Garantiefonds lanciert ‘Gamechanger’ für kleine Reisebüros

Die finanzielle Einstiegshürde für Kleinunternehmen mit jährlich unter 2 Mio. Umsatz wird endlich reduziert.
Marco Amos, Garantiefonds ©Remy Steiner

Der Garantiefonds der Schweizer Reisebranche lanciert mit dem ‘Einstiegsmodell für Kleinunternehmen’ endlich eine neue Zusatzvereinbarung.

Diese erleichtert Start-ups und kleineren Reisebüros mit geringem Umsatz den «Zugang zum Garantiefonds, ohne dessen Grundprinzipien, Verlässlichkeit und Sicherheit zu beeinträchtigen», wie der Garantiefonds mitteilt.

Mit dieser neuen Zusatzvereinbarung reduziert der Garantiefonds die finanzielle Beitrittshürde für Start-ups und Kleinunternehmen. Damit stärkt der Garantiefonds seine Positionierung als zukunftsorientierte und branchenfreundliche Institution, die aktiv die Entwicklung der Schweizer Reisebranche unterstützt.

Gestaffelte Ratenzahlungen mit jährlichem ‘Penalty’ von 1150 Franken

Die Mindestgarantie beträgt derzeit 50’000 Franken. Neu gilt eine gestaffelte Ratenzahlung, statt die gesamte Summe auf einmal zu hinterlegen, zahlen Teilnehmende jährlich 11’500 Franken über einen Zeitraum von maximal fünf Jahren.

Davon werden 10’000 Franken der Garantiesumme gutgeschrieben, Nach fünf Jahren ist die volle Sicherheitssumme von 50’000 Franken erreicht. Die zusätzlichen und jährlich zu bezahlenden 1500 Franken fliessen als Risikobeitrag in eine separate Rückstellung.

Dieser Beitrag von 7500 Franken nach fünf Jahren ermögliche es dem Garantiefonds, das Risiko intern abzusichern und die hohen Standards des Gütesiegels aufrechtzuerhalten. Dadurch wird die Teilnahme am Garantiefonds auch für kleinere Anbieter realistisch — und dies bei gleichbleibender Sicherheit für Konsumentinnen und Konsumenten.

«Die Option gilt nur für neue Teilnehmer, deren jährlicher Umsatz unter 2 Mio. Franken liegt, die vom Garantiefonds in die Stufe der Mindestgarantie von 50’000 Franken eingeordnet wurden und die noch nicht Mitglied des Garantiefonds sind», so Geschäftsführer Marco Amos mit. Eine rückwirkende Anwendung für bestehende Mitglieder sei nicht möglich.

«Viele Kleinunternehmen stehen bei ihrem Markteintritt vor hohen finanziellen Herausforderungen und benötigen das Kapital für den Aufbau ihres Geschäfts. Mit dem neuen Einstiegsmodell tragen wir der wirtschaftlichen Realität vieler Start-ups sowie Kleinunternehmen Rechnung und schaffen faire Voraussetzungen», sagt Marco Amos.

Unverändert gültig bleiben und vollständig einzuhalten sind auch in Zukunft die allgemeinen Eintritts- und Bonitätskriterien des Haupt-Teilnahmevertrags. Marco Amos: «Der Garantiefonds steht weiterhin für höchste Sicherheit und Vertrauen in der Schweizer Reisebranche. Mit der neuen Lösung bleiben wir dem Qualitätsanspruch treu, während wir gleichzeitig die Entwicklung der Schweizer Reisebranche aktiv unterstützen. Wir wollen Start-ups und Kleinunternehmen ermutigen, dem Garantiefonds beizutreten und so die gesetzlichen Anforderungen des Pauschalreisegesetzes einzuhalten.»

Die Schweizer Reisebranche dürfte positiv auf das neue Einstiegsmodell reagieren und damit auch Nachfolge-Lösungen und Neueintritte erleichtern. Bislang traten viele kleinere Firmen oft anderen Reisegarantien mit Kundengeldabsicherung bei.

Von der tieferen Einstiegshürde bereits profitiert hat, gemäss Mitteilung des Garantiefonds, die Munga Expeditions SA. Deren Gründer Thierry Nyfeler wird wie folgt zitiert: «Die Mindestgarantie von 50’000 Franken war für uns als junges Unternehmen eine enorme finanzielle Hürde. Das neue Einstiegsmodell ermöglicht uns, die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen und gleichzeitig die für die Entwicklung unserer Geschäftstätigkeit notwendigen Mittel zu schützen. Zudem können wir dank des Garantiefonds-Siegels sofort mit der erforderlichen Glaubwürdigkeit und Sicherheit am Markt auftreten. Das ist die perfekte Kombination aus Flexibilität und Vertrauen.» (TI)


Der Garantiefonds der Schweizer Reisebranche

Seit 1994 gewährleistet der Garantiefonds der Schweizer Reisebranche als unabhängige und im Handelsregister eingetragene Stiftung den Schutz von Kundengeldern bei Pauschalreisen.

Der Stiftungsrat umfasst elf Mitglieder und setzt sich aus Vertretern von verschiedenen Reiseunternehmen aus dem ganzen Land sowie einem Rechtsberater zusammen. Derzeit sind 400 Reiseveranstalter und Reisevermittler mit insgesamt fast 900 Filialen und Brands aus der Schweiz und Liechtenstein dem Garantiefonds angeschlossen.

Alle Teilnehmer erfüllen die von der Stiftung festgelegten Anforderungen in Bezug auf Fachkompetenz, Seriosität sowie Solvenz und unterstehen einer regelmässigen Kontrolle. Seit seiner Gründung hat der Garantiefonds der Schweizer Reisebranche bereits mehr als 20 Mio. Franken aufgewendet, um knapp 28’000 von Konkursfällen betroffene Konsumentinnen und Konsumenten zu unterstützen.