Feedback: «Fairness für alle, das ist nicht zu viel verlangt»

Auch TRAVEL INSIDE-Leserin Barbara Wohlfarth wünscht sich im Währungsknatsch mit den ausländischen TOs «gleich lange Spiesse» für in- und ausländische Retailer.

Reto Kuratli hat mit seinem Feedback zur Euro/CHF-Fakturierung ausländischer Reiseveranstalter – in seinem Fall Rhomberg Reisen – offenbar einen wunden Punkt getroffen. Nun hat TRAVEL INSIDE diesbezüglich eine weitere Wortmeldung zu dieser scheinbar generellen Problematik erreicht.


Barbara Wohlfarth, Inhaberin Reisecocktail, Dietlikon: 

Barbara Wohlfarth
©TRAVEL INSIDE

«Reto Kuratli bringt ein Problem auf den Tisch, das wir nicht nur mit Rhomberg Reisen haben, sondern auch mit anderen ausländischen Veranstaltern.

Wir kämpfen leider schon seit Längerem mit diesem Thema: Seit dem Wegfall von FTI sind Camper-Buchungen und andere Euro-Produkte für Schweizer Reisebüros deutlich schwieriger geworden. Viele unserer Kundinnen und Kunden kommen mit konkreten Euro-Angeboten von TUI oder Dertouristik zu uns, und genau dort stossen wir in der Schweiz regelmässig auf verschlossene Türen.

Während Schauinslandreisen, ganz wie früher FTI, den Schweizer Reisebüros vorbildlich einen Euro-Agenturcode zur Verfügung stellt, bleibt dieser Schritt bei Kuoni und TUI seit Jahren aus. Uns bleibt in der Realität oft nichts anderes übrig, als über unsere eigene Onlineplattform oder befreundete Reisebüros in Deutschland zu buchen. Das kann langfristig weder im Interesse des Schweizer Handels noch im Interesse der Veranstalter sein.

Dazu kommt: Den deutschen Mutterhäusern spielt es letztlich keine Rolle, ob eine Buchung in Deutschland oder in der Schweiz erfolgt: Umsatz ist Umsatz. Klaro: Wir Schweizer Reisebüros sollen in erster Linie in der Schweiz buchen, und das tun wir auch. Aber genau für jene wenigen, sehr spezifischen Fälle, in denen Kundinnen und Kunden mit gezielten Angeboten aus Deutschland zu uns kommen, braucht es endlich tragfähige Lösungen für den Schweizer Trade.

Wünschenswert wäre, dass Reisebüros diesseits und jenseits der Grenze mit gleich langen Spiessen arbeiten können. In vielen Köpfen ist Deutschland/Österreich noch immer automatisch ‘billiger’ ein Bild, das durch fehlende Euro-Buchungswege für Schweizer Büros unnötig verstärkt wird. Gerade durch den sinkenden Eurokurs wird das erneut zum Problem.

Gleichzeitig werben Onlineplattformen mit ultratiefen EZB-Interbankkursen, was die Situation zusätzlich verzerrt. Als Betreiberin einer eigenen Onlineplattform habe ich versucht, über Konsumentenschutz und Behörden etwas gegen diese gefühlten ‘Fake’-Wechselkurse zu unternehmen, erfolglos. Diese Modelle sind völlig legal, auch wenn sie die effektiven Preisunterschiede viel grösser als in Realität erscheinen lassen.

Ich wünsche mir endlich gleich lange Spiesse für Reisebüros dies- und jenseits der Grenze. Wir brauchen die Möglichkeit, unseren Kundinnen und Kunden offen und transparent die Wahl zu geben: Buchung in der Schweiz in CHF oder, wo es sinnvoll ist, direkt in Euro. So, wie es sich gehört, ohne Umwege, ohne Konstrukte.  
Fairness für alle, das ist nicht zu viel verlangt.»