
Die ersten Folgen der Hotelplan-Übernahme durch Dertour sind für die Westschweiz äusserst positiv und werden als zentrale Säule der zukünftigen Strategie betrachtet.
Es bedurfte keiner grossen Vorhersagekunst, um das Verschwinden von Travelhouse jenseits der Saane vorherzusagen, da es zahlreiche Überschneidungen bei Marken und Produkten gab.
Das Schicksal, das der Käufer für Tourisme Pour Tous vorgesehen hat, ergibt sich aus rein logischen Gründen: TPT ist eine historische Marke in der Reiselandschaft der Romandie, und ihr Portfolio steht nicht in gleicher Weise in Konkurrenz zu dem der anderen in der Westschweiz ansässigen Spezialisten von Kuoni.
Zwei andere Ereignisse aus jüngster Zeit belegen hingegen leider das geringe Interesse der Fachleute aus der Romandie an Veranstaltungen von nationaler Bedeutung: die kürzlich abgehaltene Generalversammlung des Schweizerischen Reise-Verbands (SRV) und die Roadshow ‘Visit USA’ Mitte September.
Im ersten Fall ist die Feststellung gravierend: Abgesehen von den vier Vorstandsmitgliedern waren nur 11 aktive Mitglieder in Strassburg und am Rhein anwesend, bei insgesamt 128 aktiven Mitgliedern aus der Romandie. Eine ebenso bedauerliche wie beunruhigende Beteiligung. In allen anderen Wirtschafts-, Sport- oder Politikbereichen ist die jährliche Generalversammlung des nationalen Verbandes rot im Kalender der Mitglieder markiert. In der Reisebranche ist dies nicht der Fall.
Haben die Abwesenden ein selektives Gedächtnis? Erinnern sie sich nicht mehr an die unglaubliche Energie, mit der sich die führenden Köpfe mitten in der Covid-19-Pandemie dafür eingesetzt haben, dass die Stimme der Outgoing-Branche bei den politischen Entscheidungsträgern Gehör findet? Haben sie auch den berühmten Härtefallstatus vergessen, den der SRV unter Führung seiner Frontlinie KLK (Katz-Lüthi-Kunz) erreicht hat?
Die Abwesenden hatten zweifellos alle die besten Gründe der Welt, auf die jüngste Generalversammlung des SRV zu verzichten. Sind das dieselben Leute, die sich nie für die Ausbildung des Nachwuchses engagiert haben? Manche nehmen die praktische Bedeutung ‘ihres’ SRV gar nicht ernst, obwohl sie noch nie auf den Reiter «Dienstleistungen» geklickt haben, auf dem alle technischen Leistungen aufgeführt sind, auf die sie Anspruch haben, beispielsweise im rechtlichen Bereich.
Dies ist nur ein Beispiel unter vielen. Mit diesem Verhalten wird es für die französischsprachige Schweiz schwierig, vier Sitze im Komitee eines Verbandes zu beanspruchen, dessen Regeln sie nicht befolgt. Das ist weder selbstverständlich noch ein göttliches Recht!
Im Fall von Visit USA folgt man lediglich der Logik des allgemeinen Desinteresses. Genf zeichnet sich seit langem durch eine hohe Abwesenheitsquote und viele No-Shows aus. Der Fall Genf hängt übrigens eng mit dem hohen Anteil an Grenzgängern zusammen, die in Reisebüros arbeiten: Hier gilt sehr oft die Regel ‘Metro-Arbeit-Schlafen’. Der Rest der Westschweiz schneidet zwar besser ab, aber es muss festgestellt werden, dass die grossen Reiseveranstalter bei Abendevents fast nie mitmachen.
Ist es nicht die Aufgabe der Führungspersonen, ihre Mitarbeiter zu motivieren? Ist es nicht ihre Aufgabe, den Kalender für Fachveranstaltungen zu führen und im Vorfeld einen Mitarbeiter pro Reisebüro zur Teilnahme zu motivieren? Wenn es kein Problem ist, einen Mitarbeiter zu finden, der bereit ist, sich für eine Informationsreise in den Indischen Ozean oder nach Polynesien zu ‘opfern’, warum sollte es dann bei einer Abendveranstaltung anders sein?
Einige Leiter von Reisebüros oder Reiseveranstaltern verstecken sich hinter der Behauptung, eine solche Teilnahme sei nicht verpflichtend. Falsch! Vertraglich kann immer festgelegt werden, dass Mitarbeitende abends an bestimmten Weiterbildungsveranstaltungen teilnehmen müssen. Für die Älteren ist das übrigens selbstverständlich. Schliesslich sprechen wir hier von der Reisebranche, nicht vom öffentlichen Dienst, der durch starre Gesetze – die unantastbaren Arbeitszeitregeln – eingeschränkt ist.
Daher liegt es in der Verantwortung der Organisatoren, die Mindestbeteiligung einer Person pro Reisebüro bei kostspieligen Veranstaltungen zu fordern, die sich letztlich als enttäuschend erweisen. Im Fall der jüngsten Visit USA sagt die Verbitterung der Organisatoren und Delegierten aus Übersee viel über die Bereitschaft aus, im nächsten Jahr erneut in der Westschweiz Halt zu machen.








