Feedback: «Wenn Macht wichtiger ist als Wandel»

Branchen-Insiderin Barbara Wohlfarth äussert ihre Gedanken zur Wiederwahl von André Lüthi an der bevorstehenden GV des SRV.

Barbara Wohlfarth, Reisecocktail

Barbara Wohlfarth
©TRAVEL INSIDE

«Demnächst geht es mit dem SRV nach Strasbourg. Eine Reise, die, wie so oft, im Zeichen des ‘Wandels’ steht.

Nur frage ich mich: welcher Wandel eigentlich? Wie soll Veränderung funktionieren, wenn einzelne Vorstandsmitglieder ihre Macht nicht loslassen können und niemand im Vorstand den Mut hat zu sagen: ‘Es wäre Zeit, Platz zu machen.’

Ich bin absolut für Arbeiten über das AHV-Alter hinaus. Unsere Branche lebt von Erfahrung, Leidenschaft und Menschen, die sich engagieren. Aber bei einem Vorstandsamt sehe ich das anders. Hier geht es um Vorbildfunktion, Glaubwürdigkeit und echte Erneuerung.

Müssen wir ein Vorstandsmitglied wiederwählen, das bereits im AHV-Alter ist und über 25 Jahre im SRV-Vorstand sitzt? Mein Antrag zur Amtszeitbegrenzung wurde letztes Jahr in Madeira abgelehnt, obwohl in der TRAVEL INSIDE Umfrage über 50% der Teilnehmenden dafür gestimmt haben.

Die Begründung lautet immer: ‘Im Ressort Politik braucht es Kontinuität.’ Ja, aber auch in der Politik werden Menschen ersetzt. Rücktritte sind normal, Übergaben Routine. Warum geht das im SRV nicht?

Andere schaffen es ja auch: Roger Geissberger zum Beispiel. Er zieht sich Schritt für Schritt zurück, übergibt Verantwortung, bleibt aber mit Rat und Erfahrung präsent. Das ist echte Stärke.

Wir müssen aufhören, Macht als Besitz zu sehen. Wandel funktioniert nur, wenn man sie abgeben kann. Wir brauchen im Tourismus nicht nur Förderprogramme für Nachwuchs, sondern auch Konzepte für den respektvollen Ausstieg erfahrener Führungskräfte. Nicht um sie loszuwerden, sondern um Platz für Neues zu schaffen.

Ich bin ein grosser Fan von Arbeiten über 65. Aber wenn es um Vorstandsämter und Machtpositionen geht, muss man seine Grenzen kennen und den Mut haben, loszulassen.
Zeigt die Branche nächste Woche den Mut oder wird diese Vorstandswahl einfach durchgewunken? Ich habe da meine grossen Zweifel.

Übrigens: das Ressort Digitalisierung und die Wahl von Deniz Ugur sind aus meiner Sicht längst überfällig und absolut unterstützenswert.»