Feedback: «Es wird lange dauern, das Vertrauen zurückzugewinnen»

Andy C. Mosetti argumentiert, warum Hotelbuchungen abgebrochen werden – und wie man das verhindern könnte.

TRAVEL INSIDE publizierte kürzlich einen Artikel darüber, warum Hotel-Direktbuchungen vor der Bezahlung abgebrochen werden. Eine mögliche Erklärung für den Warenkorbabbruch ist, dass die gewünschte Zahlungsmöglichkeit fehlt.

Andy C. Mosetti argumentiert, dass das Problem ganz woanders liegt:


Andy C. Mosetti

«Das Geheimnis der ‘Warenkorbabbrüche’ verdient eine sehr interessante und intensive Analyse. Es kommt allerdings stark auf die Branche an.

Andy Mosetti

Beim Problem der Warenkorbabbrüche in der Hotellerie liegt die Ursache meines Erachtens weniger bei fehlenden Zahlungsoptionen als vielmehr bei der systematisch intransparenten Preisgestaltung.

Oft, und leider immer häufiger, muss man sich erst durch den gesamten Buchungsprozess kämpfen, um den wirklichen Endpreis zu erfahren. Gerade amerikanische Hotels sind hier die grössten Übeltäter: Resort Fees, Destination Fees, Umweltabgaben und sonstige (teilweise angebliche) obligatorische Gebühren werden erst im allerletzten Schritt im Warenkorb angezeigt.

Während bei impulsiven Warenkäufen die Entscheidung über die Zahlungsart (und ob z.B. 3-D Secure verlangt wird) durchaus einen grossen Einfluss haben kann, wage ich zu bezweifeln, dass dies bei Hotels die entscheidende Ursache ist. BNPL-Dienste sind nichts Neues, praktisch jede Kreditkarte bietet Ratenkauf an.

Ich bin überzeugt: Die Warenkorbabbrüche würden dramatisch zurückgehen, wenn die Hotellerie Branchenweit endlich von Anfang an den echten Endpreis anzeigen würde. Leider sind die Hotels, ähnlich wie die Airlines, an einer einfachen Vergleichbarkeit alles andere als interessiert. Sie verstecken sich hinter billigen ‘Lockvogelpreisen’, die von den Vergleichsportalen aufgenommen werden, und zocken die Gäste am Ende mit Fussnoten ab, oder verschaffen sich damit ein besseres Ranking in der Vergleichstabelle. Das Schlimmste daran: Auch die anständigen, ehrlichen Hotels leiden darunter, weil der Gast heute kaum noch erkennen kann, wer transparent und fair kalkuliert und wer nicht.

Hotels könnten sich viele Warenkorbabbrüche selbst ersparen, wenn sie endlich wieder normales End-Pricing betreiben würden. Leider betrifft das nicht nur einzelne Häuser. Die Gäste sind inzwischen so darauf trainiert, den wahren Preis erst ganz am Schluss zu sehen, dass es lange dauern wird, das Vertrauen zurückzugewinnen. Und dafür müssten wirklich alle mitmachen.

Bis dahin könnten anständige Hotels das vielleicht mit einem Badge wie ‘das ist der echte Total Preis’ oder ähnlichem entschärfen, dass sie weniger Warenkorbabbrüche haben. Aber dann kommen übermorgen sicher die Übeltäter mit einem verwirrend ähnlichen Badge. Ach, wie das doch an die Airline Branche erinnert…»