Feedback: «Thailand soll Asiens bestes Ruhestandsziel sein?»

Dieter Bretscher kritisiert die Thailand-Berichterstattung – und wie deren Verfasser Pierre Rothschild darauf reagiert.

TRAVEL INSIDE publizierte kürzlich zwei Artikel über Thailand (HIER und HIER), verfasst von Pierre Rothschild, welcher seit vier Jahren in Pattaya, Thailand, wohnhaft ist. Die Artikel besprechen Thailands Tourismusstrategie und die Beliebtheit der Destination unter Rentner*innen.

Dieter Bretscher, der von Phnom Penh (Kambodscha) aus bei Gutmann Travel arbeitet, kritisiert die Perspektive und das Bild von Thailand, das durch die Artikel vermittelt wird. In seinem Leserbrief findet er klare Worte.

TRAVEL INSIDE hat den Autor Pierre Rothschild vorgängig mit den Aussagen von Dieter Brescher konfrontiert – lesen Sie nachfolgend Bretschers Kritikpunkte, und die Antwort von Rothschild.


Dieter Bretscher, Homeoffice Gutmann Travel, Phnom Penh:

«Ich komme zurück auf Ihre Publikation vom 3. Juli und möchte diesen Lobgesang auf Thailand als Ruhestandsziel etwas mit der Realität von Rentnern vergleichen. Ich wohne seit 27 Jahren in Kambodscha, habe Thailand sehr oft bereist und kenne viele Freunde und Bekannte, die in Thailand leben.

Dieter Bretscher, wohnhaft seit 1999 in Kambodscha

Zuerst möchte ich fragen wer den Artikel von Pierre Rothschild bezahlt hat, und was ihn motiviert hatte ihn zu schreiben? Das TAT (Tourist Office und Ministerium) ist die einzige Organisation der Regierung, die den Tourismus in Thailand unterstützt. Solche PR-Artikel füllen die westlichen Zeitungen, so auch den Artikel im US-Magazin International Living, periodisch, mit der Hoffnung, Touristen und ausländische Rentner anzuziehen.

Thailand hat schon seit einigen Jahren Probleme, da die Anzahl der Touristen rückläufig ist und konstant unter dem Jahresbudget der Regierung liegt. Eigentlich will die Mehrheit der thailändischen Wirtschaft und der Regierung (ohne Tourismus und Hotellerie) keine Farangs. Farang ist der abschätzige Übername für Ausländer. Der Wunsch war schon jahrelang, ‘reiche’ Farangs im Hochpreissegment mit VIP-Visum anzuziehen und weniger ‘arme’ Rentner.

Dazu ist gerade ein 2. Artikel von Pierre Rothschild publiziert worden: Thailand ändert Tourismusstrategie. PR-Artikel ohne Ende und Lügengeschichten. Thailand versucht so mehr reiche Touristen anzuziehen. Was wird den Reichen dann wirklich geboten? Nichts hat sich in den letzten Jahren geändert und nichts wird sich ändern.

Kommen wir aber nochmals auf die Rentner zurück:

Lebenskosten

Diese sind in den letzten Jahren in Singapur, Kambodscha, Indonesien und Malaysia tüchtig gestiegen. In Thailand wurden zusätzlich fast jährlich neue Touristentaxen eingeführt. Ein Tourist hat 21% Steuern auf Hotelaufenthalte zu zahlen, und die Mehrwertsteuer für Lebensmittel und Restaurantbesuche wurde über Jahre erhöht.

Das Budget für eine warme Mahlzeit, welche im Restaurant gegessen wird, hat über die Jahre von THB200 auf THB600 verdreifacht. Natürlich kann sich ein Schweizer Rentner günstig ernähren, wenn er Thai Food auf der Strasse oder im Supermarkt isst, oder zu Hause kocht. Möchte er westlich essen, erhöht sich sein Budget deutlich. Der Thai Bath ist traditionell eine starke Währung auch für den Schweizer Franken geblieben.

In Südostasien gibt es immer noch drei günstige Länder, in denen man wohnen oder Ferien machen kann: China, die Philippinen und Vietnam. Gute Infrastruktur für Rentner gibt es praktisch überall in Asien.

Visum

Um ein Jahresvisum in Thailand zu beantragen, muss jeder Ausländer jährlich zwei Schuhschachteln voller Papiere und Dokumente einreichen. Oft ist eine Krankenkasse/Reiseversicherung für Thailand obligatorisch. Da muss man sehr vorsichtig sein, weil diese asiatischen Versicherungen im Notfall nicht zahlen und für ältere Rentner ab 70 Jahren sehr teuer werden.

