräch musste ich feststellen, dass Herr Walti viel gesagt hat, aber wirklich gemeint hat er nur eines: ‚die Schweizer Reisebüros sind mir schnurz‘. Ich kann nur hoffen, dass dieses Gespräch im Kassensturz nicht die grundsätzliche Haltung der FDP widerspiegelt.»