Feedback: «Wenn Digitalisierung zum Hindernis wird»

TRAVEL INSIDE-Leserin Barbara Wohlfarth äussert sich zu den Schwierigkeiten der Digitalisierung, vor allem für Familien, ältere Menschen oder Reisende ohne High-End-Geräte.
Barbara Wohlfarth
©TRAVEL INSIDE

Barbara Wohlfarth, Reisecocktail

«Digitalisierung soll das Reisen einfacher machen. In der Realität wird sie für viele zur Hürde, selbst für erfahrene Reisende.

Ein Beispiel: Meine Eltern, beide um die 80, sind seit Jahrzehnten weltweit unterwegs. Doch beim Online-Visum für Indien scheiterten sie beinahe, nicht am Willen, sondern an der Umsetzung.

Endlose Eingabefelder, Fragen zu den Eltern (die seit über 40 Jahren verstorben sind) und technische Stolpersteine, die man nur mit viel Geduld überwindet. Dazu kommen Einreiseformulare, die maximal 72 Stunden vor Abflug ausgefüllt werden dürfen. Wer länger unterwegs ist, weiss, wie unzuverlässig WLANs sein können, und wie schwierig es für ältere Menschen ist, solche Formulare am Smartphone auszufüllen. Was soll das?

Oder meine Tochter: Sie möchte in den Herbstferien nach London reisen. Als Reiseprofi wollte ich das ETA vor der Buchung beantragen, doch das ging nicht. Da sie nicht bei mir war, konnte ich den Antrag erst bei ihrer Rückkehr ausfüllen. Realität 2025: Viele Kinder leben zeitweise bei anderen Personen, haben den Pass nicht bei sich. Selbst das Reisebüro kann kaum noch helfen bei den Anträgen.

Auch am Flughafen Zürich zeigt sich, wie schmal der Grat zwischen Fortschritt und Frust geworden ist. Boardingpässe ausdrucken? Nur noch am Schalter. Ohne Smartphone kein Check-in. Gleichzeitig werden Powerbanks limitiert, Akkus schwächeln, WLAN fällt aus, und Kinder sollten eigentlich gar kein Handy besitzen. Trotzdem erwartet man, dass jede Bordkarte digital vorliegt. Wie soll das funktionieren?

Die Tourismusbranche spricht gerne von ‘digitalem Fortschritt’. Doch Fortschritt für wen? Für technikaffine Vielflieger vielleicht, aber sicher nicht für Familien, ältere Menschen oder Reisende ohne High-End-Geräte. Wenn Digitalisierung dazu führt, dass Menschen ausgeschlossen oder schlicht überfordert werden, läuft etwas gewaltig schief.

Ich erinnere mich an die frühen 2000er-Jahre: Mit einer EC-Karte ohne Fremdgebühren reiste ich spontan nach Bali. Das Visum gab es unkompliziert mit einem Formular auf der Botschaft. Keine Gesundheitsnachweise, keine Zollerklärungen, keine monatelang vorausgebuchten Eintrittstickets. Man konnte einfach losreisen.

Reisen sollte Brücken bauen, keine Hürden errichten. Immer häufiger frage ich mich: Wann wird Reisen endlich wieder einfach?»