Gastkommentar: «Business Travel Schweiz – der Relaunch»

Wie geht es mit dem Geschäftsreise-Markt Schweiz weiter? Der ausgewiesene Kenner und STMF-Fachbeirat Willy Schnyder plädiert für eine aktive Interessen-Gemeinschaft.

Die Folgen der Covid-19 Pandemie sind weder in der Schweizer noch in der internationalen Wirtschaft absehbar. In der Tat kämpfen viele Unternehmen, u.a. auch Reisebüros, Reiseveranstalter, Geschäftsreisespezialisten oder Event-Agenturen aber auch deren Kunden um ihre Existenz. Ein Zustand den man sich vor einem Jahr nicht hätte erträumen können!

Heute implementiert die Geschäftsreisebranche selber die Optimierungsmöglichkeiten, die sie während Jahren ihren Kunden verkauft hat: Einsparungen, Prozessoptimierungen, technologische und digitale Weiterentwicklungen sind Bestandteil des Geschäftsreise-Vokabulars.

Auch diese Krise wird wieder vorüber gehen. Die Karten werden neu verteilt. Aber jede Krise schafft auch Chancen, wenn man trotz Sparmodus an eine neue Zukunft glaubt und diese auch antizipiert. Es braucht Visionen und neue Strategien. Auch im Bereich des Geschäftsreisesegments der Schweiz.

Wo sind denn nur die Spezialisten dieser Branche geblieben? Im SRV werden ihre Interessen nicht direkt vertreten. Eine neue Organisation (Association of Swiss Travel Management) hat sich im Jahre 2019 zaghaft in der Westschweiz etabliert. In der Deutschschweiz und im Tessin orientiert man sich in Richtung Deutschland (VDR) oder Österreich (ABTA) und international zu GBTA.

Es ist an der Zeit, dass die Spezialisten des Business Travel in der Schweiz ihre Interessen bündeln und ausbauen. Die jetzige Krise zeigt einmal mehr, dass man nicht in Regionen, konkurrierenden Verbänden und Interessengemeinschaften geschweige denn in Sprachen denken darf. Das hatten wir doch schon im Bereich der Touristik?

Es fehlt in der Schweiz an einer übergreifenden Interessen-Gemeinschaft für das Business Travel Segment, wo sich die Spezialisten der Branche, vor allem die Travel Manager, als ein Netzwerk mit Visionen verstehen, Konferenzen und Diskussionsplattformen organisieren, regelmässigen Austausch suchen und Ihr Berufsbild, das des Travel Managers ausbauen und unterstützen. Auch wenn die Schweiz kein Mitglied der EU ist, ist es wichtig eine Stimme auf dem europäischen und internationalen Parkett zu haben. Dies ist heute nicht der Fall. Und wenn morgen sich die europäischen Verbände in Europa verbünden, ist die Schweiz aussen vor.

Durch das Verschwinden von ACTE im Sommer 2020 ist eine weitere Lücke entstanden, die zurzeit nicht geschlossen wurde. Viele Themen haben keine Plattform mehr, die in der Schweiz besprochen werden sollten: professionelles Mobility- und Travel Management, Fürsorgepflicht für Reisende, Sicherheit, nachhaltiges Reisen, Datenschutz, Innovation, Prozessoptimierung, Beziehungsmanagement mit Dienstleistern der Geschäftsreisebranche, um nur einige zu nennen.

Wo sind die Think Tanks, die Netzwerke, die Foren, die es braucht, um dieser Branche neue Impulse für die Zukunft, trotz der heutigen Krise zu geben? Wer koordiniert, organisiert und entwickelt diese (nicht vorhandene) Interessengemeinschaft?

Jede Krise hat eines gemeinsam: Danach ist es anders als zuvor! Denkweisen und Handlungen werden sich nachhaltig ändern und das alte Verhalten und Vorgehen wird aus neuen Blickwinkeln betrachtet oder gar durch neue Muster ersetzt. Das sehe ich als echte Chance, diesen Blickwinkel für eine Branche mitzugestalten, um den Wandel nach dieser Pandemie auch zu antizipieren. Es wird sich zeigen, inwieweit die Transformation mitgestaltet wurde oder ob man auf dem Beifahrersitz der Krise sitzt oder sass.

Krisen schaffen Chancen. Und wie der VDR-Präsident, Christoph Carnier im August 2020 gesagt hat: «Geschäftsreisen dienen einem unternehmerischen Zweck und sind eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Auch die persönliche Verständigung zwischen den Menschen und Unternehmen wird wichtig bleiben und ist nicht dauerhaft durch rein virtuelle
Kommunikationsinstrumente zu ersetzen». Aber eben, wie?

Am Beispiel des VDR hat dieser seine letzte Tagung mit 250 Teilnehmer im November 2020 digital organisiert. Ein Meilenstein. Diese Chance wurde echt gut genutzt.

Deshalb bin ich überzeugt, dass sich in der Schweiz diese Interessen bündeln müssen, auch wenn es regionale und sprachliche Barrieren gibt. Die Zeit ist reif und der Moment der Richtige.

«By failing to prepare, you are preparing to fail.» (Benjamin Franklin)

Ich wünsche viel Weitsicht und Elan für das Jahr 2021

(Willy Schnyder)