Feedback: «Schluss mit den Schlupflöchern, SRV»

TRAVEL INSIDE-Leserin Barbara Wohlfarth fordert zur SRV-GV eine konsequente Umsetzung der Statuten.

Die Inhaberin von Reisecocktail und SRV-Mitglied Barbara Wohlfarth hat für die kommende Generalversammlung des Branchenverbandes fristgerecht einen Antrag eingereicht, welchen sie gegenüber TRAVEL INSIDE wie folgt erläutert.


Barbara Wohlfarth, Reisecocktail:

Barbara Wohlfarth

«Schluss mit Schlupflöchern: Die Statuten des Schweizer Reiseverbands (SRV) gelten für alle, oder sie sind wertlos.

Auf dem Papier ist der SRV eindeutig, denn Art. 6.1.3 der SRV-Statuten verpflichtet Aktivmitglieder, die als Reiseveranstalter tätig sind, ausschliesslich Reisebüros mit gesetzmässiger Kundengeldabsicherung zu beliefern.

Die Realität ist leider ein offenes Geheimnis, weil viele Veranstalter, Consolidators und B2B-Plattformen immer wieder Vertriebspartner, Vermittler oder neue Geschäftsmodelle beliefern, ohne dass eine nachvoll-reachable Kundengeldabsicherung vorliegt.

Da wird das Gesetz mit formalen Tricks, getrennten Flugbuchungen oder angeblichem Direktinkasso umgangen, während sich die Veranstalter mit der Ausrede herausreden, sie verkauften ja nur Einzelleistungen.

Das Resultat ist eine massive Wettbewerbsverzerrung. Die gesetzstreuen Reisebüros zahlen brav für ihre Absicherung, tragen die administrativen Pflichten und halten den Kopf hin, während sich nicht abgesicherte Marktteilnehmer diese Kosten sparen und trotzdem vollen Zugriff auf die B2B-Kanäle der Branche erhalten.

Vergessen wir nicht: An der SRV-GV 2024 wurde ganz offiziell bekannt gegeben, dass rund 40 % der Reisebüros in der Schweiz über keine Kundengeldabsicherung verfügen. Wer damals wie ich im Saal sass, weiss, dass dies kein kleines Randproblem ist, sondern fast die Hälfte des Marktes betrifft.

Darum ist dieser Antrag so entscheidend für alle seriös arbeitenden Reisebüros, denn der SRV muss seine eigenen Statuten endlich durchsetzen, da er sonst die Mitgliedschaft genau derer entwertet, die sich an die Regeln halten.

Deshalb habe ich für die SRV-Generalversammlung am 26. Oktober 2026 in El Gouna einen offiziellen Mitgliederantrag eingereicht, der die konsequente Durchsetzung von Art. 6.1.3 fordert, damit der Vorstand die Statuten einheitlich, kontrollierbar und ohne Ausnahmen vollziehen lässt.

Fällt die Kundengeldabsicherung weg oder wird sie nicht lückenlos nachgewiesen, muss ein klarer Lieferstopp greifen und die B2B-Belieferung unverzüglich eingestellt werden.

Mit Blick auf die wirtschaftliche Realität darf die Pflicht zur Absicherung nicht mehr durch formale Vertragsgestaltungen, getrennte Ticketierung oder gewählte Angebotsbezeichnungen umgangen werden.

Bei Missachtung verlangen wir ein statutarisches Vorgehen: Der Vorstand hat nach Art. 11.1.5 mit einer schriftlichen Ermahnung vorzugehen und bei Wiederholung ein Ausschlussverfahren nach Art. 11 einzuleiten.

Die geforderte Kontrolle ist absolut zumutbar, da ein einfacher, regelmässiger Abgleich mit den Verzeichnissen der anerkannten Absicherungseinrichtungen vollkommen ausreicht.

Statuten sind kein unverbindlicher Orientierungsrahmen, sondern die Geschäftsgrundlage unseres Verbands, und gerade jetzt, wo neue Marktteilnehmer wie die ganzen Influencer-Formate in die Branche drängen, ist es wichtiger denn je, dass wir uns treu bleiben und der SRV genau dafür bei seinen Mitgliedern einsteht. 

Hintergrund & Argumente für die anstehende Diskussion (welche die Brisanz des Antrags aufzeigen) 
  • Wenn der Vorstand / die GV zustimmt: Der Verband muss endlich kontrollieren und den eigenen Veranstaltern auf die Finger schauen, die ungesicherte Kanäle beliefern. Bei 40 % Reisebüros ohne Kundengeldabsicherung wird das richtig rascheln im Karton.
  • Wenn Vorstand oder GV ablehnen: Der Verband sagt damit offiziell: “Die Einhaltung des Pauschalreisegesetzes und der Kundengeldabsicherung bei unseren Vertriebspartnern ist uns völlig egal.” Damit hebelt der Verband sein eigenes Lobbying fürs PRG in Bern als reine Show aus.
  • Das VFR-Geschäft (Ethnic Market): Dass ein grosser Teil der 40 % ungesicherten Büros auf das VFR-Segment fällt (Visit Friends & Relatives, also die Ethno-, Balkan- und Türkei-Spezialisten), ist in der Branche ein offenes Geheimnis. Sie buchen riesige Flugvolumina über Ticket-Consolidators und argumentieren formal, sie vermittelten «nur Flug» oder ‘Einzelleistungen im Auftrag’ direkt über Kreditkarte. Sobald aber am Counter ein Baustein dazukommt, sind wir voll im PRG, nur ist absolut nichts abgesichert!
  • Dass es anders geht, beweist ein grosser deutscher TO aktiv auf dem Schweizer Markt: Er hat in der Schweiz bereits konsequent alle Reisebüros ohne Kundengeldabsicherung rausgeworfen und akzeptiert auch Direktinkasso nur noch in echter Form.»
>> Wohlfarth Antrag im Wortlaut