Es ist auch nötig, eine zinslose Kaution von THB800000 pro Person für den Visumantrag zu bezahlen. Bleibt ein Ausländer länger als ein halbes Jahr, sind neuerdings persönliche Steuern zu entrichten.

Ein Farang muss jede drei Monate persönlich bei der Immigration vorstellig werden. Auch wenn der Farang schon seit 20 Jahren und länger in Thailand wohnt.

In Kambodscha ist es einfach, ein Jahresvisum ohne Papierkrieg zu bekommen, das knappe $300 kostet.

Überwachung

Die westlichen Medien schimpfen periodisch über die Überwachung der Bevölkerung in China. In Thailand wir jedoch jeder Ausländer lückenlos überwacht. Und zwar von der Einreise, wo Iris und biometrische Daten genommen werden, bis zur Ausreise.

Seit Covid wollte die thailändische Regierung den Touristen einen Tracker (ein intelligentes Armband) verpassen, was damals nicht gut angekommen war. Heutzutage geht die Überwachung schmerzlos mit der neuen Technik und den zahlreichen intelligenten Kameras.

Grenzkonflikte

Leider ist Thailand kein lieber Nachbar. An der Grenze zu Malaysia tobt bereits seit Jahrzehnten ein Krieg. Dort ist es ein Religionskonflikt. Das Gleiche gilt für die Grenze zu Myanmar, wo es um Drogen und Scams geht.

Vor knapp zwei Jahren versuchten Thai-Militärs in Kambodscha einzumarschieren. Der Plan war, in fünf Tagen in Phnom Penh zu sein und Kambodscha zwischen Thailand und Vietnam aufzuteilen. Und alle grenznahen Tempel einzuverleiben.

Es wurden grenznahe Tempel, unter anderem auch das UNESCO-Welterbe Preah Vihear, bombardiert und eine Million Einwohner wurden an der 600 km langen Grenze aus den grenznahen Dörfern vertrieben. Es wurde ebenfalls eine Insel im Golf von Thailand, wo es Ölreserven gibt, einfach besetzt.

Kambodscha versucht defensiv zu bleiben. Trotzdem sind die Landgrenzen zu Thailand geschlossen. Verschiedene Friedensverhandlungen, welche vom ASEAN-Präsidenten von Malaysia vermittelt wurden, scheiterten, weil die Thais zu keinen Friedensverhandlungen bereit waren.

Malaysia wurde gewarnt, keine Friedensverhandlungen mehr zu führen. Es wurden deshalb zwei Touristen aus Malaysia in Bangkok mit Benzin übergossen. Über diese Grenzkonflikte schweigen sowohl die Thailändische Tourismusbehörde (TAT) als auch die thailändische Presse, die das eigene Volk belügt und behauptet, Kambodscha habe den Krieg begonnen, was nicht stimmt.» 


Die Antwort von Pierre Rothschild, Pattaya: 

«Mit Interesse habe ich den Leserbrief gelesen und das Thema ist nicht neu. Für viele ist Thailand nicht mehr das Paradies, das es einst war.

Pierre Rothschild lebt seit vier Jahren in Pattaya, Thailand. ©zVg

Die einheimische Währung ist stark und die ausländischen Währungen haben oft an Wert verloren.

Nicht der Schweizer Franken. Die Diskussion in ein anderes Land in der Gegend zu ziehen, hört man jeden Tag aber man darf nicht vergessen, dass ausser in Thailand die medizinische Versorgung sehr fragwürdig ist, ausser in Luxusspitälern in Vietnam.

Wer wirklich in Thailand nicht mehr glücklich ist, findet vielleicht in den Philippinen eine neue Heimat, aber auch dort ist es nicht billig, wenn man einen westlichen Lebensstandard wünscht.

Natürlich bezahlt niemand unsere Beiträge, sondern es sind die offiziellen Stimmen der Regierung, die einen Kurswechsel in den Thailand ankündigen.

Thailand, ein Land mit einem immer grösser werdenden Mittelstand, hat Probleme mit vielen Touristen, die sich nicht an die Gesetze halten und möchte hier Ordnung schaffen. Ausländer sind sehr willkommen, aber, da muss man ehrlich sein, immer mehr möchte man wohlhabende Gäste.»