Feedback: «Frau Wohlfarth hat den Nagel auf den Kopf getroffen»

Dieter Bretscher reagiert auf Barbara Wohlfarth und sieht in den digitalen Registrierungen vieler Ländern ein weiteres Problem.

Barbara Wohlfahrt hat sich kürzlich zu den Schwierigkeiten der Digitalisierung beim Reisen geäussert. Dieter Bretscher hat darauf regiert.


Dieter Bretscher, Gutmann Travel Zürich, Homeoffice Phnom Penh:

Dieter Bretscher ©zvg

«Frau Wohlfarth hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Mit der angenommenen E-ID werden die ganzen digitalen Registrierungen und Anforderungen noch grösser werden.

Nicht nur für das Reisen, wo man bald kein Bahnbillet mehr ohne Namen kaufen kann und man bald im Supermarkt nicht ohne Handy einkaufen kann.

Diese Tech Firmen investieren Milliarden, um Fingerabdrücke, Iriskontrollen, biometrische Fotos an den Flughäfen einzuführen. Ja, alles soll digital, respektive papierlos, gehen. Als Vorreiter wird der neu geplante Flughafen in Dubai vorgestellt, wo keine Tickets respektive Pässe mehr gebraucht werden.

Der eigentliche Grund dieser visafreien Länder, welche eine digitale Registrierung verlangen, ist die totale Überwachung. Das ist heute schon Realität in Thailand und in anderen Ländern der Fall, wo Touristen von der Einreise bis zur Ausreise überwacht werden können. In Thailand wollte man ein digitales Armband schon vor ein paar Jahren allen Touristen verpassen, um sie zu kontrollieren.

Das ist aber auf Ablehnung gestossen, weil es zu offensichtlich war. Seither hat die Technologie Fortschritte gemacht und die Überwachung hat sich perfektioniert. Bei der Einreise lässt man die Fingerabdrücke und die Iris und die lückenlose Überwachung ist perfekt. Es ist noch nicht überall so, aber der digitale Fortschritt, respektive die Überwachung, ist leider nicht mehr aufzuhalten.

Der Gipfel ist die kostenpflichtige Registrierung für England. Dies kann man nur mit der «UK ETA APP» machen. Wer ein älteres Android-Handy hat, hat das Nachsehen und kann diese App gar nicht laden. Die offizielle Webseite schreibt, dass man in einem solchen Fall auch das Handy von einem Familienmitglied oder von einem Freund benützen soll, und dies, obwohl man eine Bezahlung mit dem Handy tätigen muss.

Nicht nur Touristen sollen (kostenpflichtig) überwacht werden, sondern auch die ganze Bevölkerung. In Grossbritannien regt sich ein massiver Widerstand gegen die geplante Einführung digitaler ID. Nur die Schweiz befürwortet die E-Id. Am letzten Samstag marschierten Tausende Menschen durch die Strassen Londons und protestierten lautstark gegen die Pläne der Regierung. «Wir sagen Nein zur digitalen ID», riefen die Demonstranten.

Premierminister Keir Starmer kündigte an, bis 2029 ein digitales ID-System einzuführen, das für alle in Grossbritannien arbeitenden Personen verpflichtend sein soll. Der Vorwand: Starmer behauptet, diese totale Überwachung diene der Bekämpfung illegaler Migration.

Leider glaube ich nicht, dass das Reisen einfacher und unkomplizierter wird. Auf einer kürzlichen viertägigen Kreuzfahrt Singapur-Penang-Phuket-Singapur mussten sich alle 5000 Passagiere für alle drei Länder viermal innerhalb von 72 Stunden vor der jeweiligen Ankunft digital registrieren:

  1. Singapore: https://eservices.ica.gov.sg/sgarrivalcard/

Stay up to 90 days

  1. Malaysia & East Malaysia: https://imigresen-online.imi.gov.my/mdac/main

Stay up to 90 days

  1. Thailand: https://tdac.immigration.go.th/arrival-card/#/home

Stay up to 60 days

  1. Singapore: https://eservices.ica.gov.sg/sgarrivalcard/

Stay up to 90 days

Kann es wirklich eine Vereinfachung, eine Entdigitalisierung der Reisen wieder geben? Ich bezweifle es leider.»